Friseurgeschäfte dürfen trotz Corona-Lockdown bald wieder öffnen. (Symbolbild)
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Friseurgeschäfte dürfen trotz Corona-Lockdown bald wieder öffnen. (Symbolbild)

Kommentar zur Friseur-Klausel

Der Lockerungs-Lolli der Corona-Krise: Warum die Friseur-Öffnung Hoffnung macht

  • Nico Scheck
    vonNico Scheck
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Die Friseurläden dürfen ab Montag wieder öffnen. Auch wenn es in Zeiten einer Corona-Pandemie wichtigeres gibt als schöne Haare, macht der Beschluss Hoffnung.

Frankfurt - Ja okay, ich gebe es zu. Meine Frisur sieht zu gut aus, dafür, dass eigentlich seit Mitte Dezember sämtliche Haarschneidemaschinen lahm liegen. Seit dem 16. Dezember befindet sich Deutschland im zweiten Corona-Lockdown. Das wird auch bis mindestens zum 7. März noch so bleiben, mit wenigen Ausnahmen. Denn: Die Friseure dürfen ab Montag endlich wieder öffnen. Und Deutschland wird dann endlich wieder die Haare schön haben. Das ist gut - und richtig.

Warum es richtig ist, dass Friseure trotz Corona wieder öffnen dürfen

Kurz vor halb zehn am Mittwochabend, also wenige Stunden nach Bekanntgabe der neuen Corona-Beschlüsse, blinkt mein Handy. Nachricht von Mama. Sie schreibt: „Habe gerade für den 1. März einen Friseur-Termin bekommen... echte Highlights in dieser Zeit.“ Lachsmiley. Ich antworte: „Friseur ist echt ein richtiges Highlight.“ Lachsmiley. „Kannst davon ausgehen, dass ich am 1. auch direkt zum Friseur wandere.“ Lachsmiley mit einer Träne.

Logisch, in Zeiten einer Corona-Pandemie, in der Tausende täglich an einem Virus sterben, in der über 100 Millionen Menschen schon erkrankt sind und in der ein Ende nur schwerlich auszumachen ist, scheint die Freude über einen Friseurbesuch banal, ja vielleicht grotesk. Doch - Achtung, steile These - Mama und ich werden Mittwochabend nicht die einzigen in Deutschland gewesen sein, die sich über das vorzeitige Öffnen der Friseursalons gefreut haben. Das ist okay - und richtig.

Friseurbesuch als Strohhalm in der Corona-Krise

Der wochenlange Lockdown seit Dezember, der zweite seiner Art, schlägt auf das Gemüt. Die Einschränkungen, so richtig sie auch sind, zermürben. Nun ist es ja so, dass die Zahl der Neuinfektionen langsam aber sicher sinkt. Wer auf Lockerungen ab 14. Februar hoffte, hat die Rechnung jedoch ohne die Mutationen gemacht. Die Sorge, dass eine dritte Welle durch die wie eine Figur aus Star Wars klingende Variante B.1.1.7 über Deutschland hereinbricht, scheint berechtigt, die Vorsicht und die Verlängerung des Lockdowns sind es allemal.

Und doch brauchte es gerade jetzt einen Hoffnungsschimmer für die Bevölkerung, einen Strohhalm. Die Möglichkeit, schon bald wieder zum Friseur gehen zu können, gibt die Hoffnung ein Stück weit zurück, dass es einen Weg aus dem Lockdown gibt. Es zeigt: Lockerungen sind möglich, die Friseure machen den Anfang.

Signalwirkung in der Corona-Krise: Friseure dürfen wieder öffnen

Hinzu kommt, dass das Öffnen der Friseursalons ein vertretbares Risiko darstellt und sich mit dem Infektionsschutzgesetz vereinbaren lässt. Entsprechende Hygiene-Maßnahmen funktionierten schon vor dem zweiten Lockdown, Terminvergaben regeln den Ansturm. Mögliche Infektionsketten, sofern sie denn entstehen, ließen sich relativ simpel nachverfolgen.

Und: Viele Friseure kämpfen ums nackte Überleben. Damit sind sie freilich nicht alleine. Doch es geht nicht um ‚Die dürfen, warum also wir nicht?‘. Die Friseure sind nur ein Anfang - und ein Signal. Lässt es das Infektionsgeschehen zu, werden die Maßnahmen auch an anderer Stelle gelockert. Es ist der Lockerungs-Lolli gegen das Gefühl des wochenlangen Eingekerkertseins, wenn man so will. Und es hilft, die nach wie vor geltenden Beschränkungen - so frustrierend wie richtig sie sind - weiter mitzutragen.

Ich habe übrigens für Montag einen Termin beim Friseur. 17 Uhr. (Nico Scheck)

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