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Mit Drogenkonsum wollen Flüchtlinge das Geschehene vergessen

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Von: Dieter Hintermeier

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Frau Sohns-Riedl, Sie sind Leiterin des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe für den Hochtaunuskreis.

Frau Sohns-Riedl, Sie sind Leiterin des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe für den Hochtaunuskreis. Ist der Konsum von Alkohol und Drogen ein Thema bei Migranten und Flüchtlingen?

PIA SOHNS-RIEDL: Ja. Wir stellen eine steigende Nachfrage auch bei Migranten fest. 2015 hatten wir 107 Personen mit Migrationshintergrund in Beratung. Auch erste neu angekommene Flüchtlinge haben schon unsere Beratungsstelle besucht.

Welche Drogen werden konsumiert?

SOHNS-RIEDL: Neben Alkohol, hier ist es in erster Linie Bier, sind es Amphetamine, Cannabis, und auch das Glücksspiel ist bei Migranten und Flüchtlingen ein Problem.

Die meisten Migranten und Flüchtlinge haben einen muslimischen Hintergrund. Deren Glaube verbietet den Konsum von Drogen. Warum greifen die Migranten trotzdem zum Alkohol?

SOHNS-RIEDL: Junge Migranten, die in unsere Beratungsstelle kommen, sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Sie schämen sich. Es sind junge Männer mit viel Testosteron, die Alkohol und Drogen ausprobieren möchten.

Fragt man sie, warum sie konsumieren, so sagen sie, dass sie die Stimmung heben wollten, dass man sich besser entspannen kann, dass man leichter den Alltag vergessen kann, sich dabei wohl fühlt oder dass sie konsumieren, weil Erwachsene dagegen sind. Solch ein Konsumverhalten gibt es natürlich bei jungen Deutschen auch.

Was treibt die Migranten zu Drogen?

SOHNS-RIEDL: Durch ihre Flucht haben viele Traumata erlitten. Mit Drogenkonsum wollen sie vermutlich das Geschehene vergessen. Viele Flüchtlinge sind auch einsam, haben noch keine Beziehung und greifen deshalb zu Alkohol und Drogen.

Alkohol- und Drogenkonsum kann auch negative rechtliche Folgen haben. Klären Sie die Betroffenen darüber auf?

SOHNS-RIEDL: Ja, das tun wir. Wir weisen die Betroffenen darauf hin, welches Verhalten von ihnen in Deutschland erwartet wird. Und dass Drogenbesitz strafbar ist. Wir informieren sie über das Jugendschutzgesetz.

Wo sehen Sie die größten Probleme, um Flüchtlinge und Migranten vom Drogenkonsum abzuhalten?

SOHNS-RIEDL: Die Sprachbarriere ist noch sehr groß. Das behindert die Hilfe natürlich sehr. Daher sind wir über jeden engagierten Dolmetscher dankbar, der als Begleitung mitkommt.

( hin)

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