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„Eine Herausforderung für Architekten und Ingenieure“

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Für die neue Hülle des havarierten Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine laufen die Fäden bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zusammen. Die Organisation mit Sitz in London hilft Ländern in Mittel- und Osteuropa bei ihrem Transformationsprozess. Mit dem Direktor der Abteilung Nukleare Sicherheit sprach Wolfgang Jung von der Deutschen Presse-Agentur.

Ist Tschernobyl sicher? Oder bleibt das AKW eine Zeitbombe?

VINCE NOVAK: Der 1986 havarierte Reaktor 4 enthält immer noch große Reste der Kernschmelze. Und der damals schnell errichtete Sarkophag ist mittlerweile selbst zu radioaktivem Abfall geworden. Aber würde er zerbrechen, könnte der neue Mantel die Strahlung am Austreten hindern. Ob Tschernobyl sicher ist? Ich denke, die Zeitbombe hört erst zu ticken auf, wenn der neue Schutz völlig abgeschlossen ist.

Was war die größte Herausforderung beim Bau der neuen Hülle?

NOVAK: Probleme gab es mehrere. Zunächst musste überhaupt erst ein Konzept für eine solche Hülle entworfen werden. Ein Schutzmantel für eine radioaktive Umgebung, mit vielen Funktionen und für 100 Jahre – das war eine echte Herausforderung für Architekten und Ingenieure. Am wichtigsten war aber, die Gesundheit der Arbeiter in dem kontaminierten Areal zu sichern. Ich sehe das als großen Erfolg.

Wer kommt für die künftigen Betriebskosten auf?

NOVAK: Eins der wichtigsten Details ist das Belüftungssystem. Es hält die Feuchtigkeit innerhalb der Schutzhülle in einem Bereich, der Korrosion vorbeugt. Natürlich. Es wird Anschlusskosten geben, etwa für Wartung und Ausrüstung. Sie werden von der Ukraine übernommen.

Was war die Aufgabe der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung?

NOVAK: Wir waren der Projektmanager und sind mit der Übernahme von einem Drittel der Gesamtkosten der größte Einzelfinanzier. Zunächst ging es in den 1990er Jahren darum, ein Programm für das Projekt zu entwerfen. Parallel waren die finanziellen und technischen Fragen zu lösen. Danach galt es, gemeinsam mit der ukrainischen Führung, den internationalen Geldgebern, dem Tschernobyl-Management und weiteren Stellen die vielen Probleme eines solch gewaltigen Projekts zu lösen.

Was sind die Lehren aus der Katastrophe von Tschernobyl?

NOVAK: Hier trifft jede Regierung ihre eigene und durchaus sehr unterschiedliche Entscheidung. Aber alle wollen dasselbe: sichere, zuverlässige, erschwingliche und umweltfreundliche Energiequellen.

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