Ein Mann gestikuliert in Richtung Feuerwehr, die mit einem Löschzug eine Straße entlang fährt. Sizilien, Sardinien, Kalabrien und auch Mittelitalien wurden von Waldbränden schwer getroffen.
+
Ein Mann gestikuliert in Richtung Feuerwehr, die mit einem Löschzug eine Straße entlang fährt. Sizilien, Sardinien, Kalabrien und auch Mittelitalien wurden von Waldbränden schwer getroffen.

Foreign Policy

Können im Kampf gegen den Klimawandel aus Feinden Verbündete werden?

  • Foreign Policy
    VonForeign Policy
    schließen

Im Zuge des sich verschärfenden Klimawandels gibt es viele Anreize für eine grenzüberschreitende militärische Zusammenarbeit – auch zwischen Gegnern.

  • Im Kampf gegen den Klimawandel bietet eine Zusammenarbeit verschiedener Staaten große Chancen – auch zwischen Gegnern.
  • Denn die Instabilität durch die Klimakrise und Naturkatastrophen ist für viele Staaten eine immense Herausforderung.
  • Bündnisse zwischen konkurrierenden Nationen oder Staaten mit unterschiedlichen ideologischen Ansichten, die sich einem gemeinsamen Feind gegenübersehen, sind nicht ungewöhnlich.
  • Dieser Artikel liegt erstmals in deutscher Sprache vor – zuerst veröffentlicht hatte ihn am 28. Juli 2021 das Magazin „Foreign Policy“.

Zwei der Hauptthemen, die während des G-7-Treffens im Juni diskutiert wurden, waren die kollektive Sicherheit und Maßnahmen gegen den Klimawandel. Durch die Trennung der beiden Themen wurde jedoch eine Chance vertan. In jüngster Zeit haben die Regierungen der USA und Großbritanniens begonnen, den Klimawandel als Sicherheitsbedrohung und Ursache für Instabilität zu betrachten und ihn sogar in ihren Verteidigungsstrategien zu erwähnen. Eine der Hauptsorgen sowohl der amerikanischen als auch der britischen Verteidigungsbeamten ist, dass der Klimawandel Bedingungen schaffen kann, die Feindseligkeiten zwischen oder innerhalb von Nationen verstärken.

Zu diesen Bedingungen gehören Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände, Stürme und andere Naturkatastrophen, die zu Nahrungsmittel- und Wasserknappheit, Massenmigration und Krankheitsausbrüchen führen können – und damit möglicherweise zu gewaltsamen Konflikten um Land oder Ressourcen oder zu Bürgerunruhen, die Regierungen destabilisieren könnten. Mit dem Klimawandel müssen militärische Kräfte auch immer öfter bei Hilfsmaßnahmen eingesetzt werden oder unter immer extremeren Wetterbedingungen kämpfen. Letzteres erfordert neue Trainingsmethoden und neue Ausrüstungen, die an extreme Umweltbedingungen wie lang anhaltende Hitzewellen und Stürme angepasst werden können.

Da der Klimawandel jeden betrifft und Naturkatastrophen unterschiedslos zuschlagen, können die Nationen über ideologische, ethnische, religiöse und andere Unterschiede – und sogar frühere Konflikte – hinwegsehen, um sich in einem gemeinsamen Kampf gegen etwas zusammenzuschließen, das sie alle bedroht.

Foreign Policy

Können im Kampf gegen den Klimawandel aus Feinden Verbündete werden?

Der Klimawandel sollte jedoch nicht nur als Bedrohung betrachtet werden. Sie kann auch eine Gelegenheit zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sein. Transnationale regionale militärische und zivile Kooperationen könnten in der Tat das leisten, was einst der Handel für die Förderung friedlicher Beziehungen zwischen Nationen geleistet hat. Da der Klimawandel jeden betrifft und Naturkatastrophen unterschiedslos zuschlagen, können die Nationen über ideologische, ethnische, religiöse und andere Unterschiede – und sogar frühere Konflikte – hinwegsehen, um sich in einem gemeinsamen Kampf gegen etwas zusammenzuschließen, das sie alle bedroht.

