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Der Kahlschlag

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© (FNP)

Schade. Es war sympathisch, dass der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing und sein Privatkunden-Vorstand weder Filialen dichtmachen noch große Jobabbau-Programme starten wollten, sondern die

Schade. Es war sympathisch, dass der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing und sein Privatkunden-Vorstand weder Filialen dichtmachen noch große Jobabbau-Programme starten wollten, sondern die Millionen statt in Restrukturierungsaufwendungen lieber ins Geschäft steckten – oder im Mai dieses Jahres erstmals wieder in eine Dividende. Sobald die Zinsen wieder steigen oder das Wertpapiergeschäft anspringt, so die Botschaft, werde die Bank so richtig Geld verdienen; die Durststrecke müsse man überstehen.

Nun hat sich Blessing in die Schweiz verabschiedet, der einstige Privatkunden-Vorstand Martin Zielke wurde sein Nachfolger – und muss radikal umsteuern. „Abwarten ist keine Lösung!“, heißt es auf einmal. Jede fünfte Stelle soll wegfallen, das ist ein noch härterer Kahlschlag als bei der Deutschen Bank oder der HypoVereinsbank – umgesetzt ausgerechnet durch den häufig unterschätzten Manager, den viele für einen „Langweiler“ aus Bruchköbel hielten.

Aller Voraussicht nach können solch radikale Schnitte nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen, die allerdings noch bis Jahresende ausgeschlossen sind – und nur erreicht werden, wenn auch in den Filialen in der Fläche gestrichen wird. Natürlich besteht die Gefahr, dass nicht nur die Kosten sinken, sondern in der Folge auch die Erträge wegbrechen – vor allem, wenn die Entlassungen junge Leistungsträger treffen und der Umbau viele Ressourcen bindet. Auch die Eigentümer müssen bluten (wenn auch nicht so existenziell wie die Mitarbeiter): Die Dividendenzahlung für 2015 bleibt ein einmaliger Ausreißer.

Und was soll der Radikalumbau am Ende bringen? Gerade einmal sechs Prozent Eigenkapital-Rendite, und auch das erst 2020. Das wirft ein grelles Schlaglicht auf den desolaten Zustand, in dem sich die europäische Bankenbranche nach Finanzkrise, anschließender Rezession und anhaltendem Nullzins-Umfeld befindet. Die Aktienkurse nicht nur der Commerzbank, sondern auch der Deutschen Bank oder der HVB-Mutter UniCredit sprechen da eine deutliche Sprache: Sie eilen von einem Tief zum nächsten.

Und wie Banken, die vor allem mit sich selbst und ihrer Dauermisere beschäftigt sind, mehr Kredite vergeben und so die Konjunktur ankurbeln sollen, bleibt ein Rätsel. Doch just ein solches Kreditwachstum will die EZB angeblich erreichen, indem sie die Zinsen immer weiter nach unten treibt – und in Wirklichkeit auf diese Art und Weise die Möglichkeit der Banken zur Darlehensvergabe noch mehr einschränkt (auf den Kapitalmarkt können nur wenige Unternehmen ausweichen). Ein Teufelskreis.

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