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Ein Tempolimit wäre ein eklatanter Beitrag zum Spritsparen

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Von: Christiane Warnecke

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Zur Debatte um eine Energieunabhängigkeit von Russland

Zugegeben: Mit Tempo 100 über eine freie Autobahn zu fahren, ist vollkommen spaßbefreit, langweilig und fast schon ein wenig einschläfernd. In Zeiten mit wenig Verkehr mal richtig Gas zu geben hingegen, bereitet Menschen, die gerne Auto fahren, Freude. Und man kommt - auf längeren Strecken - deutlich schneller ans Ziel. Gerade den Spaßfaktor des Schnellfahrens kennen Autofans auf der ganzen Welt und düsen deshalb gerne mal über eine deutsche Autobahn. Gibt es doch kaum mehr ein anderes Land der Welt, in dem noch auf vielen Strecken freie Fahrt herrscht.

Diesen Luxus für Autofahrer in Deutschland verteidigt die FDP wie eine Löwin. Sowohl im Koalitionsvertrag also auch im jüngsten Entlastungspaket der Ampelregierung haben die Liberalen dafür gekämpft, dass kein Tempolimit verhängt wird. In Zeiten einer drohenden massiven Energiekrise ist das aber nicht länger zu rechtfertigen.

So mancher hat seit dem rasanten Anstieg der Spritpreise vielleicht selbst schon ausprobiert, wie hoch der Unterschied beim Verbrauch auf 100 Kilometern ist, wenn man Tempo 100 , Tempo 120 oder Vollgas fährt. Das Ergebnis ist erstaunlich: Bei einer Vollgasfahrt verbrauchen viele Autos rund die Hälfte mehr als bei 100 Kilometern pro Stunde. Der Unterschied zwischen 100 und 120 ist nicht riesig, aber auch nennenswert. So könnten laut Zahlen des Umweltbundesamtes durch ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen jährlich rund 1000 Millionen Liter Benzin eingespart werden. Somit wäre ein Tempolimit - zumindest für die Zeit der Krise - ein eklatanter Beitrag zum Spritsparen. Das würde nicht nur der Unabhängigkeit Deutschlands von russischen Öllieferungen dienen, sondern auch dem Umweltschutz. Zusätzlich würde jeder Fahrer viel Geld sparen. Und der Verkehrssicherheit und einen besseren Verkehrsfluss dient ein Tempolimit im übrigen auch.

So ist es nachvollziehbar, dass sich nun auch der Deutsche Städtetag und der Umweltverband BUND für ein Tempolimit einsetzen. Unterstützung finden sie bei SPD und Grünen, die sich aber innerhalb der Regierung gegen den Widerstand der FDP bislang nicht durchsetzen konnten.

Denkbar wäre indessen ein befristetes Tempolimit per Verordnungsermächtigung durch das Wirtschaftsministerium, was nach Einschätzung von Verfassungsrechtlern zur Sicherung der Energieversorgung möglich wäre. Das allerdings würde den liberalen Koalitionspartner brüskieren. Bis die FDP zum Umdenken bereit ist, bleibt also wohl zunächst nur ein Weg: In Eigenverantwortung das Tempo zu drosseln.

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