Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock steht in der ZDF-Sendung „Klartext“ Rede und Antwort. Ein Clubbetreiber aus Frankfurt kritisiert das Corona-2G-Modell und fordert Alternativen.
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Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock steht in der ZDF-Sendung „Klartext“ Rede und Antwort. Ein Clubbetreiber aus Frankfurt kritisiert das Corona-2G-Modell und fordert Alternativen.

„Das ist nichts tun!“

„Klartext, Frau Baerbock“ (ZDF): Grünen-Kanzlerkandidatin diskutiert mit Frankfurter Clubbetreiber über 2G

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Im ZDF muss Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock „Klartext“ reden. Beim Thema Corona und 2G gerät sie mit einem Clubbetreiber aus Frankfurt aneinander.

Frankfurt ‒ Annalena Baerbock musste sich vor der Bundestagswahl 2021 am 26. September in der ZDF-Sendung „Klartext“ noch einmal beweisen. Rund anderthalb Stunden lang stellte sich die Grünen-Kanzlerkandidatin am Donnerstagabend (16.09.2021) den Fragen der Zuschauer im Studio und musste Rede und Antwort stehen. Unter den kritischen Wählerinnen und Wählern aus ganz Deutschland war auch ein Clubbetreiber aus Frankfurt, der die neuen Corona-Regeln in Hessen kritisierte und die Baerbock aufforderte, endlich Verantwortung zu übernehmen.

Die Corona-Pandemie ist im Bundestagswahl-Wahlkampf in diesem Jahr ein entscheidendes Thema und kommt natürlich auch im ZDF-Format „Klartext“ nicht zu kurz. Sidney Spaeth, ein bekannter Clubbetreiber aus Frankfurt schildert zum Abschluss dieses Themenkomplexes die belastende Situation in der Debatte um die Impfbereitschaft, in die viele Landesregierungen aktuell die Gastronomen und Unternehmer in Deutschland drängen. „Wir haben das Problem, dass wir die Gesellschaft spalten und dass der Impfzwang sozusagen auf unserem Rücken ausgetragen wird“, kritisiert Spaeth.

„Klartext“ im ZDF: Schwarz-Grüne Regierung in Hessen beschließt 2G-Modell für die Gastronomie

Der Hintergrund: In Hessen wurde im Rahmen der aktuellen Allgemeinverfügung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie das sogenannte 2G-Optionsmodell eingeführt. Nach dem Vorbild von Hamburg sollen so unter anderem Gastronomen, Clubbetreiber und Veranstalter die Möglichkeit bekommen, nur noch Geimpfte und Genesene in ihren Laden hereinzulassen. In diesem Fall würden dann wesentliche Corona-Beschränkungen, wie beispielsweise die Abstandsregeln und die Maskenpflicht, entfallen. Schon vor der offiziellen Einführung der Option stieß die 2G-Regel in der Gastronomie oder auch im Friseurhandwerk auf Kritik.

Anders als beispielsweise im TV-Triell gegen die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU), kann Annalena Baerbock hier nicht aus der Opposition heraus mit einem „echten Aufbruch“ argumentieren, wie sie es gerne tut, denn die Grünen regieren in Hessen bereits seit 2014 gemeinsam mit der CDU und tragen die Entscheidungen des hessischen Corona-Kabinetts aktiv mit.

Ein Wiesbadener Gastronom, der das 2G-Modell für seinen Pub bereits im August 2021 ankündigte, bekam dafür von seiner Stammkundschaft viel Zuspruch - erlebte aber auch massive Anfeindungen, bis hin zu Morddrohungen. Eine Sorge vieler Unternehmer, die auch der Frankfurter Clubbetreiber Spaeth im ZDF anspricht: „Wir werden einen Shitstorm erwarten“, schildert er Annalena Baerbock.

