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Klvßranlage zwischen Raunheim und Rv sselsheim Luftbild, Kläranlage, Abwasserzweckverband

Kläranlagen

Hessen unterschätzt die Keim-Gefahr

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Spätestens seitdem antibiotikaresistente Krankheitserreger in Frankfurter Gewässern gefunden wurden, ist eigentlich klar: Die herkömmliche Kläranlagentechnik reicht nicht aus, um die Verbreitung der Keime einzudämmen. Doch das hessische Umweltministerium will erst mal ein Forschungsprojekt abwarten. Benachbarte Bundesländer sind wesentlich weiter.

In der zunehmenden Verbreitung multiresistenter Keime sehen Mediziner eine der größten Gesundheitsgefahren kommender Jahre. Dass dabei auch Klärwerke eine entscheidende Rolle spielen, sei viel zu lange ignoriert worden, warnen Experten. Herkömmliche Aufbereitungsanlagen bieten den gefährlichen Erregern ideale Bedingungen, mahnt etwa der Mikrobiologe Thomas Schwartz. „Anders als bei chemischen Schadstoffen haben wir es bei Bakterien mit lebendem Material zu tun, das sich weiterentwickelt und vermehrt“, erklärt der Professor aus Karlsruhe.

Schwartz forscht unter anderem an einer Versuchsanlage in Langen, wie Antibiotikaresistenzen im Abwasser eingedämmt werden können. Diese Pilotanlage ist das bislang einzige Klärwerk in Hessen, das mit einer sogenannten vierten Reinigungsstufe ausgestattet ist. Andere Bundesländer sind bereits weiter. Baden-Württemberg hat schon 13 Anlagen aufgerüstet, 12 weitere vierstufige Kläranlagen befinden sich in der Planung oder im Bau. Das hessische Umweltministerium will jedoch erst mal abwarten. Der Versuch in Langen soll Mitte 2018 abgeschlossen sein. Danach werde über weitere Schritte entschieden, teilte eine Ministeriumssprecherin mit.

In manchen Rathäusern sorgt dies für Ungeduld. Mörfelden-Walldorf hat bereits beschlossen, bei der ohnehin anstehenden Sanierung seiner Kläranlage in eine vierte Reinigungsstufe zu investieren. „Allerdings nur, wenn sich das Land an den Kosten beteiligt“, sagt Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD). Der Förderantrag für das fast fünf Millionen Euro teure Projekt liegt seit Oktober 2016 in Wiesbaden. Entschieden wurde darüber noch nicht. „Die Landesregierung muss möglichst schnell eine Gesamtstrategie für die Aufrüstung der Kläranlagen vorlegen“, fordert Becker. „Die Kommunen brauchen Klarheit.“

Auch in Frankfurt ist das Thema inzwischen auf der politischen Agenda. Nach einem Keimausbruch an der Uniklinik fanden Experten antibiotikaresistente Erreger in mehreren Frankfurter Gewässern. Nun schlagen CDU, SPD und Grüne eine vierte Reinigungsstufe für die städtische Abwasserreinigung in Niederrad vor. Doch das würde nur einen Teil des Problems lösen. Denn die betroffenen Zuflüsse verlaufen auch durch Nachbargemeinden.

Bad Homburg zum Beispiel betreibt eine Kläranlage in Ober-Eschbach, direkt an der Stadtgrenze zu Frankfurt. Aus dieser Anlage könnte jener gefährliche Krankheitserreger stammen, den ein Patient vergangenes Frühjahr in die Uniklinik einschleppte. Denn der Mann war zuvor in den Eschbach gestürzt, in den die Bad Homburger ihr aufbereitetes Abwasser leiten.

Im betroffenen Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach fordert man deshalb, die Bad Homburger sollen in eine vierte Reinigungsstufe investieren. Doch das stieß in der Nachbarstadt bisher auf Ablehnung. „Solange der Gesetzgeber es nicht verlangt, wollen wir unseren Bürgern die Mehrkosten nicht auferlegen“, sagte der Kläranlagenleiter bei einem Gastauftritt im zuständigen Ortsbeirat. Die Nieder-Eschbacher baten jetzt den Frankfurter Magistrat, mit Bad Homburg in Verhandlungen zu treten. Kommentar Seite 2

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