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Wer arm ist, stirbt früher

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Trostlos: Leben in Pirmasens.
Trostlos: Leben in Pirmasens. © Ronald Wittek (dpa)

Wie lange man lebt, hängt auch vom Wohnort ab. Statistisch gesehen bleiben den Menschen in Pirmasens am Ende rund sieben Jahre weniger als in Starnberg.

Von BASIL WEGENER (DPA)

Felsengebirge, Biotope, Wald und Wiesen – Pirmasens in der Pfalz liegt in idyllischer Landschaft. Doch nirgends sonst in Deutschland ist die Lebenserwartung niedriger. Dabei ist die Stadt nur ein besonders deutliches Beispiel für das bundesdeutsche Gefälle bei den durchschnittlichen Chancen auf ein langes Leben. Die Unterschiede sind groß.

Pirmasens ist mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 73,0 Jahren bei den Männern Schlusslicht. Dicht gefolgt wird die Stadt von Hof in Franken (73,5 Jahre), Emden in Ostfriesland (73,6), Suhl (73,9) und Eisenach (74,1).

Was steckt hinter den Zahlen? Die ehemalige Schuhmachermetropole Pirmasens in der Westpfalz ist eine Stadt mit Strukturproblemen und hoher Verschuldung. Eine eher geringe Lebenserwartung gibt es generell auch in weiten Teilen Ostdeutschlands, im Ruhrgebiet und in Teilen des Saarlands oder Frankens – also in eher strukturschwachen Regionen mit Problemen.

Der höchsten Lebenserwartung erfreuen sich die Männer demnach im reichen Starnberg. Dort sind es im Schnitt 81,3 Jahre. Es folgen der Hochtaunuskreis, München (jeweils 80,9), Böblingen in Baden-Württemberg (80,8), der Bodenseekreis und der Landkreis Ebersberg bei München (80,7 Jahre).

Bei den Frauen ist die Lebenserwartung im Schnitt deutlich höher als bei den Männern. Schlusslicht ist auch hier Pirmasens mit 77,1 Jahren. Starnberg liegt bei 83,6 Jahren. Spitzenreiter ist der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald mit 85,0 Jahren. Eine Deutschlandkarte zeigt Regionen mit hoher Lebenserwartung in rotbraun – Baden-Württemberg, Teile Bayerns und Hessens sind so eingefärbt.

Die geografische Lage ist aber nicht die Ursache der Unterschiede. So ist die Lebenserwartung in anderen Regionen von Rheinland-Pfalz deutlich höher als in Pirmasens: Im nahegelegenen Kaiserslautern sind es für Männer 75,5 Jahre, in Ludwigshafen Männer 77,4 und in Mainz 79,3 Jahre. Die Lebenserwartung steht – wie man schon länger weiß – in einer Beziehung zum Einkommen. Unterteilt man das Einkommen in seiner Spannbreite in fünf Gruppen von arm bis reich, dann liegt der Unterschied zwischen der niedrigsten und der höchsten Einkommensgruppe bei Männern bei 10,8 Jahren. Bei Frauen unterscheidet sich die Lebenserwartung immerhin noch um 8,4 Jahre. Das zeigen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Das RKI hält auch einen Zusammenhang von Krankheit und sozialem Status für erwiesen: Bei schweren Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder chronischen Lungenerkrankungen sind sozial Schwächere häufiger betroffen.

Es sind also nicht die Wetterverhältnisse in einer Region, es sind nicht die Sonnentage. In einer Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Zimmermanns räumt die Bundesregierung ein, „dass günstigere sozioökonomische Bedingungen in der Wohnregion mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen“. Ursache seien Unterschiede bei Bildung, aber auch beim Rauchen, der Ernährung und der Bewegung – sowie bei den Arbeits- und weiteren Lebensbedingungen.

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