„Wir spalten die Gesellschaft“: Frankfurter fordert Alternative zu 2G von Annalena Baerbock

Der Frankfurter macht in der ZDF-Sendung auch deutlich, dass er selbst bereits geimpft sei - die Corona-Impfung selbst sei also nicht der Kern seiner Kritik. Die Gastronomen und Unternehmer mit der Entscheidung über 2 oder 3G-Regelungen zu belasten und sie damit zu zwingen „die Gesellschaft zu spalten“, löse aber nicht das eigentliche Problem, nämlich dass sich viele Ungeimpfte mit Corona infizieren.

Das Ergebnis der 2G-Regel sei nicht, dass die Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, zu Hause blieben, sondern dass dadurch wieder illegale Partys gefeiert würden, die nicht zu kontrollieren seien, versucht er Baerbock zu erklären. „Die werden nicht Däumchen drehen, weil sie nicht in den Club rein dürfen. Nein, die werden sich illegal treffen, so wie es die ganze Zeit war, in Hamburg, in Frankfurt, überall“, erklärt der Clubbetreiber seine Befürchtungen. Dadurch werde es wieder ein viel erheblicheres Infektionsgeschehen geben. „Irgendwas muss geändert werden“, fordert er.

Frankfurter Clubbetreiber bei „Klartext“ (ZDF): „2G auf dem Rücken der Gastronomen ist nichts tun.“

„Ich sehe das anders“, widerspricht Baerbock und erklärt, Deutschland werde ohne diese Regelungen wieder in einen schwierigen Herbst und Winter hineinrauschen - es müsse solche Maßnahmen geben, die Regierung könne nicht nichts tun. Spaeth widerspricht prompt, es sei genau das: „2G auf dem Rücken der Gastronomen ist nichts tun.“ Die Politik werbe ständig für die Corona-Impfung, eigentlich wolle man einen Impfzwang, erklärt der Frankfurter, dann solle man es doch auch durchziehen: „Dann machen wir den Impfzwang“. Aber das solle dann auch die Entscheidung und die Verantwortung der Politik sein, nicht die der Gastronomie.

Die Kanzlerkandidatin hört zu und nickt immer wieder verständnisvoll, bis Moderator Peter Frey den Clubbetreiber aus Frankfurt erst einmal ausbremst: „Jetzt lassen wir auch Frau Baerbock mal ausreden bitte, an diesem Punkt.“ Und Frau Baerbock redet aus: Deutschland sei an einem Punkt in der Pandemie, an dem sich bereits sehr viele Menschen - laut RKI knapp 63 Prozent der Bevölkerung - haben impfen lassen, solidarisch zeigten und andere so gut wie möglich zu schützen versuchten. Zudem sei das Infektionsgeschehen unter Geimpften deutlich geringer als unter Ungeimpften, so Baerbock mit Bezug auf die aktuellen Beobachtungen.

Einige Bundesländer – darunter auch Hessen – wiesen die Inzidenz der Neuinfektionen einige Zeit extra getrennt aus und unter Ungeimpften waren die Werte meist mehr als zehnmal so hoch wie unter denjenigen, die bereits einen vollständigen Impfschutz gegen das Virus hatten.

„Noch ein Lockdown geht nicht“: Baerbock stellt 2G-Modell im ZDF-„Klartext“ alternativlos dar

Annalena Baerbock macht im ZDF-„Klartext“ dann ganz deutlich, dass diejenigen, die sich in der Pandemie solidarisch zeigen, auch ein Recht darauf hätten, ihre Freiheiten wiederzubekommen und diejenigen, die nicht solidarisch sein möchten, können dann nicht erwarten, dass alle anderen auf ihre Freiheiten verzichten. Für die finanziellen Einbußen, die Gastronomen dadurch haben, müsse es dann wieder Unterstützung geben, aber: „Nochmal in einen Lockdown reinzurutschen, das geht nicht.“

Und an dieser Stelle reißt ZDF-Moderator Frey die Diskussion ab. „Wir haben noch ein paar andere Themen“, unterbricht er das Luftholen des Frankfurter Clubbetreibers und bietet ihm an, die Debatte um die umstrittene 2G-Regel im Anschluss an die Sendung mit der Kanzlerkandidatin fortzuführen. (iwe)

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