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Peter Fischer nach seiner Wiederwahl zum Präsidenten von Eintracht Frankfurt vor dem Vereinswappen. Der 61-Jährige hatte zuvor seine klare Haltung gegen die AfD bekräftigt. Im Sportleistungszentrum am Riederwald brandete daraufhin tosender Applaus auf, 99 Prozent der Mitglieder stimmten für ihn.

Eintracht Frankfurt

Große Zustimmung für Peter Fischer

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Peter Fischer, Präsident der Eintracht Frankfurt, erneuert bei der Mitgliederversammlung am Sonntag seine Kampfansage an die AfD: Wer diese Partei wähle, habe in seinem Verein nichts zu suchen. Konkrete Konsequenzen müssen betroffene Mitglieder allerdings nicht befürchten. Am Ende stimmen 99 Prozent für eine weitere Amtszeit Fischers.

Der offene Schlagabtausch blieb aus. Im Vorfeld hatte Eintracht-Präsident Peter Fischer mit scharfer Kritik an AfD-Anhängern in den eigenen Reihen für hitzige Debatten gesorgt. Doch bei der Mitgliederversammlung stieß er auf breite Zustimmung, die sich auch im Wahlergebnis ausdrückte.

Bereits Ende Dezember hatte Fischer angekündigt, auf der Versammlung deutlich zu machen, „dass es sich mit unserer Satzung nicht verträgt, AfD zu wählen“. Es könne niemand Eintracht-Mitglied sein, der diese Partei wähle, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gebe. Die in einem Interview der „FAZ“ gefallene Aussage sorgte für bundesweite Aufmerksamkeit und eine kontroverse Debatte, in der ihm wahlweise eine mutige Haltung oder mangelndes Demokratieverständnis unterstellt wurde. In der vollbesetzen Halle des Sportleistungszentrums am Riederwald traute sich am Sonntag jedoch keiner seiner Kritiker, Position zu beziehen. Eine Debatte über Fischers Anti-AfD-Vorstoß blieb aus.

Der 61-jährige Unternehmer begründete seine Vorstellungen vom richtigen Wahlverhalten der Eintracht-Mitglieder mit einem Verweis auf die Geschichte: „Wir können stolz auf unseren Verein sein, der Lehren aus der dunkelsten Vergangenheit gezogen hat“, sagte er und erinnerte an die Judenverfolgung während der Nazizeit. „Es begann damals, auch in diesem Verein, mit Ausgrenzung und Diskriminierung.“ Fischer rief am Rednerpult:

„Wehret den Anfängen!“

Dafür erntete er tosenden Applaus. Viele Mitglieder standen sogar auf, um ihre Zustimmung zu signalisieren. Einzelne blieben allerdings demonstrativ sitzen.

Das Wahlbekenntnis zu einer Partei, deren Spitzenfunktionäre menschenverachtende Positionen vertreten, sei unvereinbar mit dem Bekenntnis zum Wertesystem der Eintracht, erklärte Fischer weiter. Kern dieses Wertesystems sei, dass „der Sport dem friedlichen, diskriminierungsfreien Zusammenleben dienen soll“. Er habe deshalb nichts zurückzunehmen oder zu relativieren. Als kleine Einschränkung gegenüber seinen früheren Äußerungen betonte Fischer allerdings, dass AfD-Wähler keinen Vereinsausschluss zu befürchten haben: „Wir werden die politische Gesinnung und das Wahlverhalten unserer Mitglieder nicht prüfen. Wir erwarten aber, dass sich jeder einer kritischen Selbstprüfung unterzieht.“

Die Mitglieder, die später das Wort ergriffen, lobten Fischer einhellig für seine klaren Worte. Nur Max Schumacher, Mitglied des Ehrenrats, sprach einen „kleinen Knackpunkt“ an: „Die Wähler der AfD sind nicht alle Nazis und braun. Darunter sind viele Protestwähler, die mit der Politik der etablierten Parteien unzufrieden sind.“ Doch dann beeilte er sich, seine grundsätzliche Zustimmung zu Fischer auszudrücken: „Gut, dass wir einen Präsidenten haben, der es ausgesprochen hat.“

Michael Otto, der Vorsitzende des Vereinsbeirats, versicherte: „Wir stehen geschlossen hinter der Kernaussage von Peter Fischer, dass Rassismus nicht mit den Werten unseres Vereins zu vereinen ist.“ Der Streitfrage, ob deshalb AfD-Anhänger bei der Eintracht unerwünscht sind, wich Otto aus.

Auch Michael Zink, Vorsitzender des Verwaltungrats, versuchte diesen Spagat, indem er Fischer zwar grundsätzlich zustimmte, aber die AfD unerwähnt ließ. Mit deren Wählern unter den Eintracht-Mitgliedern will es sich offenbar nicht jeder in der Vereinsführung vollständig verscherzen. Wobei sich Zink dann doch noch zu einem historischen Vergleich hinreißen ließ, der bei AfD-Wählern sicher sauer aufstößt: „1932 haben elf Millionen Deutsche die NSDAP gewählt. Von denen wollten auch nicht alle, dass ihre jüdischen Nachbarn vergast und ihre Söhne in einen Weltkrieg geschickt werden“, rief er in den Saal. Dort brandete donnernder Applaus auf. Auch einzelne Journalisten klatschten demonstrativ. Bei so viel Geschlossenheit versuchten die anwesenden AfD-Anhänger gar nicht erst, ihrer Meinung Gehör zu verschaffen. „Die Stimmung war gegen uns. Das hätte nichts gebracht. Schreiben lieber einen offenen Brief.“, twitterte der Wiesbadener AfD-Stadtrat Michael Goebel. Er ist seit mehreren Jahren Mitglied der Eintracht.

Auf große Zustimmung konnte sich Peter Fischer auch am Ende der Veranstaltung verlassen. Die fast 800 anwesenden Mitglieder wählten den seit 2000 amtierenden Präsidenten mit 99 Prozent der Stimmen wieder.

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