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Politik

Kommentar: Berater-Affäre - Von der Leyens Niedergang

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Wenn es vor drei, vier Jahren in der CDU ein Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel gegeben hätte, wäre Ursula von der Leyen mit Sicherheit ganz vorne dabei gewesen.

Heute dagegen muss die Verteidigungsministerin, die zuvor die Ressorts Familie und Arbeit erfolgreich führte, von der Zuschauertribüne aus mitansehen, wie sich Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) und Jens Spahn jeden Abend auf der Bühne miteinander balgen. Selbst wenn von der Leyen ihren Hut in den Ring geworfen hätte, wäre sie vollkommen chancenlos gewesen.

Dabei galt sie lange Zeit als Merkels Kronprinzessin. Aber zum einen hat der sehr ehrgeizigen Tochter des verstorbenen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht immer die Unterstützung der Parteibasis gefehlt, zum anderen war auch unklar, ob sie von der Kanzlerin wirklich unterstützt wurde. Bis heute ist ungewiss, ob Merkel, als sie Leyen 2013 zur Verteidigungsministerin machte, wohlwollend testen wollte, ob die Niedersächsin zu Höherem taugt. Oder ob sie einkalkulierte, dass Leyen – wie so viele ihrer Vorgänger – kleiner aus diesem schwierigen Amt herauskommt, als sie hineingegangen ist. Jetzt steht fest, dass Leyen die Serie nicht brechen konnte. Vor ihr hatte in diesem Ressort nur der spätere Kanzler Helmut Schmidt gezeigt, dass er den Marschallstab im Tornister trägt.

Dass Leyen ihren Rückhalt bei Merkel verloren hatte, war spätestens klar, als diese nach der Bundestagswahl Annegret Kramp-Karrenbauer zur Generalsekretärin und damit faktisch zur Wunsch-Nachfolgerin machte. Danach hat sich Leyens Abstieg in der Parteihierarchie nur noch fortgesetzt. Als sie gestern vor dem Verteidigungsausschuss wegen der Berateraffäre in ihrem Ressort „gegrillt“ wurde, war sie auf dem Tiefpunkt angekommen. Sie hat – wie auch viele andere Konzernchefs – den Fehler gemacht, anstatt auf den eigenen Verstand voll auf das teure Berater(un)wesen zu setzen, das sich in Deutschland breitgemacht hat. Natürlich bedarf es gerade in eingefahrenen Betrieben wie der Bundeswehr der Impulse von außen. Aber wer ausschließlich auf das Prinzip der „neuen Besen“ setzt, vergisst, dass es auch gute Gründe dafür gibt, dass ein System zuvor funktionierte. Statt mit Fingerspitzengefühl eine gute Balance von Bewährtem und Neuen anzupeilen, fand Leyen es chic, dass ihre Staatssekretärin Katrin Suder ständig ihre Ex-Kollegen von McKinsey engagierte, just jener Beratungsfirma, bei der auch eine Leyen-Tochter ist.

Aber in Ungnade war die Ministerin bei der Bundeswehr schon gefallen, als sie nach der Affäre um den rechtsradikalen Offizier Franco A., der sich als Syrer ausgab und einen Terroranschlag plante, von der gesamten Truppe abrückte und diese mehr oder weniger unter „Rechtsverdacht“ stellte. Eine Chefin, die bei Gegenwind von ihrer Truppe abrückt – das kam weder bei der Wehr noch in der CDU gut an. Deshalb dürfte Leyen, die meistens Merkel-treu auftritt, höchstens dann eine Chance auf Wiederverwendung haben, wenn beim CDU-Casting „AKK“ das Rennen macht. Unter Merz oder Spahn wird Leyen kaum noch lange weiterdienen können.

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