Gemeinsame Ausbildung sowie die gemeinsame Nutzung von Informationen und Technologien könnten bestehende Bündnisse stärken und dazu beitragen, Konflikte besser zu bewältigen, wenn im Laufe der Zeit Vertrauen aufgebaut wird. Eine solche Partnerschaft könnte auch dazu beitragen, die Regierungen besser auf die Bewältigung von klimabedingten Krisen vorzubereiten.

Die militärische Zusammenarbeit in Friedenszeiten wäre ein wesentlicher Bestandteil einer solchen Partnerschaft. Die Streitkräfte werden für den Einsatz in Notfällen ausgebildet. Sie verfügen über Fähigkeiten, über die viele gemeinnützige Organisationen nicht verfügen, wie z. B. Maschinen, Ausrüstung und zahlreiche gut ausgebildete und organisierte Einsatzkräfte, zu denen auch Sanitäter gehören, die schnell einsatzbereit sind. Sie können eine wirksame Ressource sein, um auf klimabedingte Notfälle zu reagieren.

Transnationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die Klimakrise: Verbesserung der Beziehungen

Eine solche Zusammenarbeit bietet echte Möglichkeiten zur Verbesserung der zwischenstaatlichen Beziehungen in der ganzen Welt - insbesondere im Nahen Osten und in Nordafrika, wo Spannungen zwischen den Ländern vorherrschen und der Klimawandel potenziell tiefgreifende Auswirkungen haben wird. Viele Städte an der Mittelmeerküste, wie Alexandria in Ägypten und Städte in Tunesien und Libyen, sind durch den steigenden Meeresspiegel von Überschwemmungen bedroht. Wasserressourcen wie das Tote Meer, das zwischen Jordanien und Israel liegt, schrumpfen aufgrund steigender Temperaturen und abnehmender Niederschläge.

Dürreperioden in Syrien haben zu einer Massenmigration vom Land in die Städte geführt. Der Klimawandel hat auch erhebliche negative Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Kapazitäten der Länder in der Region. Heftige Stürme haben in Jeddah, Saudi-Arabien, Überschwemmungen verursacht. Extreme und lang anhaltende Hitzewellen von fast 50 Grad Celsius haben das Leben von Millionen von Menschen im Irak, in Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderswo gefährdet. Bahrain, Kuwait, Libanon, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Palästinensischen Gebiete, Israel, Saudi-Arabien, Iran und Oman leiden alle unter einer begrenzten Wasserversorgung.

Diese Bedingungen haben sich destabilisierend auf die Länder ausgewirkt, sowohl intern, indem sie zu Demonstrationen und wirtschaftlicher Instabilität geführt haben, als auch durch zunehmende Spannungen zwischen den Ländern. Streitigkeiten über Wasserressourcen beispielsweise verschärfen die Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern, insbesondere im Gazastreifen, wo ein großer Wassermangel herrscht. Mehr als 90 Prozent des Wassers in Gaza ist aufgrund des hohen Salzgehalts und der Verschmutzung durch Abwässer nicht zum Trinken geeignet, und der Großteil des Trinkwassers kommt aus Israel nach Gaza. Die Spannungen um die Wasserressourcen im Tigris-Euphrat-Becken, das sich der Irak, die Türkei und Syrien teilen, haben die Reibungen zwischen den drei Ländern verschärft.

Instabilität durch Klimawandel ist für viele Länder eine große Sorge – und ein Anreiz zur Zusammenarbeit

Viele Länder des Nahen Ostens verfügen nicht über das Wissen und die Technologie, um unter zunehmend trockenen Bedingungen Nahrungsmittel anzubauen, so dass sie zunehmend auf Importe angewiesen sind. Dadurch steigen die Lebensmittelpreise, was zu Unruhen führen kann, wie es in Ägypten, Libanon und Tunesien vor dem Arabischen Frühling 2011 der Fall war. Auch das Wissen über überschwemmungsfreies und energieeffizientes Bauen fehlt weitgehend. Vielen Ländern fehlen auch die Mittel, um ihre Bevölkerung im Alleingang in Sicherheit zu bringen und in den von Katastrophen betroffenen Gebieten Hilfe zu leisten. Die Regierungen sind daher besorgt über die Instabilität, die der Klimawandel verursacht hat und wahrscheinlich weiterhin verursachen wird. All dies sind Anreize für eine Zusammenarbeit, auch mit Gegnern.

