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Prof. Dieter Weirich

Weirich am Montag

Grün aus der Mode

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Bisweilen überraschen die in Gender-Sternchen verliebten Grünen sich selbst. In einer für ihre Verhältnisse martialisch klingenden Macho-Sprache betitelten sie das letzte Schaulaufen für die Spitzenkandidatur mit „Basis sucht Boss“.

Bisweilen überraschen die in Gender-Sternchen verliebten Grünen sich selbst. In einer für ihre Verhältnisse martialisch klingenden Macho-Sprache betitelten sie das letzte Schaulaufen für die Spitzenkandidatur mit „Basis sucht Boss“. 60 800Mitglieder durften bis zum vergangenen Freitag abstimmen, mit welchem gemischten Doppel man antritt. Übermorgen soll weißer Rauch am „grünen Horizont“ aufsteigen.

Wenn die „Regenbogen-Indianer“ ihre Häuptlinge wählen, gilt die Squaw aber bereits als gesetzt: Katrin Göring-Eckardt, die Bundestagsfraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen. Dass sie außer Konkurrenz antritt, verdeutlicht das Frauenproblem der „Alternativen“, die unter mangelnden Talenten beim jüngeren weiblichen Geschlecht leiden.

Auf dem Laufsteg bei den Männern sind der sich in staatsmännischer schwarz-grüner Pose übende Parteivorsitzende Cem Özdemir, der linke Fraktionschef Anton Hofreiter und der schleswig-holsteinische Vize-Ministerpräsident Robert Habeck. Er sieht die Partei „im Sinkflug“ und stört sich am „Postengeschacher“ und der „zunehmenden Behäbigkeit“.

Habeck, ein nachdenklicher Philosoph und Literat, hat erkannt, dass die Grünen langsam aus der Mode kommen. Der Zeitgeist weht nicht mehr grün. Hatte die Ökopartei nach Fukushima noch zweistellige Wahlresultate vorzuweisen, ist sie in einigen Bundesländern geradezu abgestürzt. Ihr Konzept – „Hauptsache Regieren“, egal mit wem – führt zu Profilverlust.

Außerdem hat die Partei ein seltenes Talent, in Wahljahren die falschen Signale zu setzen. Daran ist schon der letzte Spitzenmann Jürgen Trittin gescheitert, der unverdrossen für Rot-Rot-Grün kämpft und deswegen den Spitznamen „Mister R2G“ hat. Der Veggie-Day und der Umgang mit dem Pädophilie-Vorwurf im Wahlkampf 2013 lassen grüßen

Jetzt wirft Parteichefin Simone Peter der Kölner Polizei Rassismus vor, um kurz darauf zurückzuzucken. In der Flüchtlingspolitik stellt man sich bei den sicheren Herkunftsstaaten stur und verweigert sich in Berlin verbesserter Video-Überwachung, für Pflegepatienten regt man Sex-Dienstleistungen bei ärztlichem Attest an. Der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer rauft sich die Haare und spricht von „weltfremden Spinnern“.

Zwei Drittel der grünen Wähler, so heißt es, wollen Rot-Rot-Grün. Konsequenterweise hat der Parteitag deshalb eine höhere Besteuerung der Reichen, die Abschaffung der Sanktionen für Hartz IV-Empfänger und einen entschlossenen Marsch in die europäische Transfer-Union beschlossen. Ob das Stimmen bringt, darf aber bezweifelt werden. Wo die Grünen verantwortungsvoll mitregieren, wie in Hessen oder in Baden-Württemberg, erzielen sie in Umfragen die besten Resultate. Auf die Landtagswahlergebnisse an der Saar, in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein darf man gespannt sein.

politik@fnp.de

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