Fragwürdige Befragung

  • schließen

Bürgerbefragungen sind eine gute Sache. Sie sind ein Ausdruck von Demokratie. Wenn es allerdings um die gravierende Frage einer Olympia-Bewerbung geht, sollten sie nicht alleine der Maßstab sein.

Bürgerbefragungen sind eine gute Sache. Sie sind ein Ausdruck von Demokratie. Wenn es allerdings um die gravierende Frage einer Olympia-Bewerbung geht, sollten sie nicht alleine der Maßstab sein. Zumindest dann nicht, wenn in den betroffenen Metropolen Berlin und Hamburg jeweils lediglich 1500 Einwohner befragt werden.

Diese vergleichsweise geringe Anzahl an Bürgern entscheidet in diesen Tagen über die deutsche Kandidaten-Stadt für die Sommerspiele 2024. So will es die Politik. So will es der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Das Ergebnis der Umfrage vermittelt zwar sicherlich einen wichtigen Eindruck von der Stimmung im Volk. Doch es sollte vielmehr nur ein Gradmesser bei der Entscheidungsfindung sein. Hier geht es um eine millionenschwere Bewerbung, die bei einem Olympia-Zuschlag Investitionen im Milliarden-Bereich nach sich ziehen würde. Für einen Bürger ist es schwer abzusehen, was Olympia tatsächlich mit sich bringen würde – steuerlich, ökologisch, finanziell oder sozial.

Ohnehin stellt sich immer noch die grundsätzliche Frage nach dem Sinn einer Bewerbung für das Jahr 2024. Die Erfolgschancen scheinen klein, der Mitkonkurrent USA gilt als Favorit. Obendrein bewirbt sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) um die Europameisterschaft 2024 – mit guten Chancen. Und dass die beiden bedeutendsten Sportveranstaltungen eines Jahres – Olympia und Fußball-EM – binnen weniger Wochen in einem Land stattfinden, ist kaum vorstellbar.

Selbst die bisherige Interpretation der Olympischen Charta besagt in Paragraf 34: Ausrichtung und Ablauf der Spiele dürfen in keiner Weise von einer anderen Veranstaltung beeinträchtigt werden, die in der Gastgeberstadt oder in ihrer Umgebung stattfindet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare