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Ein Mann betritt das ?Ankerzentrum? in Donauwörth. In solchen Lagern soll künftig das gesamte Asylverfahren stattfinden.

Flüchtlinge

Forscher sehen Integration beeinträchtigt

Die von der großen Koalition geplanten sogenannten „Ankerzentren“ könnten einer wissenschaftlichen Studie zufolge die Integration von Flüchtlingen erschweren und dürften die Asylverfahren kaum beschleunigen.

Die sogenannten „Ankerzentren“ könnten bei den Betroffenen zu hohen Belastungen führen, heißt es in der vom Mediendienst Integration vorgestellten Untersuchung. Da Flüchtlinge in den „Ankerzentren“ kaum Zugang zu Integrations- und Sprachangeboten hätten und nicht arbeiten dürften, müsse die Integration im Anschluss „nachgeholt“ werden, beklagen die Wissenschaftler.

Forschungen zeigten zudem, dass die Unterbringung in Sammelunterkünften zu hohen Belastungen führen könne. Denn Asylbewerber fänden dort wenig Rückzugsräume und müssten mitunter lange auf die Entscheidung über den Asylantrag warten.

Diese Probleme könnten sich mit den „Ankerzentren“ weiter verschärfen, heißt es in der Studie. Denn diese seien für bis zu 1500 Menschen ausgelegt, zudem betrage die maximale Aufenthaltsdauer 18 Monate. In den vergangenen Jahren hätten Kommunen und Flüchtlingsinitiativen eine zentrale Rolle in der Integrationspolitik eingenommen, heißt es in der Studie weiter. Die „Ankerzentren“ würden aber die Bedeutung dieser „lokalen Unterstützungsstrukturen“ ignorieren und könnten dazu führen, dass deren Wissen verloren gehe.

Zudem würden „Ankerzentren“ als Fremdkörper in den betroffenen Kommunen wahrgenommen und könnten so einen Nährboden für Vorurteile liefern. Auch sei fraglich, ob in den Zentren tatsächlich die Asylverfahren beschleunigt werden könnten. Denn vor allem das EU-Recht verlange eine Berücksichtigung der speziellen Situation etwa von

Frauen und Kinder

n. Die bisherige Planung der sogenannten „Ankerzentren“ werde aber „den Anforderungen aus internationalen Abkommen nicht gerecht“.

Aus migrationswissenschaftlicher Perspektive sei den „Ankerzentren“ mit großer Skepsis zu begegnen, lautet das Fazit der Forscher. Sie verweisen darauf, dass in den vergangenen Jahren erfolgreiche Konzepte der Unterbringung in Wohnungen entwickelt worden seien. Diese erleichterten den Kontakt zur Gesellschaft und ermöglichten eine selbstbestimmtere Lebensführung.

Weiterhin plädieren die Forscher dafür, die Asylverfahren an die Bundesländer abzugeben. Denn dezentrale Strukturen hätten sich in der Vergangenheit bewährt. Beteiligt an der Studie waren die Göttinger Migrationsforscherin Sabine Hess sowie die Wissenschaftler Andreas Pott, Hannes Schammann, Albert Scherr und Werner Schiffauer. Auf die „Ankerzentren“ hatten sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt. Auch im Masterplan Integration von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) spielen sie eine wichtige Rolle.

Das Wort Anker steht für Ankunft, kommunale Verteilung, Entscheidung und Rückführung. Ziel ist es, mit den Einrichtungen Asylverfahren zu beschleunigen. Deshalb sollen alle relevanten Behörden mit von der Partie sein. In den Zentren sollen Asylbewerber für die gesamte Dauer ihrer Antragsprüfung untergebracht werden.

dfg f dgh tg

(dpa)

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