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In über 50 deutschen Städten gehen Schüler auf die Straße, statt in die Schule, so auch in Kiel.

Schulstreik fürs Klima

Nach Tatenlosigkeit der Politik: Schüler nehmen Umweltschutz selbst in die Hand

Schüler und Studenten auf der ganzen Welt haben genug vom Nichtstun der Politiker in Sachen Globaler Erwärmung und gehen selbst auf die Straße, nun auch zum dritten Mal in Frankfurt.

Kaum ein Thema ist wohl so aktuell und wichtig aber gleichzeitig auch so unangenehm und kontrovers diskutiert, wie der Klimawandel. Vor allem junge Menschen fühlen sich oft von der Politik übergangen und haben den Eindruck das Politiker lieber großen Unternehmen helfen ihre Ziele zu erreichen, als ernsthaften Klimaschutz zu betreiben. Gleichzeitig geht es aber um die Zukunft dieser jungen Menschen, die durch solche Entscheidungen gefährdet wird. Auch wenn aktives und individuelles Engagement von Einzelnen ein wichtiger Aspekt für den Klimaschutz ist, reicht das noch lange nicht. So sieht das zumindest Greta Thunberg.

Nach dem Vorbild der damals 15-jährigen Schwedin, die im August 2018 mit ihrem ,,Schulstreik fürs Klima'' inmitten der europäischen Hitzewelle, für Aufsehen und weltweiten Zuspruch sorgte, schlossen sich weltweit inzwischen circa 20 000 Schüler in 270 Städten an. So entstand die Initiative #fridaysforfuture, welche zu internationalen Schulstreiks führte.

So auch in Frankfurt, Marburg und 50 weiteren deutschen Städten. Am 18. Januar trafen sich etwa 150 hessische Schüler und Studenten mitten in der Unterrichtszeit an der Bockenheimer Warte. In Marburg waren es sogar 300. Lauthals demonstrierend zogen die jungen Aktivisten mit Sprechchören durch die Innenstädte. Dabei riefen sie Parolen wie: ,,Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.''  oder ,,Es gibt keinen Planet B''. Den Jugendlichen geht es um ernsten Klimaschutz, das heißt schneller Ausstieg aus der Braunkohle und weniger Umweltzerstörung.

Sie schwänzt freitags die Schule um vor dem schwedischen Reichstag zu protestieren, die 16-jöhrige Greta Thunberg. Tausende folgen ihrem Beispiel.

Die Schüler fordern aktive Mithilfe der Politik. Nur so kann wirklich etwas im großen Stil verändert werden und der Klimaschutz echte Fortschritte machen. Doch die ist hin und her gerissen, denn ein breit aufgestellter Klimaschutz könnte vielen Industrieverbänden ein Dorn im Auge sein. Dies stellt ein großes Hindernis da, denn der Lobbyismus spielt noch immer eine große Rolle in der Umweltpolitik. Dies zeigte sich einmal mehr, als im September 2018 ein internes Dokument einer der größten Industrieverbände Europas ,,Business Europe'' veröffentlicht wurde, in dem eine systematische Verhinderung der Verschärfung von Klimaziele seitens der EU-Kommission beschrieben wird, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.

Diesen Faktor kritisierte schon Greta Thunberg auf der UN-Klimakonferenz 2018 in Katowice. Dort sagte sie: ,,Ihr redet nur von unendlichem Wirtschaftswachstum, weil ihr Angst habt unbeliebt zu sein.[...] Mir ist es egal, ob ich beliebt bin. Mir geht es um Klimagerechtigkeit und einen lebenswerten Planeten. Unsere Zivilisation wird für die Möglichkeiten einer kleinen Gruppe von Menschen geopfert, die immer mehr Geld verdienen wollen.''

Eine schwierige Sache für die Politiker, doch für die Jugendlichen keine Frage, wenn es um die Umwelt geht, muss selbst die Bildung zurückstecken. So ist die gegenwärtige Meinung der Schüler, dass der Klimawandel Priorität gegenüber der verpassten Schulstunden hat. Diese Haltung unterstützt auch ein lokaler Politiker der Grünen, der das Engagement der Schüler begrüßt. Viele Frankfurter, die die Demonstration an der Bockenheimer Warte beobachteten waren begeistert vom beherzten Einsatz der Schüler, manche schlossen sich sogar kurzerhand an.

Ob die Welle von Protesten gegen die aktuelle Klimapolitik Auswirkungen haben wird, könnte sich vielleicht schon in Kürze zeigen. Am 25. Januar sind weitere Demos geplant, diesmal in Berlin, wo die Kohle-Kommission tagen wird.

Wie also kann der Umwelt geholfen werden?

Wer selbst seinen ökologischen Fußabdruck verkleinern will, bekommt Tipps vom Klimaschutz-Frankfurt. Keine Überraschung auf einer Liste von umweltschützenden Maßnahmen sind die ''Klassiker'' weniger Auto fahren, dafür Alternativen wie die Bahn, das Fahrrad oder Fahrgemeinschaften nutzen. Das schont bekanntlich nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

Eine weitere Möglichkeit wäre eine Umstellung der Ernährung, dabei gilt oft: Gesünder für dich ist auch gesünder für den Planeten. Das heißt Fairtrade unterstützen und frische statt verarbeitetet Lebensmittel kaufen. Außerdem gilt auch regionale Produkte einzukaufen, als Weg das Klima zu schützen. Regionale Produkte belasten die Umwelt weniger als exotisches Essen, was einen langen Transportweg hinter sich hat.

Eine weitere Gefährdung der Umwelt stellen Milch und andere tierische Produkte dar. Bei ihrer Produktion und Verarbeitung werden große Mengen CO2 ausgestoßen. Mit einem reduzierten Verbrauch solcher Produkte kann jeder seinen Teil zur Schonung der Umwelt beitragen, rät der Klimaschutz-Frankfurt.

Ebenso gibt das hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ganz simple Ratschläge für ein bisschen Klimaschutz im Alltag, ganz nebenbei. Einfache Dinge, wie beispielsweise die Waschmaschine komplett füllen, den Ofen auf Umluft stellen oder beim Wasser aufkochen einen Deckel auf den Topf legen, helfen beim Energie und Geld sparen.

Von Maja Rattenborg

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