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Kim Jong-Un bei einem Raketentest in Nordkorea.

Begleiter packen aus

Wie Kim Jong-Un vom verwöhnten Kind zum rücksichtslosen Führer wurde: Biografie enthüllt Details

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Kim Jong-Un ist der jüngste Sohn des ehemaligen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il, trotzdem wurde er zu seinem Nachfolger. Eine neue Biografie versucht seinem skrupellosen Wesen auf den Grund zu gehen.

Pjöngjang - Nordkorea hat den Test einer „neuen Waffe“ bestätigt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag berichtete, war Machthaber Kim Jong-Un bei dem Test am Freitag dabei. Es war bereits der sechste Raketentest Nordkoreas innerhalb weniger Wochen.

Die Führung in Pjöngjang hatte die Waffentests teilweise als Reaktion auf ein derzeitiges gemeinsames Militärmanöver von Südkorea und den USA bezeichnet und von einer "Warnung" gesprochen. Die jährlichen Übungen der beiden Verbündeten sorgen in Nordkorea regelmäßig für wütende Reaktionen. Doch wird es nur bei wütenden Reaktionen bleiben. Die Sorgen wachsen, dass Kim Jong-Un seine neuen Waffensysteme irgendwann auch gegen andere verwendet.

US-Präsident Donald Trump bleibt gelassen gegenüber Kim Jong-Un

US-Präsident Trump geht jedoch gelassen mit den Drohungen des Diktators um. Er teilte seinerseits am Samstag mit, er habe vom nordkoreanischen Machthaber eine „kleine Entschuldigung“ für die jüngsten Raketentests erhalten. Kim habe ihm einen „langen Brief“ geschickt, in dem er sich ausgiebig über die „lächerlichen und teuren“ gemeinsamen Militärmanöver der USA und Südkoreas beschwere. Kim habe angekündigt, die Raketentests einzustellen, sobald die Manöver endeten.

So entspannt wie Donald Trump sehen aber nicht alle die Situation. Der nordkoreanische Machthaber ist zu unberechenbar. Anna Fifield (43), die Peking-Korrespondentin der Washington Post, hat eine Biografie über Kim Jong-Un veröffentlicht, die dabei hilft ihn besser zu verstehen, darüber berichtet die Bild (Inhalt hinter Bezahlschranke). Die Journalistin war mehrmals in Nordkorea und hat mit Verwandten und ehemaligen Begleitern des Führers gesprochen. Der Titel der Biografie: „The Great Successor“ (“Der große Nachfolger“). Sie habe sich vorgenommen, „alles herauszufinden, was es über Kim Jong-Un zu wissen gibt“, schreibt die Autorin in ihrer Einleitung.

Journalistin geht in Biografie Kim Jong-Un auf den Grund

Fifield erzählt anfangs die Familiengeschichte der nordkoreanischen Führer, beginnend mit Kim Jong-Uns Großvater Kim Il Sung. Der lebte während des Zweiten Weltkriegs im Exil in der Sowjetunion. Nach dem Krieg kehrte er in das von den Siegermächten aufgeteilte Korea zurück. Mit Hilfe von Stalin rief er die Demokratische Volksrepublik aus und erklärte sich selbst zum Anführer. Il Sung erschuf einen Personenkult um sich und nannte sich „der große Führer“. So durften sich bisher nur Lenin und Stalin nennen.

Während andere kommunistische Regime von Parteiapparaten dominiert waren, die nach dem Tod oder dem Abdanken ihrer Machthaber die Nachfolger bestimmten, entwickelte Kim Il Sung in den 70ern die Idee seinen ältesten Sohn Kim Jong Il zum Nachfolger zu machen und erschuf somit eine kommunistische Dynastie. Fifield schreibt: „Sein System brauchte deshalb ein paar Drehs.“ Es war nun die Rede von der Dreifaltigkeit (Vater, Mutter und Sohn). Der Sohn des Führers war jedoch kein Widerstandskämpfer, wie Il Sung, sondern galt als Playboy. Trotzdem wurde er 1991 zum Vorsitzenden der Partei und nahm den Titel „Geliebter Führer“ an.

