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Interview mit Thomas Mann (Europaabgeordneter der CDU für Hessen in der Europäischen Volkspartei) am 13.02.2017 in Frankfurt.

Parlament wurde gesperrt

Europaabgeordneter Thomas Mann erzählt, wie er den Anschlag in Straßburg erlebte

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Seit 1994 ist Thomas Mann Europaabgeordneter der hessischen CDU. Bei der Europawahl 2009 trat er sogar als Spitzenkandidat seines Landesverbandes an. Aber das, was er am Dienstagabend erlebte, ist ihm noch nie widerfahren.

Nach einer Sitzung im Straßburger EU-Parlament hatte sich Mann noch mit seinen Mitarbeitern zur Nachbesprechung eingefunden, als sie von der Information aufgeschreckt wurden, dass es in der Straßburger Innenstadt einen „Terroranschlag“ gegeben habe.

Parlament sofort gesperrt

Nach der Mitteilung sei sofort das Parlament gesperrt worden. „Es durfte ab diesem Zeitpunkt keiner mehr raus und rein“, berichtet der 72-jährige CDU-Politiker im Gespräch mit dieser Zeitung. Dann sei noch der Hinweis des Parlaments-Präsidenten gekommen, „sich nicht nach draußen zu bewegen“.

Da sei es 20 Uhr gewesen, so Mann weiter, und er und seine Mitarbeiter hätten damit gerechnet, dass sie das Gebäude um 22 Uhr wieder würden verlassen können. Das stellte sich aber als Trugschluss heraus. Mann erzählt: „Um 2 Uhr morgens wurden die Abgeordneten wieder ins Parlament gerufen. Dort teilte man uns mit, dass die Abgeordneten, die in Hotels der Straßburger Innenstadt übernachten, mit Bussen und einer Polizeieskorte dort hingebracht werden“.

Wollten keine Bevorzugung

Diese „Idee“ der Parlamentsverwaltung sei aber auf den Unwillen der Abgeordneten gestoßen. „Wir wollten keine Bevorzugung gegenüber unseren Mitarbeitern, Assistenten und Besuchern“, sagt Mann.

Da der hessische CDU-Politiker aber nicht in einem Innenstadt-Hotel wohnte, habe er den Fahrdienst des Parlaments genutzt, der ihn zu seiner Unterkunft außerhalb von Straßburg gebracht hätte. Dort sei er dann gegen 2.30 Uhr angekommen.

Kurze Nacht

Es sei eine kurze Nacht gewesen, denn um 7 Uhr musste Mann sein Hotel wieder verlassen, um 8 Uhr hätte das Parlament schon wieder getagt. Nachdem sich die Abgeordneten bei den Parlamentsmitarbeitern für deren Einsatz in der vorangegangenen Nacht bedankt hätten, und den Opfern der Terrorattacke gedacht wurde, sei im Anschluss der Sacharow-Friedenspreis verliehen worden.

Ein ganz besonderes Lob habe es von den EU-Abgeordneten für die französischen Sicherheitskräfte gegeben, die Schlimmeres an diesem langen Abend verhindert hätten.

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