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Kommentar: Beamtenstatus nicht mehr zeitgemäß

Stellen Sie sich vor, es ist Schultag, und kein Lehrer geht hin. Dieses Schreckensszenario ist mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts unwahrscheinlich geworden – zumindest in Hessen, wo die meisten Lehrer verbeamtet sind.

Stellen Sie sich vor, es ist Schultag, und kein Lehrer geht hin. Dieses Schreckensszenario ist mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts unwahrscheinlich geworden – zumindest in Hessen, wo die meisten Lehrer verbeamtet sind. Denn Beamte dürfen auch weiterhin nicht streiken.

Das Argument, dass Kinder sonst vor leeren Klassenzimmern stehen, ist jedoch nur ein schwaches. Schließlich streiken auch Pflegekräfte, Lokführer oder Müllmänner, die für die Gesellschaft ebenfalls unverzichtbare Aufgaben erfüllen. Im Gegensatz zu ihnen genießen verbeamtete Lehrer jedoch Privilegien wie etwa einen sicheren Arbeitsplatz und gute Pensionen. Es ist für Beamte wesentlich leichter, Beruf und Familie zu vereinbaren oder Sabbatjahre einzulegen. Es ist daher schlüssig zu folgern, dass mit ihrem besonderen Status besondere Verpflichtungen einhergehen.

Die klagenden Lehrer hatten aber erklärt, dass sie – anders als Polizisten – keine hoheitlichen Aufgaben erfüllen. Das führt zur Frage, ob ihr Beamtenstatus noch zeitgemäß ist. Pädagogen müssen heute nicht nur Lehrpläne umsetzen, sie sind de facto auch Betreuer, Psychologen und Integrationsbeauftragte. Im Angestelltenverhältnis wäre es möglich, diese anspruchsvolle Aufgabe nach Leistung zu honorieren. Die vielen engagierten Lehrer könnten besser motiviert, die wenigen Problemlehrer müssten nicht bis zur Pensionierung beschäftigt werden. Wenn manche Länder jedoch Lehrer mit dem Beamtenstatus ködern wollen, damit sie bei Überlastung nicht den Beruf wechseln können, schafft das in jede Richtung einen falschen Anreiz.

pia.rolfs@fnp.de Bericht auf dieser Seite

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