Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer.
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Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer.

Gemeinsam gegen die AfD

  • vonDieter Weirich
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Peter Fischer hat mit seiner AfD-Kritik eine Debatte ausgelöst. Der Fanclub von Eintracht Frankfurt im Bundestag hat Fischer gestern zu Gast gehabt und ihn geehrt. Mitglieder sind Abgeordnete aller Parteien – außer der AfD.

Der FC bundesAdler, der rund 60 Mitglieder umfassende Fanclub von Eintracht Frankfurt im Deutschen Bundestag, kämpft gegen Rassismus im Sport. Bei der gestrigen Mitgliederversammlung gab es deswegen viele Solidaritätsbekundungen für den Präsidenten von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, der keine AfD-Wähler in seinem Verein haben will.

Der 62 Jahre alte Werbekaufmann, der seit 18 Jahren an der Spitze des inzwischen 52 000 Mitglieder zählenden Vereins steht, wurde einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Der mit Eintracht-Schal in kariertem Anzug angereiste Fischer wiederholte sein Mantra: „Wehret den Anfängen von Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus.“

Ob neue AfD-Parlamentarier dem Fanclub beitreten können, ließ Omid Nouripour, der wiedergewählte Fanclub-Chef, offen. Die Eintracht-Gemeinde im hohen Haus passe ihr Statut dem des Vereins an und werde jeden Antrag kritisch prüfen. Rassisten würden abgelehnt. Der FC bundesADLER konstituierte einen neuen Vorstand. Nouripours Stellvertreter sind der christdemokratische Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung, der Sozialdemokrat Sascha Raabe, Björn Sänger von den Freien Demokraten und Paul Schäfer von der Linkspartei. Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen, ist stolz darauf, den ältesten und wohl auch größten Fanclub eines Bundesligisten im Bundestag mitinitiiert zu haben. Prominentestes Mitglied ist Helge Braun, Chef des Kanzleramtes, aus Gießen.

Dem Frankfurter Beispiel sind inzwischen Bayern München und der 1.FC Köln gefolgt. Die Eintracht hat aber nach wie vor eine Ausnahmestellung, haben sich ihre Fans doch auch im Europaparlament formiert.

Die Auszeichnung für Fischer hatte einen geradezu feierlichen Charakter. Der Präsident – so die Begründung – habe „herausragende Verdienste“, sei ein „exponierter Meinungsträger“, habe in seiner Amtszeit die Mitgliederzahl mehr als verzehnfacht und sei ein Vorbild für die Jugend. Er habe mit seinem jüngsten AfD-Vorstoß Mut und Haltung bewiesen. Der so Geehrte plädierte für ein friedliches Europa, der gesellschaftliche Zusammenhalt sei inzwischen „hochbedroht“. Er selbst sei ein „Waisenkind der Nachkriegszeit“ und habe als junger Mensch den Vorzug gehabt, in Frieden groß zu werden“. Das wolle er auch für die Jugend von heute gesichert sehen.

Auf die sportliche Situation eingehend, rühmte Fischer die derzeitige Verfassung der von Niko Kovac trainierten Mannschaft. Dieser sei sportlich hochqualifiziert und überzeuge durch seine menschlichen Werte. Die Mitgliederversammlung sprach sich für die Beibehaltung der 50+1 Regel aus. Damit werde der Kommerzialisierung Schranken gesetzt. Nach dieser Vorschrift ist es Anlegern unmöglich, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaft ausgegliedert haben.

Einen Termin haben sich alle Mitglieder schon notiert: Das Pokalfinale am 19. Mai im Berliner Olympiastadion, das die Eintracht erreichen kann, falls sie am 18. April den FC Schalke 04 im Halbfinale besiegt.

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