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Kleinere Allianzen hätten mehr Durchschlagskraft

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Von: Christiane Warnecke

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Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Politik

Frustration und Enttäuschung sind bei vielen Menschen groß, nachdem die Weltklimakonferenz kaum Fortschritte gebracht hat. Auf den ersten Blick ist es vollkommen unverständlich, dass die Teilnehmer nicht über einen Minimalkonsens hinauskamen. Liegen die Warnungen der Wissenschaftler vor Klimakatastrophen ungeahnten Ausmaßes doch seit Jahren auf dem Tisch. Und es ist bekannt, dass sich das Zeitfenster, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, in Kürze schließt.

Wie also konnte es passierten, dass die Welt wieder eine entscheidende Chance vertan hat, den Klimakollaps auf der Erde abzuwenden?

Die Antwort liegt im Spannungsverhältnis zwischen Wissenschaft und Politik. Einige Forscher beklagen, die Wissenschaft habe eine viel zu schwache Stimme in politischen Verhandlungen. 2019 etwa veröffentlichte die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina eine Stellungnahme, in der Sofortmaßnahmen zum Schutz des Klimas beschrieben werden. Die Forscher gaben also klare Empfehlungen an Staaten.

Andere Klima-Experten hingegen vertreten die Auffassung, Wissenschaftler sollten sich auf ihre Fachperspektive beschränken und in politischen Prozessen zwar beraten, aber keine Ergebnisse vorgeben, um ihre Unabhängigkeit zu wahren.

Am Ende sind es aber die Politiker, die darüber entscheiden, welchen Stellenwert sie wissenschaftlichen Ergebnissen in ihren Entscheidungen zumessen. Denn einerseits schreibt das Grundgesetz dem Staat eine Schutzpflicht für die natürlichen Lebensgrundlagen zu. Auf dieser Grundlage sehen Juristen die Politik schon jetzt in der Pflicht zum Handeln.

Andererseits gilt es, in der politischen Willensbildung für den Ausgleich gesellschaftlicher Gegensätze zu sorgen. So plädieren etwa Sozialwissenschaftler dafür, bei klimapolitischen Entscheidungen auch die gesellschaftlichen Auswirkungen mit zu bedenken. Das gilt umso mehr für ärmere Länder.

Vor dem Hintergrund dieser Komplexität in den Entscheidungsprozessen zweifeln Wissenschaftler zurecht an der Durchschlagskraft von Klimakonferenzen in ihrer derzeitigen Form. Vielleicht wäre eine Allianz der Hauptverursacher von Treibhausgasen eine effizientere Herangehensweise. Denn es müssen schnell umfassende Schritte folgen.

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