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Wettbewerbsbehörde

Kommentar: Facebook Like-Button fürs Kartellamt

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Facebook wurde am Donnerstag 15. Jahre alt, fast noch pünktlich hatte das Bundeskartellamt ein sehr ambivalentes Geschenk über den Atlantik geschickt.

Am Montag war Geburtstag, ein halbrunder sogar. Facebook wurde 15. Am Donnerstag, fast noch pünktlich also, hat das Bundeskartellamt seinem Erfinder, Mr. Mark Zuckerberg, Palo Alto, Kalifornien, ein sehr ambivalentes Geschenk über den Atlantik geschickt.

Einerseits bescheinigt die oberste Wettbewerbsbehörde dem Vorstandsvorsitzenden von Facebook Incorporated den maximalen Erfolg – nämlich den deutschen Markt zu beherrschen. Andererseits gibt es ihm genau deshalb auf, fortan sein Kerngeschäft zu beschneiden: das unbegrenzte und – das vor allem – unkontrollierte Sammeln von Daten seiner Mitglieder. Die sollen künftig selbst entscheiden dürfen, ob der Facebook-Konzern aus jeder Spur, die sie bei dessen Diensten oder auf mit Facebook sicht- oder unsichtbar im Internet verbundenen Seiten hinterlassen, Datensammlungen fertigen darf. Bislang tut Facebook das einfach, betätigt sich als Profiler seiner Mitglieder – und verkauft sein geheimes Wissen unausgesetzt seinen Anzeigenkunden für maßgeschneiderte Werbung. Nur noch einmal zur Erinnerung: Das – ist Zuckerbergs Geschäftsmodell. Damit ist Facebook rasend schnell das wert- und machtvollste Unternehmen der Welt geworden. Das Soziale an diesem Sammel-Netzwerk ist nur Mittel zum Zweck.

Man kann das für gefährlich halten, man kann Facebook und seine zugekauften Schwester-Plattformen WhatsApp und Instagram meiden – und als Mitglied der Generation 60 plus einigermaßen kommod durch den Alltag kommen. Für Jüngere – und Großeltern, Vereinsverbandelte, Angehörige von Trainings-, Freundes- oder sonstigen Gruppen – wird es ohne WhatsApp auf dem Smartphone aber schon sehr eng.

Und deshalb: Einmal mit Macht den Like-Button gedrückt für das Bundeskartellamt. Es soll verhindern, dass sich zu viel Macht bei einzelnen Unternehmen konzentriert. Und was, wenn nicht Daten und Informationen, macht mächtig? Im 21. Jahrhundert vielleicht mehr denn je. Nur logisch, dass Facebook vor Gericht ziehen will. Man darf, nein: muss, auf Abschmetterung hoffen. Indes: Nicht die allerklügste Rechtsprechung kann die Lösung finden für das zweite große Dilemma. Dass nämlich die Vernetzung der Welt via Social Media täglich, stündlich, minütlich neue, gefühlte Wirklichkeiten erzeugt und alternative Fakten – und die daraus resultierende Gefahr Mr. Zuckerberg sonstwo vorbeigeht.

Mehr noch: Er hält seine User in einer Angst-Klemme fest. Was fürchten sie mehr? Die Kontrolle über ihre Geheimnisse und ihr Bild in der Öffentlichkeit an unsicht- und ungreifbare Datenkraken zu verlieren – oder soziale Vereinsamung durch Social-Media-Boykott? Der Weg dazwischen ist bislang unerforscht. Weil er anstrengend ist. Und nicht offen liegt. Das Kartellamt weist jetzt wenigstens die Richtung.

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