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Vereinschef mit politischer Überzeugung: Eintracht-Präsident Peter Fischer will keine AfD-Mitglieder im Verein haben und löst damit einen Eklat aus.

Präsident Peter Fischer

Die Eintracht im AfD-Dilemma

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Wenn es um Anhänger der AfD geht, sieht Peter Fischer rot. In einem Interview lehnt der Präsident der Frankfurter Eintracht deren Mitgliedschaft in dem Fußballverein ab und löst damit eine Welle der Empörung bei der rechtspopulistischen Partei aus.

Peter Fischer war am Donnerstag ein überaus gefragter Mann – zumindest telefonisch hatte er eine Menge zu tun. „Die Leitungen platzen, es gibt niemanden, der nicht anruft“, meinte ein gestresst wirkender Präsident der Frankfurter Eintracht, während er gerade in einem Einkaufszentrum unterwegs war und sein Handy offenbar Sturm läutete. Den Anlass dazu hatte der 61-Jährige selbst geliefert und damit gleich für bundesweites Aufsehen gesorgt.

Genauer gesagt hatte sich das Eintracht-Urgestein Fischer in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ weit in Sachen Alternative für Deutschland aus dem Fenster gelehnt. Und damit war beileibe nicht die sportliche Alternative zum Branchenprimus Bayern München gemeint. Vielmehr stellte Fischer eine Unvereinbarkeit einer Mitgliedschaft in der AfD und bei der Eintracht heraus.

„Es verträgt sich nicht mit unserer Satzung, AfD zu wählen“, sagte Fischer und fügte hinzu: „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt. “ Zugleich machte der Club-Chef deutlich, dass es sicher auch unter Eintracht-Mitgliedern AfD-Wähler gebe. Er werde auf der kommenden Mitgliederversammlung Ende Januar „sehr deutlich klarmachen, was wir davon halten und dass der Verein für andere Werte und Ziele steht.“ Sport müsse auch politisch sein und seine Stimme gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen erheben.

Welche Stoßrichtung der angekündigte Auftritt auf der Mitgliederversammlung am 28. Januar haben wird, wollte Fischer nicht verraten. Fest steht aber jetzt schon, dass ihm die Aufmerksamkeit der AfD sicher ist, nachdem bereits seine gestrigen Äußerungen auf ein großes Echo in rechtspopulistischen Kreisen stießen.

Robert Lambrou und Klaus Herrmann, seit Dezember Landesvorsitzende der AfD Hessen, wiesen die Behauptung rassistischer und menschenverachtender Tendenzen sowie Antisemitismus-Vorwürfe in der Partei „entschieden zurück“. „Wer wie Herr Fischer im Falle der AfD, einer demokratischen und durch Wahlen legitimierten Partei (...) von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen spricht und in haltloser Art und Weise der AfD Antisemitismus unterstellt, begibt sich selber ins demokratische Abseits“, sagte Lambrou.

Zusammen mit seinem Co-Vorsitzenden Herrmann forderte Lambrou Fischer dazu auf, den Fußball und Eintracht Frankfurt als Sportverein nicht für seine eigenen politischen Ansichten zu instrumentalisieren. „Fußball sollte die schönste Nebensache der Welt bleiben, auch bei Eintracht Frankfurt“, sagte Herrmann. Bei einer Mitgliedschaft solle nicht die politische Überzeugung zählen, sondern die sportliche Ausrichtung. Sportvereine seien kein Ort für parteipolitische Bekenntnisse.

Auch in der Bundes-AfD stießen Fischers Äußerungen auf heftigen Widerspruch. Er könne es nicht nachvollziehen, woher der Eintracht-Präsident seine Ansicht über die AfD nehme, schrieb Uwe Schulz, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Gießen, in einem offenen Brief. „Es entzieht sich auch meiner Kenntnis, welchen demokratischen Prinzipien Sie folgen, wenn Sie auf einer Mitgliederversammlung „gegen die AfD Stellung beziehen“ wollen und worauf Ihre Motivation hierzu beruht.“

„Ihre Aussage ,wer die AfD wählt, kann bei uns kein Mitglied sein’ ist ungeheuerlich“, schrieb die der AfD nah stehende ehemalige Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach in einem weiteren offenen Brief. „Wollen Sie jetzt von jedem Ihrer Mitglieder eine eidesstattliche Versicherung verlangen, dass sie keine AfD-Wähler sind?“

„Ich habe heute Vormittag online einen Antrag auf Mitgliedschaft bei der Eintracht gestellt“, sagte Robert Lambrou. Das gelte auch für Klaus Herrmann. Beide bezeichnen sich als große Eintracht-Fans. Es gebe etliche Mitglieder der Eintracht, die bei der AfD seien. Diese Leute seien nun „stinksauer“. Zugleich äußerten die beiden AfD-Sprecher ihr Interesse an einem persönlichen Gespräch mit Fischer.

Daran sei er nicht interessiert, lehnte der Eintracht-Präsident auf Anfrage dieser Zeitung das Angebot rundweg ab. Er habe das Entstehen der Partei in Deutschland erlebt und halte sie für „vollkommen dialogunfähig“. „Und von daher habe ich überhaupt kein Interesse auch nur in die Nähe von einem AfD-Vertreter zu kommen“, sagte Peter Fischer.

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