Es gibt bereits Kooperationen zwischen Ländern im Nahen Osten; Israel und die VAE arbeiten seit der Unterzeichnung eines Normalisierungsabkommens im Jahr 2020 in Umweltfragen zusammen. Dazu gehört die gemeinsame Nutzung fortschrittlicher israelischer Technologien in den Bereichen erneuerbare Energien und Landwirtschaft, wie z. B. die Tröpfchenbewässerung, die den Wasserverbrauch optimiert und die Produktivität erhöht. Dies ist für beide Seiten von Vorteil und hat das Potenzial, die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken.

Israel und Jordanien arbeiten seit langem gemeinsam am Bau einer Pipeline, mit der Wasser aus dem Roten Meer in das Tote Meer geleitet werden soll, um zu verhindern, dass dieses aufgrund der Wüstenbildung weiter schrumpft. Die Zusammenarbeit zwischen den Nachbarn begann nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrags im Jahr 1994. Davor waren Streitigkeiten über den Jordan und einseitige Wassererschließungsprojekte ein Hauptgrund für den Konflikt zwischen den beiden Staaten. Israels ehemaliger Generalstabschef der Streitkräfte, Gadi Eizenkot, hat kürzlich eine engere Abstimmung zwischen Israel und seinen Nachbarn bei der Bewältigung von Umweltkatastrophen gefordert, um die Beziehungen zu verbessern und die Sicherheit Israels zu erhöhen.

Klimakrise: Mehrere Anreize für eine Zusammenarbeit – selbst zwischen Gegnern

Diese Partnerschaften werden zwar begrüßt, aber sie sind in der Regel bilateral oder betreffen nur eine Handvoll Länder, die bereits diplomatische Beziehungen aufgebaut haben. Und sie umfassen in der Regel keine Pläne für gemeinsame militärische Anstrengungen im Falle von Naturkatastrophen oder humanitären Krisen.

Einige Kooperationen sind wahrscheinlicher als andere. So wird Israel beispielsweise mit Ländern zusammenarbeiten, zu denen es diplomatische Beziehungen unterhält, aber nur ungern mit seinen Feinden wie dem Iran und Syrien. Hinzu kommt, dass einige Regierungen, insbesondere nicht-demokratische Regime, es vorziehen könnten, nicht zusammenzuarbeiten, weil sie eigentlich wollen, dass klimabedingte Katastrophen und die daraus resultierenden politischen Umwälzungen ihren Gegnern Instabilität bringen.

Es gibt jedoch mehrere Anreize für eine Zusammenarbeit, selbst zwischen Gegnern. Dazu gehört, dass man einer gegenseitigen Bedrohung wirksamer entgegentreten und die nationale Sicherheit durch den Aufbau von Beziehungen zu Ländern, zu denen man keine diplomatischen Beziehungen unterhält, verbessern kann. Dies ist besonders wichtig für Länder, die eine gemeinsame Grenze haben und daher von gemeinsamen Klimakatastrophen wie Waldbränden oder Überschwemmungen betroffen sein könnten. Ein finanzieller Anreiz für die Zusammenarbeit kann darin bestehen, Ressourcen gemeinsam zu nutzen, anstatt die finanzielle Last der Neuausrüstung, Ausbildung und Mobilisierung der Streitkräfte allein zu tragen.

Im Iran herrscht Unruhe wegen Wasserknappheit, Syrien leidet an Dürre – Zusammenarbeit mit anderen Nationen könnte helfen

Die iranische Regierung erlebt derzeit bedeutende Unruhen wegen der Wasserknappheit. Schwere Dürreperioden haben den Krieg in Syrien verstärkt. Die Zusammenarbeit mit anderen Nationen und regionale Umweltabkommen können jedoch die Fähigkeit der Regierungen verbessern, ihren Bevölkerungen in durch den Klimawandel verursachten Krisen zu helfen, was möglicherweise die politische Instabilität minimiert und somit als Anreiz dient, politische Streitigkeiten zu überwinden.

