+

Kommentar zur AfD: Die Partei der Selbstzerfleischer

  • VonMirco Overländer
    schließen

Vorläufiges Finale eines absurden Machtkampfs: Als alleinige Spitzenkandidatin darf Frauke Petry die Alternative für Deutschland nicht in den Bundestagswahlkampf führen, Teil eines Spitzenteams will

Vorläufiges Finale eines absurden Machtkampfs: Als alleinige Spitzenkandidatin darf Frauke Petry die Alternative für Deutschland nicht in den Bundestagswahlkampf führen, Teil eines Spitzenteams will die hochschwangere AfD-Chefin nicht sein.

Das Schmierentheater, das Petrys Unterstützer und Gegner seit dem Sturz Bernd Luckes vor bald zwei Jahren aufführen, erinnert eher an eine Shakespeare-Tragödie als an sachorientierte Realpolitik. Frei nach dem Motto „Der König ist tot, lang lebe der König“ wird in der AfD munter gekungelt, gemobbt und intrigiert, bis die Feinde von gestern zu den Verbündeten von morgen geworden sind, um gemeinsam den nächsten Umsturz auszuhecken.

Würde die Führungsriege der AfD nur halb so viel Energie auf politische Inhalte verwenden wie auf interne Grabenkämpfe, so könnte die Partei binnen weniger Jahre tatsächlich zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft heranreifen. Geeignete Themen und frustrierte Wähler gäbe es genug. Doch statt die etablierten Parteien vor sich herzutreiben, zerreißt man sich in der AfD lieber das Maul darüber, wie braun die Gesinnung eines Björn Höcke ist, ob Frauke Petry ihrem halbseidenen Gemahl Marcus Pretzell hörig ist und ob dieser einem Redenschreiber nun 20 000 Euro schuldet oder nicht. Die Liste der Skandale und Petitessen ließe sich beliebig fortführen und auf beinahe jedes politische Gremium ausweiten, in dem AfD-Abgesandte vertreten sind.

Ähnlich wie bei der Piratenpartei nehmen die internen Machtkämpfe in der AfD in jenem Maße an Intensität zu, je rascher die Partei wächst. Die Piraten implodierten auf dem vorläufigen Höhepunkt ihres Erfolges geradezu – weil sich das Spitzenpersonal gegenseitig demontierte.

Bei der AfD indes galt jahrelang: Wer am lautesten und schrillsten auftritt, findet am meisten Gehör und steigt umso rascher in der Gunst der Wähler. Doch diese Empörungsrhetorik nutzt sich rasch ab und wendet sich inzwischen gegen jene, die etablierten Politikern moralisches Versagen unterstellen und selbst keinen Deut besser sind. Hinzu kommt eine ausgeprägte Wagenburgmentalität, die dazu führt, dass interne Streitigkeiten nicht als zu vermeidende Fehler wahrgenommen werden, sondern als niederträchtige Kampagnen des politischen Gegners oder der „Systempresse“.

Vielleicht ist dies das verbindende Schicksal linker wie rechter Ideologen: Starrhalsigkeit und Fundamentalismus werden als Standhaftigkeit verkauft. Doch demokratischer Diskurs basiert auf der Fähigkeit, Kompromisse zu schließen und gegenteilige Standpunkte anzugleichen. Wer diese Fähigkeit nicht besitzt, dem fehlt ein unverzichtbares Werkzeug, um im politischen Alltag zu bestehen.

Wenn die AfD bei ihrem Parteitag am Samstag in Köln den nächsten „Königsmord“ begeht, ist sie auf dem besten Weg, wieder zur Nischenpartei für chronisch unzufriedene Protestwähler zu werden.

mirco.overlaender@fnp.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare