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Kommentar: Deutsche Bank - Boni-Verzicht wäre ratsam gewesen

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Über der Deutschen Bank schlägt eine Woge der Entrüstung zusammen, nachdem zunächst ein erneuter Jahresverlust angekündigt wurde und dann zu lesen war, dass dennoch über eine Milliarde Euro an Boni ausgeschüttet werden sollen.

Über der Deutschen Bank schlägt eine Woge der Entrüstung zusammen, nachdem zunächst ein erneuter Jahresverlust angekündigt wurde und dann zu lesen war, dass dennoch über eine Milliarde Euro an Boni ausgeschüttet werden sollen.

Zunächst zu den Fakten: Variable Vergütungen sind bei den übertariflich bezahlten Bank-Mitarbeitern keine Prämie, die nur ausnahmsweise für Spitzenleistungen ausgeschüttet wird, sondern ein fester Gehaltsbestandteil. Der Vorstand hatte zwei Jahre in Folge auf Boni verzichtet, für den Rest der Belegschaft kürzte er sie drastisch. 2016 (für 2017 liegen noch keine detaillierten Angaben vor) wurden die variablen Vergütungen von zuvor 2,4 Milliarden auf 500 Millionen Euro zusammengestrichen. Die Gesamt-Personalkosten sanken dadurch um 1,6 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro. 316 Deutsch-Banker verdienten 2016 mindestens eine Million Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 756 gewesen. Die beiden Spitzenverdiener lagen bei sechs bis sieben Millionen Euro Jahresgehalt – eine stolze Summe, aber kein Vergleich mehr zu Boni von in Einzelfällen 80 Millionen Euro jährlich. Von vornherein hatte das Management klargestellt, dass die Sparrunden 2016 und 2017 Ausnahmen bleiben sollten. Die Argumentation ist nachvollziehbar, schließlich will die Bank ja nicht den Geschäftsbetrieb einstellen und muss daher sehen, dass ihr nicht zu viele Spitzenkräfte davonlaufen; diese nehmen dann Fachwissen und häufig auch Kundenbeziehungen mit zur Konkurrenz. Das Gegenargument, die Bank wolle doch ohnehin Stellen abbauen, zieht nicht: Die Mitarbeiter, die freiwillig gehen, sind selten diejenigen, auf die ihr Arbeitgeber verzichten kann und will.

Auf der anderen Seite ist der Öffentlichkeit schwer zu erklären, warum eine „Leistung“ belohnt werden sollte, die am Ende zu roten Zahlen geführt hat. Das Ergebnis zählt – und die Ausrede des Vorstands, Donald Trump sei schuld, kann dem Aktionär egal sein. Daher wäre ein abermaliger Verzicht auf Boni ein Akt der politischen Hygiene gewesen, der den Leistungsträgern der Bank gut zu Gesicht gestanden und auch die Zustimmung zur sozialen Marktwirtschaft gestärkt hätte. Dass ihn Cryan nicht durchsetzen konnte oder wollte, setzt seine schon zuvor unglückliche Kommunikation fort.

Dennoch ist die Angelegenheit kein Grund für die Politik, mit Aktionismus – und einer steuerlichen Bestrafung von Bonuszahlungen – einzuschreiten. Der richtige Ort für eine Debatte über die Gehälter ist die Hauptversammlung. Schließlich sind es die Aktionäre, zu deren Lasten überhöhte Summen letztlich gehen – und die nicht zufrieden sein können, wenn sich Investmentbanker die Taschen füllen, während der Aktienkurs immer weiter absackt. Bericht auf Seite 4

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