Die Vereinten Nationen haben sechs regionale Kollaborationszentren (RCC) eingerichtet, wobei das Zentrum für den Nahen Osten seit 2019 in Dubai angesiedelt ist. Mehrere Probleme verhindern, dass dieses Zentrum in der Region eine große Wirkung entfalten kann. Es ist nicht umfassend, da es nur arabische Länder umfasst. Sein Kooperationspotenzial ist begrenzt, da die Länder keine aktiven Akteure im RCC Dubai sind und es an Mechanismen fehlt, die die Zusammenarbeit und das Engagement fördern. (Das RCC bietet Beratungeb ab und veranstaltet Workshops, fördert aber keine militärischen Beziehungen zur Unterstützung von Hilfsmaßnahmen.

Die Einrichtung eines multilateralen regionalen Rates oder Bündnisses kann für alle Beteiligten von Vorteil sein. Zu den Bereichen der Zusammenarbeit gehören der Austausch und die Entwicklung von Technologien für die Bewässerung, saubere und erneuerbare Energien sowie Initiativen für eine nachhaltige Entwicklung. Verbindliche Vereinbarungen über die Vermeidung von Umweltschäden, wie z. B. Luft- und Wasserverschmutzung, sind nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes wichtig, sondern auch, um die Nachbarländer nicht zu verärgern.

Die Koordinierung ist von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass Länder keine einseitigen Projekte in Angriff nehmen, die die Wasserqualität oder -versorgung anderer Länder, das Überschwemmungspotenzial und andere Belange beeinträchtigen können, um Risiken für die Bevölkerung zu vermeiden und Spannungen und Konfliktgefahren zu verringern. Ein erstes Beispiel hierfür ist das äthiopische Staudammprojekt Grand Ethiopian Renaissance, das die Spannungen mit Ägypten und dem Sudan über den Zugang zum Wasser des Nils verschärft hat.

Für die Zusammenarbeit von Ländern zentral: Aufbau militärischer Kooperationen

Ein zentrales Element wird der Aufbau militärischer Kooperationen sein, um koordinierte Nothilfe bei Naturkatastrophen, humanitären Krisen und anderen durch den Klimawandel verursachten Notfällen zu leisten, die für die einzelnen Länder zu groß sind, um sie allein zu bewältigen. Die Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften wird mehrere Vorteile haben. Selbstständigkeit ist das eine: Die Region wird Fachwissen entwickeln, um auf Klimanotfälle zu reagieren, und erlangt die Fähigkeit, ohne Hilfe von außen zu reagieren. Die Hilfe wird schnell eintreffen, und es wird eine wirksame, koordinierte Anstrengung von Kräften sein, die dafür ausgerüstet sind, gemeinsam trainiert haben, in den meisten Fällen die lokale Sprache sprechen und mit der Region vertraut sind.

Die Auswirkungen des Klimawandels stellen regionale Bedrohungen dar, die über religiöse, ethnische und geografische Unterschiede und Spannungen hinausgehen. Daher sollte die Zusammenarbeit auch zwischen Ländern erfolgen, die keine Normalisierungsabkommen für den Frieden oder formelle diplomatische Beziehungen haben. Das kann dazu beitragen, Spannungen abzubauen und Vertrauen aufzubauen, selbst zwischen Ländern, die derzeit in Konflikte verwickelt sind - ohne die politische Autonomie zu untergraben. Eine solche regionale militärische Zusammenarbeit wird sowohl die staatliche Autorität und Legitimität als auch die Zivilgesellschaft stärken, da die Bevölkerung sicherer wird und die überregionale Sicherheit zur Norm wird.

Angesichts der zahlreichen Spannungen und Konflikte zwischen den Ländern des Nahen Ostens kann es hilfreich sein, Drittländer bei den Verhandlungen und der Koordinierung und Bildung regionaler Bündnisse einzubeziehen. Die Vereinigten Staaten können hier ein wichtiger Akteur sein. Im Rahmen einer Partnerschaft, die militärische Kräfte einschließt, kann das US Central Command (oder Centcom), das für die Region Naher Osten-Nordafrika zuständig ist und nun auch Israel einschließt, bei der Koordinierung gemeinsamer Ausbildungsübungen helfen.

