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Mit 86 im Weißen Haus? Viele hoffen auf Biden – doch selbst Unterstützer zweifeln inzwischen

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Joe Biden am 3. Juni 2023 in Washington D.C. nach einem Besuch der Holy Trinity Catholic Church
Joe Bidens Rolle als US-Präsident ist wegen seines Alters laut Kritikern „kompliziert“. © Samuel Corum/Imago

Ist Joe Biden zu alt für eine Wiederwahl als US-Präsident? Ein Medienbericht facht die Debatte wieder neu an. Fox News frohlockt bereits.

New York – Bei der US-Wahl 2024 wird es wohl zum Duell zwischen zwei alten Bekannten kommen: Donald Trump und Joe Biden. Und, ohne jemanden kränken zu wollen: Die beiden Politiker sind buchstäblich nicht jung. Trump ist 76 Jahre alt, Biden 80. Damit hat er nun einen vielbeachteten Medienbericht angeregt. Er trägt, frei übersetzt, die Überschrift „Die Kompliziertheit, der älteste US-Präsident zu sein“.

Die Debatte, ob Bidens Alter Auswirkungen auf seine Amtsführung haben könnte, ist ebenfalls alt. Die BBC berichtete im April 2023, dass Bidens Wahlkampfteam hoffe, das „Altersproblem“ zu „beseitigen“. Der politische Berater Bob Shrum war bereits an den Präsidentschaftskampagnen der Demokraten Al Gore und John Kerry beteiligt. Er sagte der BBC auf Nachfrage, dass Biden in seiner Kampagne betont „energisch“ dargestellt werde – als Gegengewicht quasi.

Die „Altersfrage“ könne Shrums Einschätzung nach für Biden aber nur zum Problem werden, wenn er einen „schwerwiegenden“ Fehler mache oder im Wahlkampf „stolpere“. 

Joe Biden und der Sandsack-Vorfall: „Sagt gar nichts aus“

Das „Stolpern“ meinte der Wahlkampf-Experte Shrum im übertragenen Sinne, und nicht wie bei dem tatsächlichen Sturz über den Sandsack, mit dem Biden kürzlich für Schlagzeilen sorgte. Die Häme war da teils groß. „Biden ist zwar Amerikas ältester Präsident – aber über einen Sandsack zu stolpern, sagt gar nichts aus“, empörte sich der Guardian in einem Kommentar.

Über die „Kompliziertheit des Seins“ eines US-Präsidenten, dessen Gegner sein Alter gegen ihn verwenden, schrieb am 4. Juni nun die New York Times (NYT). Biden besitze „beindruckende Stamina“ hieß es in dem Text unter anderem.

Der konservative Sender Fox News sammelte umgehend hämische Twitter-Kommentare: Steve Guest, Berater des Republikaners Ted Cruz, nannte den Artikel „peinlich“. Jonathan Favreau, ehemaliger Redenschreiber von Ex-US-Präsident Barack Obama, befand, der Text sei „ganz positiv“. So das Meinungsspektrum.

Eine weitverbreitete Skepsis gegenüber älteren Menschen in hohen Positionen ist aber nicht von der Hand zu weisen. Dem US-Portal Outkick fiel im Zusammenhang mit dem Sandsack wieder ein, dass sich Biden bei einer Pressekonferenz im April angeblich nicht an sein konkretes Alter erinnern konnte. Und die US-Kollegen von Axios berichteten im selben Monat, dass Mitarbeiter des Weißen Hauses Biden hinter vorgehaltener Hand als „alternden König“ bezeichnen. „Ihr wichtigster Instinkt ist, ihn zu beschützen“, so ein nicht namentlich genannter Insider.

Zu alt? Republikaner fordern von Biden Demenztest

Tatsächlich hieß es in dem NYT-Artikel, Biden werde absichtlich von den Medien abgeschirmt, um Aufreger wie den Sandsack-Sturz zu vermeiden. Auch der Wahlkampf-Experte Shrum warnte in der BBC: „Bei solchen Dingen werden die Republikaner – die schon versuchen, jeden Fauxpas Bidens zu verstärken – behaupten, dass Biden nicht mehr für die Präsidentschaft geeignet sei.“

2022 unterzeichneten 54 Republikaner einen offenen Brief an das Weiße Haus, in dem sie ihre „Besorgnis“ über den kognitiven Zustand Bidens zum Ausdruck brachten und einen Demenztest forderten. „Diese jüngsten Ausrutscher sind keine Einzelfälle“, hieß es in dem Schreiben.

Biden, Trump und die US-Wahl: „Die sind beide alt“

„Bedenken“ äußerte auch Donald Trump. Vor den Zwischenwahlen 2022 spielte er auf Wahlkampf-Events gerne ein Video über die verschiedenen Patzer und Stolperer Bidens vor und meinte „Joe Biden kann nicht klar sprechen“ oder „Er kann nicht klar denken“. Das unterstrich die BBC.

Sie fragte aber auch Jim Messina, der Obamas Wahlkampf 2012 leitete. Seine Prognose für Biden ist nicht so schlecht. Schließlich ist Trump nur vier Jahre jünger als Biden. Die Demokraten könnten darauf zählen, dass Trumps eigenes Alter die ganze Altersfrage „entschärft“, glaubt er. „Die Wähler werden sagen, ‚Schau doch mal, die sind beide alt‘.“ (frs)

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