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Zukunftsforscher erklärt, warum das selbstfahrende Auto in einigen Jahren völlig normal sein wird

Interview mit Eike Wenzel: Mobil in die Zukunft

Die Digitalisierung verändert rasant unsere Gesellschaft und all ihre Lebensbereiche. In einer Serie fragen wir, was die Zukunft bringt. Diesmal geht es um selbstfahrende Autos. Wie schnell ist damit zu rechnen, dass diese für die Massen interessant und erschwinglich sein werden. Darüber sprach unsere Redakteurin Pia Rolfs mit dem Zukunftsforscher Eike Wenzel.

Wie lange wird es Ihrer Ansicht nach noch dauern, bis Elektroautos und selbstfahrende Autos zum Massenphänomen werden?

WENZEL: Bei den Elektroautos wird es in den nächsten Jahren schnell gehen. Irgendwann zwischen 2020 bis 2025 werden sie genau so viel kosten wie Benziner – und dann werden sie sich durchsetzen. Bei den selbstfahrenden Fahrzeugen wird es so sein, dass es eher Lkw betrifft als Pkw. Volvo und Daimler sind da sehr weit. Bis wir dann einen richtigen Massenmarkt der selbstfahrenden Autos haben, dauert es wohl noch bis 2030 – trotz der vollmundigen Ankündigungen.

Werden die Menschen aber die selbstfahrenden Autos wirklich akzeptieren? Das ist ja vermutlich auch ein psychologisches Problem.

WENZEL: Ja, das stimmt. Bei technologischen Innovationen, bei denen man die Kontrolle abgibt, dauert es mit der Akzeptanz immer etwas länger. Aber die selbstfahrenden Autos werden trotzdem kommen – vor dem Hintergrund der Umweltdiskussion und dem Verkehrsproblem in den Metropolen. Wenn die selbstfahrenden Autos auf Massenbasis unterwegs sind, können wir damit ein Viertel der gefahrenen Kilometer einsparen, weil wir Autos rufen und gemeinsam nutzen können.

Aber das Carsharing hängt doch nicht an den selbstfahrenden Autos, das können wir auch jetzt schon.

WENZEL: Das stimmt. Aber in der Kultur selbstfahrender Autos legt der Einzelne weniger Kilometer zurück. Es geht weniger um den Besitz von Mobilität als vielmehr um den Zugang zu Mobilität. Natürlich gilt all das nur für die Metropolräume, auf dem Land werden traditionelle Autos noch länger fahren.

Viele Autofahrer schätzen doch aber gerade die Unabhängigkeit und den Fahrspaß, wenn sie selbst am Steuer sitzen. Geht das nicht verloren?

WENZEL: Das wird anders werden. Gerade Jüngere legen auf das Selbstfahren weniger wert. Und die großen Städte werden für die klassischen Autos bald ohnehin die Tore schließen. Das Rhein-Main-Gebiet etwa wird als Ballungsraum ein interessantes Gebiet für die Mobilitätswende werden.

Wird sich die demographische Entwicklung auf die Mobilität auswirken?

WENZEL: Ja, sie spielt eine große Rolle. Ein BMW-Institut meint, dass die Deutschen insgesamt bald weniger Kilometer zurücklegen werden, weil sie älter werden. Das glaube ich aber nicht. Ich denke, dass die Senioren so lange wie möglich mobil bleiben wollen. Das gehört für sie noch mehr zu Lebensqualität als für die Jüngeren. Deswegen es eine entscheidende Frage werden, wie man Mobilität in hohem Alter sicherstellen kann. Auch das führt wieder zu den selbstfahrenden Autos.

Was wird denn im Zeitalter der selbstfahrenden Autos mit dem Fahrrad und dem ÖPNV?

WENZEL: Das Fahrrad erlebt jetzt schon einen Hype. Metropolen werden ihre Lebensqualität auch über Fahrradwege definieren. Der ÖPNV hat weiterhin eine wichtige Funktion. Er wird aber irgendwann, wenn man das Konzept der selbstfahrenden Autos zu Ende denkt, in einer Art Uber-Modell aufgehen.

Glauben Sie, dass im Bahn- und Fernbusverkehr auch bei uns aus Sicherheitsgründen bald die personalisierten Zugtickets kommen?

WENZEL: Ja, unbedingt. Es ist eigentlich unglaublich, dass das noch nicht passiert ist. Wenn diese Verfahren schnell und einfach werden, wird das die Kunden nicht abschrecken. Es wird auch künftig eine Frage werden, woher die Züge ihren Strom bekommen. Niederländische Züge beispielsweise fahren schon mit Windenergie.

Wird denn die Angst vor dem Terror die Reiselust bremsen?

WENZEL: Nach meinen Beobachtungen seit dem Jahr 2000 hatte diese bisher immer nur episodische Auswirkungen. Nach einem Anschlag wird ein Urlaubsziel nur kurz gemieden. Ich gehe nicht davon aus, dass sich die touristischen Wegstrecken in den nächsten Jahren grundsätzlich ändern.

Die Mobilität wird also immer weiter zunehmen?

WENZEL: Ja, was die Zahl der zurückgelegten Kilometer angeht. Ein großes Thema ist dabei auch die CO2-Reduktion bei der Flugmobilität. Aber da sehe ich in den nächsten Jahren noch keinen großen Durchbruch. Bis wir mit Brennstoffzellen fliegen, wird es noch dauern.

Wenn ich Sie richtig verstehe, blicken Sie insgesamt aber sehr optimistisch in die Zukunft?

WENZEL: Ja. Denn gerade im Bereich der Mobilität gibt es wirklich Grund zum Optimismus. Wir müssen jetzt anfangen, unsere Städte umzubauen und schauen, ob wir dort die gewünschte Mobilitätswende schaffen. Aber ich bin da sehr zuversichtlich.

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