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Günter Murr. Foto: Salome Roessler

Kommentar: Bahn - Strecken unter Strom setzen

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Plötzlich ist der öffentliche Nahverkehr wieder in aller Munde. Busse und Bahnen sollen das Problem lösen, das uns luftverpestende Dieselfahrzeuge eingebrockt haben.

Plötzlich ist der öffentliche Nahverkehr wieder in aller Munde. Busse und Bahnen sollen das Problem lösen, das uns luftverpestende Dieselfahrzeuge eingebrockt haben. Und natürlich muss es jetzt ganz schnell gehen, damit Fahrverbote verhindert werden.

Schnell geht aber beim Ausbau des Schienenverkehrs gar nichts. Das betrifft nicht nur die großen Ausbauprojekte wie die neuen Gleise zwischen Frankfurt und Bad Vilbel oder die nordmainische S-Bahn nach Hanau, auf die Berufspendler schon seit Jahrzehnten warten. Auch die Modernisierung der Bahnhöfe kommt nur langsam voran. Es geht nicht nur um schwach frequentierte Stationen in ländlichen Regionen. Selbst am Frankfurter Südbahnhof, einem der wichtigsten Knotenpunkte in der Region, sind bisher nur wenige Bahnsteige barrierefrei erreichbar. Fährt man nur eine halbe Stunde mit dem Regionalexpress, etwa nach Gernsheim, fühlt man sich an längst vergangene Eisenbahnepochen erinnert. Welcher Pendler lässt seine komfortable, klimatisierte Diesel-Limousine stehen, um an einem zugigen Bahnsteig auf die Bahn zu warten, die wegen einer Signalstörung wieder einmal verspätet ist? Mit der Infrastruktur von vorgestern lassen sich die Verkehrsprobleme von heute nicht lösen.

Die Millionen, welche die Bahn in den kommenden Jahren in das hessische Netz investiert, sind deshalb auch als Nachholprogramm zu verstehen. Damit aber ist es nicht getan. Damit die Bahn dauerhaft eine umweltfreundliche Alternative zum Pkw bleibt, muss sie ihr eigenes Schadstoffproblem lösen. Denn auch im dicht besiedelten Ballungsraum Rhein-Main gibt es noch viele Strecken ohne Fahrdraht, auf denen dieselbetriebene Züge eingesetzt werden, etwa zwischen Höchst und Königstein, zwischen Friedrichsdorf und Friedberg oder zwischen Bad Vilbel und Glauburg-Stockheim. Manche Züge fahren bis in den Frankfurter Hauptbahnhof.

Union und SPD in Berlin haben das Problem erkannt und in ihrem Koalitionsvertrag eine Förderinitiative zur Elektrifizierung von Nebenbahnen angekündigt. Hier sollte das Land Hessen beherzt zugreifen und mit Priorität die Strecken im Ballungsraum unter Strom setzen. Denn man kann nicht Privatautos aussperren und gleichzeitig Dieselloks weiter in die Stadt fahren lassen.

guenter.murr@fnp.de Bericht auf Seite 1

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