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Gold für die Enkel

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Es muss klar sein, dass Gold keine Dividende wie ein Wertpapiere erwirtschaftet, keinen Zinsertrag wie Festgeld liefert, sondern einzig über die Preisentwicklung Gewinne realisiert.

Immer dann, wenn die Kanonen donnern, erinnern sich Anleger an ein glänzendes Edelmetall: Gold wird in turbulenten Zeiten als sicherer Anlagehafen gesehen und verstärkt nachgefragt. Das ist auch im laufenden Jahr 2016 so eingetreten.

Die Gründe liegen auf der Hand: Terrorangst, Brexit und eine globale Geldschwemme der Notenbanken, die zu dauerhaften Niedrigzinsen geführt haben, verunsichern Anleger. Die Nachfrage nach Goldmünzen wie Krügerrand, Maple Leaf oder American Eagle ist durch die Decke geschossen. Zuletzt wurden sogar große Kaliber wie der 1-Kilo-Barren für rund 38 000 Euro das Stück immer häufiger über den Banktresen verkauft.

Das zeigt zweierlei: Der Anlagenotstand ist groß, die Sorge über die geopolitische Lage ebenso.

Risikolose Anlagen wie Tagesgeld oder Festgeld werfen fast nichts mehr ab. Auch die meisten der als extrem sicher geltenden Bundesanleihen sind mittlerweile mit einem Negativzins ausgestattet. Selbst die jüngste Zehnjährige, die Finanzminister Wolfgang Schäuble vor wenigen Tagen platzieren ließ, kommt mit einem Nominalzins von null daher und erzielt bei einem Ausgabekurs von knapp über 100 eine negative Rendite.

Sparer, die ihr Engagement in Aktien ausweiten, brauchen derzeit aber starke Nerven. Die Schwankungen sind heftig, wie zuletzt nach dem Referendum der Briten deutlich wurde. Der Kurseinbruch ist zwar im Leitindex Dax inzwischen wieder ausgebügelt, doch Finanzwerte wie Deutsche Bank oder Commerzbank sind von ihren Vor-Brexit-Kursen noch mindestens 15 Prozent entfernt.

Gold wird sehr wahrscheinlich nie völlig wertlos: Wer Angst vor einem Börsen- oder Währungscrash hat und den Totalverlust seiner Anlagen fürchtet, der kann einen kleinen Anteil seines Vermögens in physisches Gold umwandeln, also Goldmünzen oder Goldbarren kaufen und im heimischen Tresor bunkern. Nicht mehr als zehn Prozent des Vermögens, raten Experten. Bei diesem Verhältnis kann die Gold-Beimischung die Schwankungen in einem Aktienportfolio leicht abschwächen.

Dabei muss aber klar sein, dass Gold keine Dividende wie ein Wertpapiere erwirtschaftet, keinen Zinsertrag wie Festgeld liefert, sondern einzig über die Preisentwicklung Gewinne realisiert. Die Aufbewahrung ist zudem teurer als bei Finanzprodukten.

Aktuell wird die Feinunze – das ist die international gebräuchlichste Maßeinheit, die 31,1 Gramm entspricht – mit etwa 1330 Dollar bewertet. Wer seinem Neugeborenen oder dem Enkelkind vor genau 20 Jahren ein Goldstück geschenkt hat, hat ein prima Geschäft gemacht: Seit Mitte 1996 ist der Goldpreis kräftig gestiegen. Die Münzen ist heute etwa 3,5mal soviel wert wie damals.

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