Das bedeutet, dass israelische, saudische, ägyptische und irakische Streitkräfte beispielsweise speziell für gemeinsame Hilfseinsätze trainieren und von den Vereinigten Staaten mit Ausrüstung und Spezialtraining unterstützt werden können, ohne dabei Wissen und Technologien auszutauschen, Geheimnisse preiszugeben und die Sicherheit der einzelnen Länder zu gefährden.

Drittstaaten wie USA und das Vereinigte Königreich können eine Aufsichtsfunktion wahrnehmen

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zusammenarbeit und begrenzter Offenlegung von Fähigkeiten ist der Schlüssel dazu, dass die Länder ihre Sicherheit nicht gefährden. Bei gemeinsamen Anstrengungen kann es eher um die Koordinierung gehen, insbesondere wenn es sich um Länder ohne Friedens- oder Normalisierungsabkommen handelt, als um eine Zusammenarbeit, die die Preisgabe von Informationen oder die Offenlegung von Technologien für ausländische Streitkräfte erfordert, die eigentlich geheim gehalten werden sollten. Die teilnehmenden Länder können prüfen, inwieweit sie bereit sind, bei der Zusammenarbeit zur Bewältigung von Umweltkatastrophen Informationen und Technologien auszutauschen.

Bündnisse zwischen Nationen mit unterschiedlichen ideologischen Ansichten oder konkurrierenden Interessen, die sich einem gemeinsamen Feind gegenübersehen - wie etwa die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Kampf gegen Nazi-Deutschland - sind jedoch nicht ungewöhnlich.

Foreign Policy

Drittstaaten wie die Vereinigten Staaten* und das Vereinigte Königreich können eine Aufsichtsfunktion wahrnehmen, um Korruption zu verhindern, Transparenz zu gewährleisten und bei der Koordinierung und Konfliktlösung innerhalb des Bündnisses zu helfen. Sie können auch bei der Ausbildung helfen und Fachwissen vermitteln. In einem im März veröffentlichten Dokument des britischen Verteidigungsministeriums mit dem Titel „Climate Change and Sustainability Strategic Approach„ (Strategischer Ansatz für Klimawandel und Nachhaltigkeit) wird der Wunsch geäußert, dass sich das Vereinigte Königreich an solchen Unternehmungen beteiligt, indem - wenn auch nur kurz - erwähnt wird, dass „versucht werden sollte, eine Koalition von Streitkräften aufzubauen, die daran arbeiten, Anpassung- und Widerstandsfähigkeit sowie Entschärfung zu erreichen“.

Dies ist keine einfache Aufgabe. Einige Länder werden sich dem widersetzen, entweder weil sie sich weigern, mit Feinden zusammenzuarbeiten, oder weil sie die anhaltende Instabilität in der Region als Vorteil für ihre eigenen Interessen betrachten. Auch das Fehlen gemeinsamer Werte kann ein Hindernis darstellen. Bündnisse zwischen Nationen mit unterschiedlichen ideologischen Ansichten oder konkurrierenden Interessen, die sich einem gemeinsamen Feind gegenübersehen - wie etwa die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Kampf gegen Nazi-Deutschland - sind jedoch nicht ungewöhnlich.

Da Katastrophen immer häufiger und härter auftreten, könnten die Nationen bereit sein, ihre Differenzen zu überwinden, um gemeinsam an diesem sehr speziellen Thema zu arbeiten. Die Aufnahme einer militärischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit in einem engen Themenbereich könnte weitreichende positive Auswirkungen auf die kollektive und nationale Sicherheit und Stabilität in dieser vom Krieg gezeichneten Region haben.

von Limor Simhony

Limor Simhony ist Politikberaterin und Forscherin in London. Zuvor war sie Direktorin für Extremismusbekämpfung bei der Politikberatungsfirma TRD Policy und Forschungsstipendiatin am Institute for National Security Studies. Sie promovierte an der Abteilung für Kriegsstudien des King‘s College London.Twitter: @limorsimhony

Dieser Artikel war zuerst am 238 Juli 2021 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Foreign Policy Logo

Lesen Sie auch: In einem umkämpften internationalen Umfeld können sich die Großmächte China und USA gegenseitig anspornen. Der Wettbewerb könnte gut für den Klimaschutz* sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare