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Ein riesiger Berg aus Plastikflaschen liegt in Shenyang, Provinz Liaoning, China. Lange haben Staaten weltweit ihren Abfall und Schrott nach China verschifft. Doch damit ist 2018 Schluss. Pekings Importstopp für Plastik und andere Müllsorten hat auch für Deutschland Konsequenzen. Foto: Mark/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Umwelt

Den Kampf gegen den Plastikmüll aufnehmen

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Europa sucht einen Ausweg aus der Plastikflut, weil China nicht mehr bereit ist, den Kunststoffmüll der Europäer zu importieren. Kann mit dem Vermeiden von Plastikmüll und Recycling das Problem gelöst werden?

Die Zahlen sind alarmierend: Jeder Deutsche „produziert“ jährlich durchschnittlich 37 Kilogramm Plastikmüll. Damit verbraucht Deutschland so viel Plastik wie kein anderes Land in Europa. Auch pro Kopf sind in dieser Hinsicht nur die Iren, Luxemburger und Estländer verschwenderischer.

Wer im Sinne der Maxime des Philosophen Peter Sloterdijk („Du musst dein Leben ändern“) handeln will, kann viel tun. Immer mehr Menschen wollen den Plastikwahnsinn nicht länger mitmachen und verzichten beim Einkaufen auf die Tüte aus Kunststoff.

Für umweltbewusste Menschen gibt es zudem immer häufiger die Möglichkeit, „unverpackt einzukaufen“. So zum Beispiel im Kasseler Laden „Butterblume“. Um ihren Traum „Einkaufen ohne Plastikmüll“ zu verwirklichen, hängte Helen Neuwirth ihr Architektur-Studium an den Nagel, sammelte 33 000 Euro über das Internet und trägt nun mit 22 Jahren die Verantwortung für ein Geschäft mit zwei Mitarbeitern. Neuwirths Laden bietet ausschließlich lose Lebensmittel an. Wer in der „Butterblume“ einkaufen will, muss sich sein Gefäß selber mitbringen oder ein Mehrwegglas kaufen.

Die Frage, wie im Alltag auf Plastik verzichtet werden kann, beschäftigt auch Frankfurter Gründer.

Einer, der dem Plastik fast gänzlich abgeschworen hat, ist Andreas Arnold. Der Friedberger Polizeibeamte versucht, zu „95 Prozent“ auf Verpackungen zu verzichten. „Bei jeder Neuanschaffung achte ich auch auf die Nachhaltigkeit. So kaufe ich zum Beispiel statt eines Plastik- einen Kochlöffel aus Holz“, erzählt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Darüber hinaus, so Arnold weiter, kaufe er ausschließlich „lose Ware“ ein. Und die dann vorzugsweise auf dem Wochen- statt im Supermarkt.

Das Problem, das durch den leichtsinnigen Verbrauch von Plastik geschaffen wird, ist riesig. Im Pazifik gibt es mittlerweile einen „Plastikteppich“, der die Fläche Frankreichs umfasst. Umweltschützer fordern, diesem „Plastikteppich“ zu einem Land zu erklären, um auf dieses Problem im größten Ozean der Welt aufmerksam zu machen. Es hilft natürlich, wenn viele Menschen ihr Leben individuell umstellen, aber es tut sich offenbar auch etwas auf politischer Ebene: Um der Plastikflut Herr zu werden, schlägt die Europäische Kommission vor, dass Problem mit mehr Recycling zu lösen. Dass hier dringend Handlungsbedarf besteht, wird immer offensichtlicher. Seit 1960 hat sich nämlich in Europa die Plastikproduktion verzwanzigfacht. Aktuell sind es rund 26 Millionen Tonnen jährlich. In den letzten Jahren hatte sich die EU die Entsorgung leichtgemacht und exportierte über die Hälfte des eingesammelten Plastikabfalls ins Ausland. Über 85 Prozent davon landeten in China. Doch die Chinesen haben mittlerweile kein Interesse mehr an Plastikabfall aus Europa. Nach der „Kunststoff-Absage“ aus China will die EU jetzt auf besagtes Recycling des Kunststoffmülls setzen, was auch im hessischen Umweltministerium begrüßt wird. Der Einsatz recyclingfähiger Kunststoffe sei aus ökologischer Sicht insbesondere unter dem Aspekt der Ressourcenschonung wichtig und sinnvoll, sagen die Umweltexperten. (Mitarbeit Dieter Sattler)

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