Unfälle durchs Smartphone

Handy: Die große Ablenkung

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Am Smartphone Texte schreiben und telefonieren während der Autofahrt ist nach Einschätzung von Experten, immer häufiger die Ursache für schwere Unfälle auf deutschen Straßen. Die Autofahrer sind schlicht abgelenkt, weil sie auf ihr Smartphone auch am Steuer nicht verzichten wollen.

Um auf diese wachsende Gefahr aufmerksam zu machen, hat die Polizei gestern auf der A5 eine große Verkehrskontrolle durchgeführt. Auf einer Brücke in der Nähe der Raststätte Wetterau hatten sich die Beamten postiert und überführten mit Fernglas und Kamera die Handynutzer hinter dem Lenkrad. Rund 80 Smartphone-Sünder gingen der Polizei, die mit 100 Mitarbeiter im Einsatz war, dabei schon bis zum Nachmittag ins Netz.

Mit einem Bußgeld von 100 Euro werden diese Verkehrssünder seit kurzem zur Kasse gebeten. Das sind 40 Euro mehr, als in der Vergangenheit. Je nach schwere des Verstoßes kann sich dieses Bußgeld bis auf 200 Euro erhöhen und bis zum Fahrverbot reichen.

Für Oliver Reidegeld sind diese Aktionen von großer Bedeutung. „Wer sich während der Autofahrt durch sein Smartphone ablenken lässt, muss wissen dass das kein Kavaliersdelikt ist, sondern brandgefährlich. Deshalb ist es wichtig, dass die Polizei regelmäßig Kontrollen durchführt“, sagt der Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen. Würde dies nicht passieren, dann seien auch die höheren Strafen nutzlos.

Wie gefährlich das „Spielen“ am Smartphone während der Autofahrt sein kann, macht Reidegeld an einem Beispiel deutlich. „Wer bei einer Autofahrt mit 80 km/h nur drei Sekunden auf das Display seines Smartphones schaut, legt in dieser Zeit 67 Meter zurück“, warnt der ADAC-Sprecher.

Siegfried Brockmann ist Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Auf empirisches Datenmaterial, dass die Smartphonenutzung während der Autofahrt vermehrt auf Unfälle zurückzuführen ist, kann der Verkehrsexperte nicht zurückgreifen. „Hierzu gibt es fast keine Statistiken, die das bestätigen“, sagt der Verkehrsexperte. Bislang gebe es fast „nur“ Erfahrungswerte mit Simulatoren, die nachwiesen, dass die Smartphonenutzung während der Autofahrt zu Unfällen führen könne. Im realen (Verkehrs)Leben will Brockmann aber nicht ausschließen, dass „das Spielen“ mit dem Smartphone für Unfälle verantwortlich ist.

Doch dafür den Nachweis zu führen, sei sehr schwierig. „Wie wollen Polizei und Gerichte einem Unfallverursacher nachweisen, dass er im Moment der Kollision auf sein Handy geschaut oder gar eine Textnachricht verfasst hat?“, fragt der Unfallforscher.

Hier könnte gegebenenfalls eine Auswertung des Smartphones Aufschluss geben. Dafür brauche es aber die Anordnung eines Staatsanwaltes. Nach Meinung von Brockmann, käme dies bei Sachschäden aber nicht in Betracht. Nur wenn es um schwere Unfälle gehe, bei denen es sogar zu Personenschäden gekommen sei, könne das Handy ausgewertet werden, um den Sachverhalt aufzuklären.

Obwohl „der Unfall“ für den Einzelnen statistisch betrachtet immer noch ein „seltenes Ereignis“ sei, werde dem Smartphone bei solchen „Ereignissen“ künftig eine größere Bedeutung zu kommen. „Die junge Generation ist mit den neuen Kommunikationsmitteln aufgewachsen. Das schreiben und lesen von Smartphone-Nachrichten ist für sie das normalste der Welt. Warum sollten sie ausgerechnet im Auto darauf verzichten?“, fragt Brockmann.

In puncto Sicherheit ist für den Unfallforscher auch eine Freisprechanlage im Fahrzeug kein Freibrief. „Das Telefonieren mit einer Freisprechanlage ist durchaus nicht ungefährlich. Hier ist das Hauptproblem nicht die manuelle Ablenkung des Fahrers, sondern die kognitive. Er konzentriert sich nämlich während des Gesprächs nämlich nicht gänzlich auf den Straßenverkehr“, so Brockmann weiter.

Der Unfallforscher begrüßt zwar die Erhöhung des Bußgeldes, da es die reale Gefährdungslage widerspiegele, glaubt aber nicht, dass sich etwas am Verhalten der Autofahrer etwas ändere. „Die Tat ist schwer nachweisbar und der Polizei fehlen die personellen Kapazitäten, um regelmäßige Kontrollen durchzuführen“, sagt Brockmann.

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