Heizstrahler könnten die Bewirtung im Außenbereich auch während Corona möglich machen.
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Heizstrahler könnten die Bewirtung im Außenbereich auch während Corona möglich machen.

Pandemie

Corona-Pandemie: Warum Heizpilze die Gastronomie in Deutschland retten könnte

  • Delia Friess
    vonDelia Friess
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Heizpilze gelten als umweltschädigend und sind deshalb in vielen Städten verboten. Nun wird eine Debatte geführt, ob eine Aussetzung des Verbotes während der Corona-Pandemie sinnvoll ist.

  • Heizstrahler können im Herbst und Winter die Außenbewirtung möglich machen, weil aufgrund des Coronavirus die Sitzplätze in den Innenräumen beschränkt sein werden.
  • In den meisten Städten sind Heizstrahler allerdings verboten.
  • Gastro-Verbände fordern in der Winterzeit wegen Corona nun eine Ausnahme.

Frankfurt am Main - Im Freien sitzen und Kaffeetrinken, wenn Minusgrade herrschen. Heizstrahler machen gemütliches Kaffeetrinken im Freien auch im Winter möglich.

In vielen Städten sind Heizstrahler oder Heizpilze, wie sie auch genannt werden, aber mittlerweile verboten, da sie als Klimasünder gelten. Nun wird eine Debatte über eine Aufhebung des Verbotes während der Corona-Pandemie geführt. Denn Heizstrahler können für die Gastronomie während der Coronakrise eine Erleichterung sein: Gäste könnten auch im Herbst und Winter im Freien sitzen und sich so einem geringerem Risiko aussetzen, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Zudem können die Abstandsregeln im Freien besser eingehalten werden, so ein weiteres Argument.

Heizpilze: Umweltsünder könnten Gastro in Zeiten von Corona retten

Das Problem dabei: Heizstrahler sind zwar Wärmequellen, qualmen aber auch reichlich Kohlenstoffdioxid in die Luft. Bis zu 3, 5 Kilogramm pro Stunde, wie eine Bürgerinitiative zum Verbot der Heizstrahler angibt. Das ist etwa der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von einem Auto im Jahr, wie auch die Umweltorganisation der BUND berichtet.

In folgenden Bundesländern sind Heizstrahler mittlerweile verboten:

München, Berlin, Köln, Nürnberg, Ludwigsburg, Stuttgart, Tübingen

Corona in Deutschland: Debatte um Aufhebung des Verbots von Heizpilzen

Vertreter der Gastronomie fordern nun eine zeitweise Aufhebung des Verbotes von Heizstrahlern. „Ein Gastronom, der darüber nachdenkt, die Saison zu verlängern oder den Außenbereich zu erweitern, sollte die Möglichkeit haben, auch Heizpilze zu nutzen.“, sagte Ingrid Hartges vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

In Frankfurt und Darmstadt sind die Heizpilze bisher nicht verboten, obwohl Bürgerinitiativen das fordern: Erst im Januar wollte Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker (CDU) ein Verbot prüfen lassen, wie damals die Frankfurter Rundschau* berichtete.

Aufhebung des Verbots von Heizpilzen: Verständnis von den Grünen

In Tübingen kommt Verständnis für die Aufhebung des Verbotes von Heizkörpern ausgerechnet von den Grünen: „Solange man drinnen sitzen konnte, waren Heizpilze vor allem eine Klimasauerei.“, sagte Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) der Südwestpresse. Mit Corona könne man aber schlecht drinnen sitzen. Daher werde man diesen Winter Heizstrahler ausnahmsweise gestatten, begründet Palmer die Entscheidung.

Klimakiller Heizpilze: Verbotsaufhebung wegen Corona im Winter 2020

Auch auf Bundesebene gab es Zustimmung von den Grünen. Anton Hofreiter (Grüne) äußerte sich positiv über den Vorschlag, Heizpilze in der Coronazeit im Winter 2020 ausnahmsweise zu gestatten: „In diesem Winter ist das alles anders und daher wäre ich in dieser speziellen Ausnahmesituation und mit Blick auf den Gesundheitsschutz dafür, Verbote zeitlich befristet auszusetzen.“, so Hofreiter. Allerdings ziehe er Überdachungen, Zelte und Decken als Lösung Heizkpilzen vor.

Unterstützung bekommt der Gastro-Verband auch von der FDP, wie der Tagesspiegel berichtet. „Heizpilze sind umweltpolitisch problematisch, einen verantwortlichen Einsatz in diesem Ausnahmejahr 2020 sollten wir aber zulassen“, sagte Marcel Klinge von der FDP-Fraktion im Bundestag.

Heizpilze im Freien: Retten Heizkörper die Umsätze der Gastronomie im Winter 2020?

Umweltverbände sind von der Idee, Heizpilze im Freien im Winter 2020 wegen der Coronakrise zu erlauben, jedoch nicht begeistert, wie auch „Der Spiegel“ berichtet: Irmela Colaço von dem Umweltverband BUND nannte die Heizpilze eine „Klimasauerei“. Die Gastronomie brauche staatliche Unterstützung, „aber nicht auf Kosten des Klimas“, sagte die Energieexpertin der Nachrichtenagentur AFP. (Von Delia Friess)

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