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Kommentar zur Bayern-Wahl: In Hessen geht die Angst um

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Das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl stürzt die CSU vom Thron des Alleinregenten und die SPD in eine tiefe existenzielle Krise. Eine desaströse Bilanz, die ihre Ursache hauptsächlich in der

Das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl stürzt die CSU vom Thron des Alleinregenten und die SPD in eine tiefe existenzielle Krise. Eine desaströse Bilanz, die ihre Ursache hauptsächlich in der unprofessionellen Performance der großen Koalition in Berlin hat. Auch Kanzlerin Merkel muss jetzt mit noch mehr Gegenwind aus den eigenen Reihen rechnen. Und ob sich CSU-Chef Seehofer halten kann, der mit seinem egozentrischen Störfeuer die eigene Partei beschädigt und die Koalitionskrise ausgelöst hat, wirkt auch mehr als fraglich.

Seehofers Kalkül, mit rechtsnationalen Parolen der AfD potenzielle Wähler abzugraben, ist offensichtlich nicht aufgegangen. Obgleich der Zuspruch für die AfD geringer ausfiel als zwischenzeitlich prognostiziert worden war.

Nun blickt die Republik nach Hessen, wo in zwei Wochen ebenfalls ein neuer Landtag gewählt wird. Dort geht die Angst um, dass der Spuk aus Bayern und Berlin die landespolitischen Fragen überlagert. Ministerpräsident Bouffier ging am Wochenende hart mit der CSU ins Gericht und warf der Schwesterpartei vor, sie habe die Union viel Vertrauen gekostet. Droht der Koalitionskrach in Berlin doch auch die Hessen-CDU mit in den Abgrund zu reißen, obwohl sie zusammen mit den Grünen durchaus Erfolge vorzuweisen hat. In Wählerstimmen scheinen das allerdings allein die Grünen ummünzen zu können.

Noch mehr Sorgenfalten dürfte das Ergebnis aus Bayern Bouffiers Herausforderer Schäfer-Gümbel auf die Stirn treiben. Die dramatischen Verluste für die SPD entfachten schon gestern Abend die Debatte neu, ob die SPD lieber die große Koalition verlassen sollte, um nicht gänzlich in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Eine Diskussion, die der Wahlkämpfer Schäfer-Gümbel überhaupt nicht gebrauchen kann. Hat er es doch geschafft, seinen Landesverband neu aufzurichten und zu einen – eine Leistung, von der die Genossen auf Bundesebene nur träumen können.

Da Schäfer-Gümbel wie Bouffier beide aber auch stellvertretende Bundesvorsitzende ihrer Parteien sind, wird es nicht ausbleiben, dass sie in Mithaftung für die Querelen in Berlin genommen werden, die bei vielen Wählern – in Kombination mit der fatal langen Tatenlosigkeit in der Dieselkrise – zu großem Verdruss geführt hat.

So müssen die Wahlkämpfer in Hessen nun alles daran setzen, die Aufmerksamkeit auf die Themen zu lenken, die den Menschen in Hessen unter den Nägeln brennen. Die Wucht der Debatte in Berlin wird das aber fast unmöglich machen.

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