Polizeieinsatz

Synagoge in Hagen: Tatverdächtiger muss in U-Haft

  • VonLucas Maier
    schließen
  • Sonja Thomaser
    Sonja Thomaser
    schließen

Dass er einen Anschlag auf die Synagoge in Hagen geplant hat, bestreitet der Tatverdächtige. Dennoch muss er in Untersuchungshaft. 

Update vom 17.09.2021, 19.30 Uhr: Im Fall der mutmaßlichen Anschlagspläne auf die Hagener Synagoge muss der festgenommene 16-Jährige in Untersuchungshaft. Ein Richter bestätigte am Freitagabend in Hagen, dass gegen den Jugendlichen ein dringender Tatverdacht besteht. Das hat die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf mitgeteilt. 

Synagoge in Hagen: „Ernste extremistische Bedrohung“ - Informationen aus dem Ausland

+++ 13:15 Uhr: Bisher war der tatverdächtige 16-Jährige der Polizei wohl nicht bekannt. Die Informationen zu einer mutmaßlichen Gefahrenlage in Hagen, wurden von einem ausländischen Geheimdienst an den deutschen Verfassungsschutz weitergeleitet, das berichten mehrere Medien aus Ermittlerkreisen. Aufmerksam wurde die ausländische Behörde nach einer Drohung in einem überwachten Chat. Hier soll mutmaßlich der verdächtige Jugendliche einen Anschlag auf eine Synagoge angekündigt haben.

+++ 11:45 Uhr: Nach dem Polizeieinsatz an der Synagoge in Hagen hat die Polizei vier Verdächtige festgenommen. Das teilte die Hagener Polizei am Donnerstag mit. Parallel liefen Durchsuchungen, um mögliche Beweismittel zu sichern, sagte ein Sprecherin. Nach Worten des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) gab es eine ernste extremistische Bedrohung. „Es bestand die Gefahr eines Anschlags auf die Synagoge in Hagen“, sagte Reul bei der Vereidigungsfeier junger Polizistinnen und Polizisten in Köln. „Ihre Kolleginnen und Kollegen haben das vermutlich verhindert.“

Update, 10:31 Uhr: Nach dem großen Polizeieinsatz an der Synagoge in Hagen hat es nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU*) eine Festnahme gegeben. „Es wurde ein Jugendlicher festgenommen“, sagte Reul der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in Köln. Der „Spiegel“ berichtete zuvor, ein 16-jähriger Syrer solle eine Sprengstoffattacke vorbereitet haben.

Wegen einer möglichen Gefährdungslage sind Polizisten im Einsatz.

Hagen: Synagoge abgeriegelt

Erstmeldung vom Donnerstag, 16.09.2021: Hagen/Berlin - Die Menschen in Hagen sind verunsichert. Am höchsten Feiertag der Juden zog die Polizei in der nordrhein-westfälischen Stadt nach Hinweisen auf eine „mögliche Gefährdungslage“ ihre Kräfte zusammen und riegelte die Synagoge ab. Die Straße in der Innenstadt, an der die Synagoge liegt, wurde in 250 Metern Abstand gesperrt. In Hagen begannen bange Stunden, ein Gottesdienst zu Jom Kippur wurde kurzfristig abgesagt.

 „Wir sind jetzt in besonders engem Kontakt mit der jüdischen Gemeinde. Die Menschen sind in Sorge“, sagte ein Polizeisprecher in der Nacht zum Donnerstag (16.09.2021). Zugleich sei der Schutz des Gotteshauses verstärkt worden. Noch in der Nacht standen zwei Polizeiwagen vor dem Gebäude. Die Beamten waren mit Maschinenpistolen bewaffnet.

Die Polizei geht Hinweisen auf eine mögliche Gefährdungslage an einer jüdischen Einrichtung nach.

Polizeieinsatz in Hagen: Synagoge abgeriegelt

Nachbarn, die im Umfeld zu ihren Wohnungen wollten, mussten ihren Personalausweis vorzeigen. Hundeführer mit mehreren Polizeihunden durchsuchten die Synagoge und das benachbarte Gemeindehaus, in dem auch eine Arztpraxis untergebracht ist. Sie fanden offensichtlich nichts in den Gebäuden.

An der Hagener Synagoge habe die Polizei keine Hinweise auf eine tatsächliche Gefährdung festgestellt, wurde noch in der Nacht mitgeteilt. Es lägen auch keine Hinweise vor, dass andere jüdische Gemeinden in Nordrhein-Westfalen gefährdet sein könnten.

Worin die mögliche Gefahr bestand, ob es möglicherweise eine Bombendrohung gegeben habe, teilte die Polizei nicht mit. Es werde weiter ermittelt, sagte der Polizeisprecher.

Erinnerungen an Terroranschlag in Halle

Das Geschehen in Hagen weckte Erinnerungen an den Terroranschlag in Halle in Sachsen-Anhalt vor zwei Jahren. An Jom Kippur 2019 hatte ein bewaffneter Rechtsextremist versucht, gewaltsam in die Synagoge einzudringen. Als die Tür standhielt, erschoss er in der Nähe zwei Menschen und verletzte auf der Flucht zwei weitere.

Ihren höchsten Feiertag Jom Kippur, den Versöhnungstag, begehen Juden in diesem Jahr am Mittwoch und Donnerstag. Dann endet die Gedenk- und Bußzeit seit dem jüdischen Neujahrsfest Anfang September. (red/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Markus Klümper/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare