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Thorsten Schäfer-Gümbel, hessischer SPD-Fraktionsvorsitzender, verlässt den Raum der Landespressekonferenz, wo er seinen Rückzug aus der Politik erklärt hatte.

Rücktritt aus Politik

Kommentar zu Schäfer-Gümbel: Abschied mit erhobenem Haupt

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Am Dienstag hat SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel seinen Rücktritt aus der Politik verkündet. Ein Kommentar von FNP-Redakteur Gerhard Kneier.

Frankfurt - Thorsten Schäfer-Gümbel zieht sich mit einer von kaum jemandem erwarteten Konsequenz komplett aus der Politik zurück und gibt alle Positionen einschließlich des Landtagsmandats auf. Ohne dass es irgendjemand in der SPD gefordert hätte, erspart er seiner Partei damit hämische Kommentare wie den, es werde auch beim vierten Anlauf nichts mit der Wahl des Ministerpräsidenten.

Dabei war der erste Versuch 2008 nicht mehr als ein In-die-Bresche-Springen. Denn nach dem Debakel um die gescheiterte Ministerpräsidentenkandidatur Andrea Ypsilantis war der Absturz bei der Wahl 2009 wohl unabwendbar – mit welchem neuen Bewerber auch immer.

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Doch danach gelang Schäfer-Gümbel das Kunststück, die Partei wieder aufzubauen und die lange zerstrittenen Parteiflügel zu versöhnen. Als starker Oppositionsführer erst gegen Roland Koch und dann gegen Volker Bouffier konnte er sich als ernstzunehmende Alternative profilieren und führte die SPD mit einem Zuwachs von mehr als sieben Prozentpunkten 2013 zurück zu alter Stärke. Bei der Regierungsbildung hatte er freilich das Nachsehen gegenüber der unerwarteten schwarz-grünen Liaison. Nicht zuletzt, weil Schäfer-Gümbel sich vehement gegen ein neuerliches rot-rot-grünes Experiment sträubte.

In der Krise nach dem großen Zustrom von Flüchtlingen ab 2015 bewies er staatsmännisches Format und großes Verantwortungsbewusstsein, indem er auf jeglichen Populismus verzichtete und mit CDU und Grünen gemeinsam den Aktionsplan ausarbeitete, der noch heute in Hessen die Grundlage für eine Politik der Vernunft in dieser Frage bildet.

Bei der Wahl im vergangenen September fiel die SPD mit einem Verlust von mehr als zehn Prozent hinter die Grünen zurück. Da war es kein Trost, dass die CDU noch stärker verlor. Wie vor der Wahl stand die hessische SPD weiter hinter Schäfer-Gümbel. Es sind auch keine Krokodilstränen, wenn die anderen Parteien jetzt des Lobes voll sind. „Er wird dem Hessischen Landtag fehlen“, konstatiert die FDP. Schäfer-Gümbel wählt den Abschied zu einem Zeitpunkt, da man ihn noch bedauert. Er kann erhobenen Hauptes gehen.

nachrichten@fnp.de

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