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Professor Pfeiffer

„Facharbeiter sind nicht einfach zu ersetzen“

Zwei Studien werden immer wieder für das Fortschreiten der Automatisierung zitiert: Erstens die der Oxford-Professoren Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne.

Zwei Studien werden immer wieder für das Fortschreiten der Automatisierung zitiert: Erstens die der Oxford-Professoren Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne. Sie haben das Automatisierungspotenzial von 702 Berufen analysiert und prognostizieren, dass 47 Prozent der Arbeitsplätze in den USA durch die voranschreitende Automatisierung gefährdet sind. In Deutschland sollen es 42 Prozent sein

.Zweitens wird die 2016 veröffentlichte Studie des Weltwirtschaftsforums in Davos genannt. Sie sagt voraus, dass der Automatisierung in den 15 wichtigsten Industrieländern bis Ende 2020 fünf Millionen Jobs zum Opfer fallen werden.

Sabine Pfeiffer, Professorin für Soziologie an der Universität Hohenheim hält diese Szenarien für irreführend. „Alle Einschätzungen nehmen ihren Ausgang in einer Unterscheidung von Routine- und Nicht-Routine-Tätigkeiten, wobei Routine als technisch ersetzbar gilt und Nicht-Routine als noch nicht“, sagt Pfeiffer, eine gelernte Werkzeugmacherin. „Nun ist es aber so, dass die meisten als Routinearbeit eingestuften Tätigkeiten überhaupt keine Routinearbeiten sind.“

Pfeiffer untersucht in hochtechnisierten Betrieben, wie in einem Nutzfahrzeugwerk von Volkswagen oder dem Maschinenbau-Unternehmen DMG Mori Seiki, was für Anforderungen an die Arbeitnehmer gestellt werden und wie sich deren Arbeit auf den Erfolg eines Unternehmens auswirkt.

Pfeiffers Bilanz: „Die Tätigkeit der Facharbeiter, Mechaniker oder Mechatroniker ist nicht einfach ersetzbar. Sie ist viel anspruchsvoller und komplexer als immer unterstellt wird. Würden diese Fachkräfte ersetzt, wäre das sicherlich das Ende der Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie, deren Wettbewerbsvorteil ja gerade die gute duale Ausbildung ihrer Arbeitnehmer ist.“

In den vielen qualifizierten Beschäftigten hierzulande sieht Pfeiffer auch die große Chance: 67 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland hätten mindestens eine berufliche Ausbildung – machen also das Gegenteil von Routinearbeit. „Das ist ein Pfund für die Zukunft – und eine völlig andere Ausgangsbasis für den Wandel als wir es etwa im polarisierten Arbeitsmarkt der USA sehen.“

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