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Flüchtlinge in Paris: Verfahrene Lage

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© Andreas Licht

Wer an einem milden Herbstvormittag einen Brunch in einem der Cafés im hippen Nordosten von Paris um die Metrostationen Stalingrad und Jaurès einnimmt oder am Abend ein Gläschen auf der Terrasse,

Wer an einem milden Herbstvormittag einen Brunch in einem der Cafés im hippen Nordosten von Paris um die Metrostationen Stalingrad und Jaurès einnimmt oder am Abend ein Gläschen auf der Terrasse, bekommt einen verstörenden Ausblick geboten: Hunderte Zelte reihen sich hier aneinander, in denen Flüchtlinge eine Art Parallel-Leben zu jenem der Pariser führen: In einer der glamourösesten Städte der Welt fristen sie ein Dasein unter freiem Himmel, angewiesen auf die Hilfe von Ehrenamtlichen und Anwohnern, um das Nötigste zum Leben zu haben.

Die französische Metropole erscheint vielen Flüchtlingen attraktiv – und hat ihnen doch nichts anzubieten. Vielmehr geht die Polizei regelmäßig brutal gegen sie vor, um sie zu vertreiben. Doch hätten sie einen anderen Ort, wären sie dort längst. Die These, dass ein menschlicher Empfang, der ein menschenwürdiges Minimum bietet, immer noch mehr Migranten anzieht, wird dort widerlegt, wo dieser Empfang nicht besteht – und trotzdem der Strom der Neuankömmlinge nicht abreißt. Sie rechtfertigt es daher nicht, Menschen ihrem Schicksal zu überlassen. Das erscheint in einer Stadt wie Paris besonders unerträglich, wo sich der Reichtum konzentriert.

Noch bevor hier demnächst zwei neue Flüchtlingsunterkünfte öffnen, die dringend benötigt werden, steht bereits fest, dass deren Aufnahmekapazitäten nicht ausreichen. Die Lage erscheint ähnlich verfahren wie im nordfranzösischen Calais, wo das wilde Flüchtlingslager nun zwar offiziell aufgelöst wurde, dessen frühere Bewohner in Erstaufnahmeeinrichtungen eine Versorgung mit dem Nötigsten bekommen, bevor geklärt wird, ob sie Bleiberecht haben. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich hier wieder jene in Slums ansiedeln, die weiterhin die Überreise nach Großbritannien versuchen. Solange die Ursachen der Flüchtlingskrise weiterbestehen, wird diese nicht gelöst. Sicherlich aber auch nicht durch die pauschale Ablehnung derjenigen, die auf der Flucht sind.

politik@fnp.de  

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