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Kommentar: Becker wäre eine Option

  • Harald Joisten
    vonHarald Joisten
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Jede Dekade hat ihre herausragenden Sportler. Im Damen-Tennis waren das in den vergangenen Jahrzehnten Spielerinnen wie Martina Navratilova, Chris Evert und Steffi Graf.

Jede Dekade hat ihre herausragenden Sportler. Im Damen-Tennis waren das in den vergangenen Jahrzehnten Spielerinnen wie Martina Navratilova, Chris Evert und Steffi Graf. Aktuell fehlt der WTA-Tour eine solche Ausnahmeerscheinung, weil die 35-jährige Serena Williams wegen Schwangerschaft pausiert. Eigentlich eine große Chance für Angelique Kerber. Der Weg zu weiteren Titel ist ohne Williams freilich einfacher. Doch ausgerechnet in dieser historisch seltenen Situation, in der es bei Grand-Slam-Turnieren keine Top-Favoritin gibt, ist Kerber völlig von der Rolle.

Rational zu erklären ist das nicht. Nach ihrem glänzenden Jahr 2016 schien die sensible Kielerin endlich den Durchbruch geschafft zu haben: Erster Grand-Slam-Sieg, erstmals Sprung an die Weltranglisten-Spitze – das sollte ihr Selbstbewusstsein geben. Das Gegenteil ist aktuell der Fall. Die 29-Jährige wirkte bei ihrem Erstrunden-Aus in Paris wie eine Debütantin, die sich kaum etwas zutraut. In Interviews findet die Blondine vor Aufregung mitunter nicht die richtigen Worte. Das erinnert an Steffi Graf, die auch das Rampenlicht scheute.

Sportlich trennen beide Spielerinnen Welten. Kerber ist kein Ausnahmetalent, sie hat im vergangenen Jahr vermutlich sogar über ihrem Limit gespielt. Das verdient umso mehr Respekt. Sollte sie weiterhin große Motivation verspüren, wäre ein Trainer-Wechsel logisch. Ihr jetziger Coach Torben Beltz hat sie zwar in die Weltspitze geführt. Doch Kerber muss etwas ändern, obwohl sie generell Kontinuität bevorzugt. Sie sollte beim neuen Trainer auf einen großen Namen setzen. Auf jemanden, der Charisma hat, der selbst große Erfolge gefeiert hat. Boris Becker zum Beispiel. Er war als Spieler mental bärenstark, hat als Coach schon Erfolg gehabt und würde von Kerber etwas Druck nehmen, weil er selbst die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht.

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