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Kommentar: Addio, Alitalia!

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Von: Panagiotis Koutoumanos

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ARCHIV - Ein Absperrband mit der Aufschrift «Alitalia» hängt am 20.03.2017 während eines Streiks auf dem Flughafen in Mailand (Italien). (zu dpa «Insolvenz droht: Alitalia beantragt Fremdverwaltung durch Staat» vom 02.05.2017) Foto: Antonio Calanni/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Ein Absperrband mit der Aufschrift «Alitalia» hängt am 20.03.2017 während eines Streiks auf dem Flughafen in Mailand (Italien). (zu dpa «Insolvenz droht: Alitalia beantragt Fremdverwaltung durch Staat» vom 02.05.2017) Foto: Antonio Calanni/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ © Antonio Calanni (AP)

Dass es in Europa wider alle ökonomische Vernunft immer noch marode Airlines wie Alitalia gibt, ist letztlich nur dem Umstand zuzuschreiben, dass zuweilen das Selbstbewusstsein einer ganzen

Dass es in Europa wider alle ökonomische Vernunft immer noch marode Airlines wie Alitalia gibt, ist letztlich nur dem Umstand zuzuschreiben, dass zuweilen das Selbstbewusstsein einer ganzen Nation an der Heckflosse einer Airline hängt. Das Leitwerk mit den Nationalfarben bildet nun mal die Visitenkarte eines Landes, die sich auch die Italiener ungern nehmen lassen. 1947 gegründet, ist Alitalia Teil des Gründungsmythos Nachkriegsitalien. Lange Jahre stand die Fluggesellschaft mit der Trikolore am Heck für die Kraft eines aufstrebenden Landes und war dabei stets Instrument zur Vermarktung der Nation. Der Name stand für Fortschritt, den man im Verbund mit italienischem Dolce Vita stolz herzeigte. International begehrte Stars wie Gina Lollobrigida, Sophia Loren und Anita Ekberg waren weltweit zu sehen, wie sie über die Gangway schwebten. Ihr bester Werbeträger ist nach wie vor der Papst: Wenn er im Ausland die Treppe herunterschreitet, um die Erde zu küssen, prangt das Alitalia-Logo der Sondermaschine stets im Hintergrund.

Entsprechend hat sich Italiens Politik schwergetan, die chronisch notleidende Fluglinie ihrem Schicksal zu überlassen, die in den vergangenen Jahrzehnten weniger durch exzellenten Service und Pünktlichkeit als vielmehr Mismanagement, Korruption und Streiks aufgefallen ist. Acht Milliarden Euro hat der Staat seit den 70er Jahren in die Fluglinie investiert, allein seit 2008 zwei Sanierungsversuche auf den Weg gebracht, bei denen italienische Banken und zuletzt der derzeitige Großaktionär Etihad Airways aus Abu Dhabi weitere Milliarden versenkt haben. Aber Gewinn hat Alitalia in diesem Jahrtausend noch nicht eingeflogen. 2016 lag das Minus bei 460 Millionen Euro; derzeit verbrennt sie noch täglich gut eine Million Euro. Die Schulden haben die Milliarden-Marke längst überschritten.

Die Ursachen sind schnell gefunden: Zum einen hat keiner der Verantwortlichen ein tragfähiges Konzept entwickelt. Zum anderen hat der beharrliche Widerstand von Gewerkschaften und stets streikbereiter, staatsgläubiger Belegschaften die Reformen verhindert, die nötig gewesen wären, um ein wettbewerbsfähiges Kostenniveau zu erreichen. So hatten es die Billigflieger leicht, den italienischen Markt zu erobern. Mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent ist Ryanair längst Numero uno in Italien. Und diese Vormachtstellung wird den Iren kaum mehr zu nehmen sein.

Vor diesem Hintergrund wird sich kein Luftfahrt-Unternehmen finden lassen, das Alitalia übernehmen will. Angesichts der Überkapazitäten im europäischen Markt, die vor allem von den weiterhin boomenden Billig-Airlines gebildet werden, haben Lufthansa und andere große Airlines genug mit sich selbst zu tun. Inzwischen gleicht Alitalia einem Lazarus mit zwei Bypässen. Und niemand sollte versuchen, ihr neues Leben einzuhauchen. Es wird Zeit, Abschied zu nehmen: Addio, Alitalia!

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