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Politik

Influencer Rezo kritisiert den Regierungskurs - zehntausende Menschen diskutieren

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Mit einem Video über die "Zerstörung der CDU" sorgt Youtuber Rezo für Aufsehen. Darin äußert er scharfe Kritik am Kurs der Bundesregierungen der vergangenen Jahre. Es wird auf der Videoplattform Youtube zum Hit.

Ändern könne man sowieso kaum etwas. Zu diesem Schluss kommt der junge Mann, der sich auf der Videoplattform Youtube "Rezo" nennt, am Ende seines 55-minütigen Videos "Die Zerstörung der CDU": "Die größte Wahlmacht haben die Alten, nicht wir."

Bemerkenswert, denn auf seinem Youtube-Kanal, den immerhin mehr als 679 600 Menschen abonniert haben, findet man ansonsten eher Videos mit seichtem Inhalt. Rezo betreibt noch einen zweiten Kanal, der über 1,5 Millionen Abonnenten zählt. Der junge Mann ist 26 Jahre alt, kommt aus Wuppertal, hat blaue Haare, trägt in dem Video einen grellorangenen Pullover. Sein richtiger Name ist nicht bekannt. Innerhalb von nur drei Tagen wurde sein "CDU-Zerstörungsvideo" 3,4 Millionen mal angeklickt. Darin geht Rezo fast eine Stunde lang auf den Regierungskurs der letzten Jahre und Jahrzehnte in Deutschland ein. Seine Wahrnehmung: Die Ungleichheit steigt, die Klimakrise wird kleingeredet, Minister machen ihren Job nicht ordentlich, die USA können auf der Welt machen, was sie wollen - und Deutschland schaut dem Treiben des Verbündeten lethargisch zu.

Rezo untermauert seine Argumente allesamt mit Belegen. Über 250 Quellen listet er in einem zum Video gehörenden Dokument auf. Nun wird rege über sein Video diskutiert. Rezos Argumente sind teilweise richtig und gut, teilweise aber auch verknappt und generell tendenziös. CDU-Generalsekretär Paul Zimiak bezeichnet es als "Mischung aus ganz vielen Pseudofakten".

Rezo selbst sagt dazu im Interview mit der Online-Plattform Bento, er wisse, "dass auch andere Mächte und Faktoren da mitspielen". Das Video sei eher als generelle Kritik an den regierenden Parteien zu verstehen.

Auf Youtube kommt das Video ziemlich gut an. 450 000 Bewertungen sind positiv, gerade einmal 16 500 negativ. Auch viele Kommentatoren äußern sich lobend. Das zeigt: Youtube ist wichtig geworden. Wenn ein Video wie das von Rezo, das 55 Minuten lang ist - so lang wie dreieinhalb Tagesschau-Ausgaben hintereinander - in drei Tagen mehr als 3,4 Millionen mal angesehen wird, ist die Jugend, die unbestritten Rezos Zielgruppe ist, vielleicht gar nicht so politisch desinteressiert, wie sie immer gezeichnet wird. Man erreicht sie nur nicht auf den selben Kanälen wie ihre Eltern und Großeltern.

Christian Lindner hatte das im letzten Wahlkampf wohl am prominentesten verstanden. Die Bilder auf den FDP-Wahlplakaten wirkten eher wie Instagram-Schnappschüsse, kurze schwarz-weiße Videos mit treibenden Beats und schnellen Schnitten begegneten Usern im Internet und wirkten auf den Social-Media-Plattformen nicht wie Fremdkörper. Es hat funktioniert, die FDP schaffte nach vier Jahren den Sprung zurück in den Bundestag. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung hat das Potenzial von Youtube und Co erkannt und zusammen mit dem Youtuber "RobBubble" eine Webvideoreihe zur Europawahl produziert.

Im Internet sind die Kanäle, auf denen die junge Zielgruppe sich aufhält. Als aber während den Diskussionen rund um Artikel 13 und Uploadfilter zehntausende junge Leute auf die Straße gingen, um gegen die gefürchtete "Zerstörung" ihres Internets zu protestieren, twitterte CDU-Europapolitiker Sven Schulze beispielsweise seine Zweifel an der Echtheit von Protestmails, da "ALLE von Gmail-Konten" kamen.

Monika Holhlmeier, von der CSU bezeichnete die Proteste als "Fake-Kampagne". Das klang nicht, als wolle sie "die Sorgen der Bürger ernstnehmen", wie es in Debatten immer wieder gefordert wird.

Viele junge Menschen hat das frustriert. "Das ist doch kein respektvoller Umgang mit Bürgern", sagt Rezo dazu in seinem Video. "Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen. Dann kommt auch damit klar, wenn die jungen Leute eure Politik scheiße finden."

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