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SGE vs. AfD

Eintracht-Frankfurt-Spieler schweigen im AfD-Streit

Die Fußballwelt diskutiert über die AfD-Aussagen des Eintracht-Präsidenten Peter Fischer: Niemand könne Mitglied sein, „der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt“. Doch die Spieler schweigen. Dürfen oder wollen sie nichts sagen?

Nachdem sich Eintracht-Präsident Peter Fischer negativ über Wähler der AfD geäußert hat, schlagen die Wellen hoch. Fans und Experten diskutieren, die AfD zeigt Fischer an – und im Trainingslager in Spanien erwarteten die Journalisten mehrerer Medien Aussagen der Spieler zu der Frage, ob AfD-Wähler in ihren Augen auch -Mitglieder sein können. Diese Frage hatte Peter Fischer aufgeworfen.

Doch die Fußballer schweigen. Interviewwünsche zu dem Thema hatte eine Eintracht-Sprecherin gegenüber dieser Zeitung am Mittwoch klar abgelehnt. Die Spieler seien angehalten, sich nicht zu politischen Themen zu äußern, hieß es. Nach wiederholter Nachfrage beim Verein widersprach Eintracht-Kommunkationsdirektor Jan Strasheim am Donnerstagabend der Aussage vom Vortag. „Ein Redeverbot gibt es nicht“, sagt er. „Wir haben mündige Spieler, die in der Lage sind, ihre Meinung zu sagen.“ Nach Aussage von Strasheim wollen die Spieler aber nicht über Rassismus und die AfD sprechen. Das gelte auch für Eintracht-Star Kevin-Prince Boateng, ehemaliger Anti-Rassismus-Botschafter der Fifa.

Auf die Äußerungen von Peter Fischer und das Thema Rassismus angesprochen, hat auch er im Trainingslager Campoamor gestern einem Journalisten gegenüber die Antwort verweigert. Das müsse man verstehen, sagt Strasheim, Boateng habe schon so viel zu dem Thema Rassismus gesagt. Er wolle sich lieber aufs Training konzentrieren, so Strasheim.

Ein Redeverbot wäre im Profi-Fußball nicht neu. Generell wird die Berichterstattung über die Eintracht wie bei den meisten Clubs immer stärker kontrolliert und eingeschränkt. So ist es in der Regel auch bei dem Frankfurter Bundesligisten untersagt, ohne Beteiligung der Presseabteilung mit Spielern zu sprechen.

Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV, weiß, dass es solche Einschränkungen für Spieler gibt. Für ihn ist das Ganze keine politische, sondern eine rechtliche Frage. Er weist darauf hin, dass die „Musterarbeitsverträge für die Spieler relativ weitreichende Vorgaben für Medien-Interviews enthalten“. Demnach sei der Spieler bei Angelegenheiten, die die Interessen seines Arbeitgebers beträfen, „grundsätzlich verpflichtet, die Zustimmung des Vereins einzuholen, sofern er dazu Gelegenheit hatte“, sagt Baranowsky. Andererseits hätten aber auch Fußballer wie alle anderen Angestellten „politische Meinungsfreiheit“.

Deshalb komme es immer auf den Einzelfall an. Wenn sich ein Spieler „grundsätzlich gegen Rassismus äußert, ist das unproblematisch“. Wenn es aber um Äußerungen des eigenen Präsidenten, vielleicht sogar eine Gegenposition, gehe, rate er den Spielern, sich mit dem Club und der Gewerkschaft abzustimmen.

Für ein „großes Problem“ hält André Keil vom Verband Deutscher Sportjournalisten Verbote für politische Äußerungen. Jeder Spieler müsse das selbst entscheiden dürfen. „Einen generellen Maulkorb finde ich grenzwertig“, sagt der Vizepräsident der Journalistenorganisation.

Sportler seien „erwachsene und mündige Menschen“, die in einer demokratischen Gesellschaft ihre Meinung sagen können müssten, sagt Keil. Für ihn ist das Problem nicht neu. Doch in einer sich ändernden politischen Landschaft wachse die Nachfrage nach Stellungnahmen von Sportlern zu gesellschaftlichen Fragen: „Von Sportlern, die eine Vorbildfunktion haben, erwartet man eine klare Grundhaltung.“

Auch für Lutz Hangartner, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), ist klar: Jeder Spieler und Trainer soll „ein mündiger Bürger sein, der sich dafür interessiert, was im gesellschaftlichen und politischen Leben passiert“. „Niemandem sollte der Mund verboten werden“, sagt Hangartner. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Bundesligaverein seinen Spielern verbiete, zu politischen Themen Stellung zu nehmen. Das gelte auch für Trainer, sagt er und verweist darauf, dass das Fußball-Magazin „Kicker“ gerade Christian Streich zum „Mann des Jahres 2017“ gewählt hat – den Trainer des nächsten Eintracht-Gegners SC Freiburg, der in politischen Fragen kein Blatt vor den Mund nimmt.

Im Gegensatz zu den Spielern äußerte sich Wolfgang Steubing gestern und stärkte dem Eintracht-Präsidenten Fischer den Rücken: „Eintracht Frankfurt steht für Fairness, ein sympathisches Miteinander, Toleranz und gegen Antisemitismus und Rassismus“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Frankfurter Fußball-Bundesligisten, als er am Donnerstagnachmittag im Trainingslager in Spanien ankam. „Das ist die richtige Antwort auf das, was einem jetzt entgegengeschleudert wird von der AfD oder Leuten, die der AfD nahe stehen“, ergänzte er.

Der mit Steubing angereiste Fischer hingegen hat sich selbst eine Art Maulkorb verordnet: Er will sich erst in der Mitgliederversammlung am 28. Januar wieder äußern. (Mitarbeit: mka, kes)

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