1. Startseite
  2. Politik

Eurowings: Schwieriger Wachstumsschub

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Panagiotis Koutoumanos

Kommentare

null
© (FNP)

Dass die Lufthanseaten schon seit langem auf Verbindungen der siechenden Air Berlin abseits deren Drehkreuze in Berlin und Düsseldorf erpicht gewesen sind, kann man wirklich nicht behaupten.

Dass die Lufthanseaten schon seit langem auf Verbindungen der siechenden Air Berlin abseits deren Drehkreuze in Berlin und Düsseldorf erpicht gewesen sind, kann man wirklich nicht behaupten. Gegen eine solche Begierde sprechen zum einen die kartellrechtlichen Hürden, die ihre Billigflug-Tochter Eurowings im Falle einer Einigung zu überwinden hat: In Hamburg zum Beispiel kommen Eurowings und Air Berlin zusammen auf einen Marktanteil von 70 Prozent – da wird Eurowings etliche Start- und Landesrechte anderen Airlines überlassen müssen.

Hinzu kommt, dass bei den Berlinern die Personalkosten in Cockpit und Kabine nicht auf Billigflieger-Niveau liegen, sondern fast auf dem hohen Niveau der Kernmarke Lufthansa – weshalb die ja auch seit fünf Jahren stetig schrumpft, während Eurowings stetig wächst. Damit nicht genug, sind auch die Leasing-Verträge für die Air-Berlin-Maschinen im Marktvergleich zu hoch. Da verwundert es nicht, dass beide Seiten zunächst nur eine Absichtserklärung unterzeichnet haben – um die Höhe der Miete, für die insgesamt 40 Air-Berlin-Maschinen samt Crews wird da noch heftig gerungen werden.

Aber Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hatte kaum eine andere Wahl, wenn er Ryanair und Easyjet endlich Paroli bieten will. Die beiden Low-Cost-Carrier, die mit ihren Billig-Tickets auf den innereuropäischen Strecken die traditionellen Netzwerk-Airlines verdrängt und das Billig-Geschäft zur Norm gemacht haben, wollen besonders in Deutschland weiter expandieren – umso mehr als sie angesichts des bevorstehenden Brexit mit einer schwachen Entwicklung des britischen Marktes rechnen. Ryanair hat sogar angekündigt, seinen hiesigen Marktanteil von circa 13 Prozent verdoppeln zu wollen. Vor diesem Hintergrund hat Spohr nicht riskieren können, dass Air Berlin unkontrolliert zusammenbricht, und sich dann Ryanair und Easyjet deren Start- und Landerechte hierzulande sichern. Die beiden führenden Preisbrecher in Europa wären deutlich unangenehmere Konkurrenten geworden, als es die seit Jahren schwächelnde Air Berlin je gewesen ist.

Wenn der Lufthansa-Chef deshalb nun für seine Billigflug-Tochter die avisierten 35 Air-Berlin-Maschinen samt Crews per „wet lease“ übernimmt, kommt er zudem seinem Ziel schneller näher, die Eurowings-Flotte auf eine Größe zu bringen, die es der lila-blauen Airline ermöglichen könnte, die drei bis vier Mal so großen Ryanair und Easyjet in Europa wieder zurückzudrängen. 230 Flieger sind nach Ansicht Spohrs dazu notwendig – 90 sind es bislang. Aus eigener Kraft kann Eurowings dieses Wachstum nicht schnell genug stemmen. Der Deal mit Air Berlin erscheint da unterm Strich ebenso sinnvoll wie die Komplettübernahme der Brussels Airlines – auch wenn diese zuletzt wieder in der Verlustzone gelandet ist. Von den Belgiern kann Eurowings zumindest die 29 Airbus-Mittelstrecken-Jets gebrauchen. Insgesamt würde die Eurowings-Flotte damit quasi auf einen Schlag um 64 auf 154 Maschinen wachsen. Nicht auszuschließen, dass bald auch noch die Flieger der Thomas-Cook-Flotte – zu der auch die Ex-Lufthansa-Tochter Condor gehört – hinzu kommen. Entsprechende Gerüchte halten sich seit Monaten.

Dass ein solcher Wachstumsschub nicht leicht zu verdauen ist, liegt auf der Hand – die Integrationsarbeiten, die da auf Eurowings-Chef Karl Garnadt zukommen, sind gewaltig: angefangen von der Anpassung der IT bis hin zur einheitlichen Kabinen-Konfiguration. Die Aufgabe, eine entsprechende Basis für die geplante Expansion der Eurowings zu entwickeln, sei „so anspruchsvoll wie der Schaltplan eines Mikrochips“, gab Garnadt kürzlich zu bedenken. Dass sowohl die Air-Berlin- als auch die Brussels-Maschinen erst zum Sommerflugplan 2017 für Eurowings starten sollen, lässt denn auch vermuten, dass der 59-Jährige den ungeduldigen Konzernchef Spohr in seinem Expansionsdrang gebremst hat.

Auch interessant

Kommentare