Pauken in den Sommerferien

Immer mehr Eltern wollen, dass die Kinder auch in den Ferien etwas für die Bildung tun

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Schüler müssen in den Ferien auch einmal abschalten können, sagt Jürgen Hartmann, Chef des Hessischen Philologenverbandes. Nur in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel eine Nachprüfung anstehe, sollte Versäumtes noch einmal nachgeholt werden.

Wie viel Lernpensum kann den Kindern eigentlich zugemutet werden, damit diese das nächste Schuljahr gut überstehen? Das ist eine Frage, die heute mit dem Beginn der Sommerferien nicht wenige Eltern umtreiben wird. Vor allem diejenigen, deren Kinder weniger gute Noten auf dem Zeugnis haben.

Während sich viele Schüler auf entspannte Wochen frei von Geschichtsdaten und Vokabeln freuen, haben ihre Eltern für sie ganz andere Pläne. 53 Prozent von ihnen wollen nämlich, dass der eigene Nachwuchs auch in den Sommerferien etwas für seine Bildung tut.

Neben dem Bücher-Lesen oder einem Museumsbesuch soll vor allem der Schulstoff wiederholt werden – entweder eigenständig oder in speziellen Ferienkursen. Auch Sprachreisen und digitale Lernangebote stehen hoch im Kurs. Das sind Ergebnisse der aktuellen Studienkreis-Umfrage zum Thema „Lernen in den Ferien“, die das Forschungsinstitut Forsa ermittelte.

Die Umfrage zeigt weiter, dass Familien mit einem eher geringen Haushaltsnettoeinkommen besonders großen Wert auf Lernen in den Ferien legen. Einen interessanten Unterschied gibt es bei diesem Thema auch zwischen Vätern und Müttern. 59 Prozent der Väter ist Lernen in den Ferien wichtig, bei den Müttern sind es nur 49 Prozent. Interessant ist dies deshalb, weil laut sonstiger Umfragen meist die Frauen stärker bei Nachhilfe und Schulfragen aktiv sind.

14 Prozent der Eltern, die Wert darauf legen, dass ihr Kind in den Ferien etwas für seine Bildung tut, wollen Nachhilfe oder Ferienkurse mit schulischen Inhalten nutzen.

„Kinder müssen auch mal abschalten“, meint dagegen Jürgen Hartmann, Vorsitzender des Hessischen Philologenverbandes. Er appelliert an die Eltern, ihren Kindern die Pause zu gönnen. „Ferien sollen Möglichkeiten zum Abschalten, zum Entspannen bieten. Auf strikte Lernprogramme sollte verzichtet, vielmehr sollten die freien Tage zur Erholung genutzt werden.“ Gerade auch leistungsschwächere Kinder, die Schule oftmals als wesentlich anstrengender erleben, benötigen die freie Zeit, um von dem Schulalltag Abstand zu gewinnen, so der Philologen-Chef weiter.

Deshalb sollten Eltern Nachhilfe in den Ferien nur in Ausnahmesituationen in Betracht ziehen. In Einzelfällen könne das sinnvoll sein, etwa wenn ein Kind wegen einer langen Krankheit viel versäumt habe oder in den letzten Ferientagen eine Nachprüfung absolvieren müsse, von der die Versetzung in die nächste Klassenstufe abhänge.

Auch wer in zwei Fächern „gerade so durchgekommen“ sei oder in einem Fach eine Fünf habe, dem schade es nicht, den Stoff zu wiederholen. Eine sinnvolle Nachhilfe müsse aber in die Tiefe gehen und sollte zuvor mit der Schule abgesprochen sein, so Hartmann. Es sei nämlich ein Irrglaube, man könne sozusagen in den Ferien einfach mal so nachholen, was man ein ganzes langes Schuljahr über verpasst habe.

Und ein weiterer Tipp von Hartmann: Es empfehle sich, den Einstieg in das neue Schuljahr im letzten Drittel der Ferien vorzubereiten. Dabei sollte der Lernstoff wiederholt werden, besonders in den „kritischen“ Fächern.

Hartmann empfiehlt weiter, den Stoff nachzuarbeiten, eventuell sogar einen Lernplan zu erstellen. Länger als zwei Wochen sollte dieses Auffrischungsprogramm aber nicht andauern. Laut einer Untersuchung der Lernplattform Scoyo wiederholten gut 62 Prozent der Kinder in Deutschland den Lernstoff in den Schulferien.

Dabei sind sie nicht allein: Die Kinder werden zu rund 80 Prozent von ihren Eltern, Großeltern oder Geschwistern unterstützt, die zusammen mit ihnen in den Ferien lernten.

dfg f dgh tg

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