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Großbritannien zwischen Trauer und Neuanfang

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Von: Christiane Warnecke

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Staatsbegräbnis der Queen

Ein solches Begräbnis hat die Welt lange nicht gesehen, und wir werden es vielleicht nie wieder erleben. Der Zauber, den Königin Elizabeth II. auf der ganzen Welt entfaltet hat, ist einmalig. Diese besondere Magie, die Hundertausende Menschen zu ihrem Sarg zog und gestern eine Million nach London und Milliarden vor den Fernseher lockte, ist ein Verdienst ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit und ihrer langen Regentschaft. Die Queen war eine Jahrhundert-Zeitzeugin, ein Fels der Beständigkeit.

König Charles III. - selbst schon längst im Rentenalter - wird eine ähnlich lange Regentschaft niemals erreichen können. Es dürfte ebenfalls schwer für ihn werden, an Beliebtheit und Ansehen auch nur annähernd an seine Mutter heranzureichen. Doch bislang hat er seit dem Tod der Queen an Statur gewonnen. Er hat die Balance zwischen Trauer und Neuanfang in seinen ersten Auftritten als König mit Bravour gemeistert. Und er hat eine neue Form der Nahbarkeit zugelassen, die bei seiner Mutter undenkbar gewesen wäre. Er hat am Tag nach der Todesnachricht spontan die Hände der Trauernden vor dem Buckingham-Palast geschüttelt und sich sogar küssen lassen. Er hat über Witze auf seine Kosten gelacht, die sich auf zwei herrische Gesten nach kleinen Pannen mit Schreibgeräten bezogen. Und er hat mit sehr persönlichen Worten an seine Mutter, seine Frau und an seine Söhne viele Menschen bewegt.

Doch er muss sich auch den Bestrebungen vieler Länder des Commonwealth zur Loslösung von der britischen Krone stellen. Zudem gilt es für ihn, künftig einen Mittelweg zu finden, zwischen einer Reduzierung der hohen Kosten, die das Königshaus dem Steuerzahler aufbürdet - zumal in finanziellen Krisenzeiten. Und andererseits der ungebrochenen Begeisterung für prunkvolle Zeremonien, wie sie Großbritannien einzigartig beherrscht - was das Königreich gestern vor den Augen der Weltöffentlichkeit einmal mehr unter Beweis gestellt hat. So antiquiert dieser Prunk auch wirkt, so unabdingbar ist er für die Faszination des Königshauses.

Es darf aber erwartet werden, dass Zeremonien wie die alljährliche Geburtstagsparade künftig bescheidener ausfallen werden. Und auch der Kreis der arbeitenden Royals dürfte weiter schrumpfen. Dennoch können sich die Briten im nächsten Jahr auf zwei glamouröse Ereignisse freuen: Die Krönung von Charles III. und die Krönung von William zum Prince of Wales. Beide Ereignisse werden vermutlich auch nicht mehr ganz so pompös ausgerichtet werden wie einst unter Elizabeth II. Es werden aber wieder Bilder um die Welt gehen, die den Glanz der britischen Monarchie bewahren.

Mit König Charles beginnt nun eine neue Ära: in Großbritannien, im Commonwealth und für Royalisten rund um den Globus. Und obwohl eine Erbmonarchie in einer modernen Demokratie archaisch wirkt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass das britische Königshaus eine Zukunft hat.

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