Kim Jong Il muss Nachfolger finden - Älteste Söhne sind eine Enttäuschung für ihn

Kim Jong Il hatte viele Frauen, die ihm zahlreiche Kinder gebaren. Als auch er älter wurde und es ihm schlechter ging, machte er sich Gedanken über seine Nachfolge. Doch sein ältester Sohn Kim Jong Nam war in Ungnade gefallen, weil er mit einem falschen brasilianischen Pass zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn nach Japan geflogen war, um das Disneyland in Tokio zu besuchen. Sein zweitältester Sohn Kim Jong Chol galt als introvertiert und antriebslos. Der japanische Koch Kenji Fujimoto der für die Familie arbeitete, erzählte Fifield, dass der Vater sagte, dass er sich wie ein Mädchen aufführt.

Nachfolger Kim Jong-Un wächst im Luxus auf

Schlussendlich fiel die Wahl auf Kim Jong-Un, von dessen Existenz nicht einmal die Nordkoreaner wussten. Er wuchs in dem luxuriösen Badeort Wonsan, der nur der Elite des Landes zugänglich war, auf. An Luxus fehlte es ihm nicht: Er hatte Videospiele, ein eigenes Kino, Lehrer, Trainer, Leibwächter und Chauffeure. Als er elf war, soll er sogar einen eigenen Colt den er, wie ein Cowboy um die Hüfte trug, geschenkt bekommen haben. Laut dem Koch Fujimoto hatte er einen Hang zum Ungehorsam und zur Manie. Der kleine Junge war besessen von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen.

Kim Jong-Un lernt in der Schweiz den westlichen Lebensstil kennen

Als Jugendlicher wurde er dann in die Schweiz nach Bern geschickt. Dort lebte er mit seinem älteren Bruder bei Onkel und Tante. Hier lernte er das westliche Leben kennen. Seine ehemaligen Klassenkameraden erzählen, dass er gerne im Adidas Trainingsanzug und Nike Air Jordans Schuhe trug. Kim Jong-Un gilt auch als großer Basketballliebhaber und ist mit demEx-NBA-Star Dennis Rodman befreundet. Seine Noten in der Schweiz waren jedoch nicht herausragend und er hatte Probleme im Umgang mit seinen Mitschülern. Er soll sie immer angespuckt haben, wenn er sauer wurde.

Kim Jong-Un wird zum skrupellosen Führer aufgebaut

Filfield schildert in ihrer Biografie, wie er nach seiner Rückkehr langsam aufgebaut wurde. Seine Mutter schickte ihn auf die „Kim Il Sung“ Militär-Universität, die wichtigste Militärakademie des Landes. 2009 erklärte Kim Jong Il, nach einem schweren Schlaganfall, der Parteiführung, dass sein jüngster Sohn sein Nachfolger werden wird. Dem Volk war er bis dahin völlig unbekannt. Als Kim Jong Il am 17. Dezember 2011 einen Herzinfarkt erlitt, übernahm der damals 27 Jahre alte Kim die Führung des Landes.

Fifield beschreibt ihn als einen Mann, der erstaunlich souverän und gewieft agierte. Und dass, obwohl er noch sehr jung war und ohne große Vorbereitung die Macht übernahm. Er sei ein Narzisst, Choleriker und ein kühler Stratege. Er ließ seine Widersacher, darunter auch seinen Onkel und Halbbruder, beseitigen. Kim Jong-Un gilt als der machthungrigste aller Kims.

Fifield schreibt am Ende ihres Buches: „Seit er 2011 die Macht übernommen hat, hat Kim Jong-Un die Partei-Kader abwechselnd gehätschelt und verängstigt. Er hat ein ernsthaftes Nuklear-Programm entwickelt und erlaubte der Wirtschaft, ein bisschen zu atmen. Er hat die Spitzenpolitiker der Freien Welt überzeugt, dass er ein rationaler Verhandlungspartner ist und die Führung in China, dass er sich benehmen kann.“ Doch es bleiben offene Fragen: Kann er das Leben der Nordkoreaner verbessern und tatsächlich Reformen voranbringen und bleiben seine Drohgebärden gegen den Westen solche oder setzt er sie irgendwann doch in die Tat um? 

dpa/md

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