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Kommentar: Deutschland verzettelt sich im Klein-Klein

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Morgen beginnt der 88. Genfer Automobilsalon. Es ist die wichtigste Automesse des Jahres. Während sich Deutschland nach dem Leipziger Diesel-Urteil wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen benimmt und ein großes Nachrichtenmagazin mit der „Wut der Autofahrer“ Auflage macht, gewähren die Aussteller in Genf Einblicke in die Mobilität der Zukunft, die vor allem elektrisch sein wird.

Morgen beginnt der 88. Genfer Automobilsalon. Es ist die wichtigste Automesse des Jahres. Während sich Deutschland nach dem Leipziger Diesel-Urteil wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen benimmt und ein großes Nachrichtenmagazin mit der „Wut der Autofahrer“ Auflage macht, gewähren die Aussteller in Genf Einblicke in die Mobilität der Zukunft, die vor allem elektrisch sein wird.

Als ob die Verwirrung über mögliche Fahrverbote, Wertverluste älterer Dieselautos, Nachrüstungen und Luftreinhaltepläne nicht schon groß genug wäre, prescht die Präsidentin des Umweltbundesamtes mit einem Vorschlag zur Einführung von zwei blauen Plaketten vor und löst damit den zu erwartenden Reflex des neuen Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer aus: Der CSU-Politiker lehnt die Idee kategorisch ab und tritt damit die „würdige“ Nachfolge von Alexander Dobrindt an. Maria Krautzberger hat mit ihrem unklugen Alleingang der berechtigen Forderung nach Einführung einer bundesweiten blauen Plakette für die Diesel, die den neuesten Emissionsstandards entsprechen, einen Bärendienst erwiesen. Denn nachdem Scheuer sofort den Daumen gesenkt hat, ist das Thema fürs Erste erledigt. Zumal ihre Überlegung, eine hellblaue Plakette für Euro-5-Diesel und bereits zugelassene Euro-6-Diesel sowie eine dunkelblaue für die künftigen Diesel der Abgasstufe Euro-6d in die Windschutzscheibe zu kleben, den Kontrollaufwand ins Unermessliche steigern und in der polizeilichen Wirklichkeit ad absurdum führen würde.

Es ist traurig, dass im Autoland Deutschland das große Ganze aus den Augen verloren wird. Stattdessen verzetteln sich die Kontrahenten im Klein-Klein und bewegen unterm Strich nichts. Unser Land hat sich der Luftreinhaltung und dem Klimaschutz verschrieben. Das muss die Autoindustrie und ihre Lobby endlich zur Kenntnis nehmen. Die deutsche Wirtschaft ist innovativ und stark genug, um technischen Fortschritt und Umweltziele unter einen Hut zu bringen. Die Weichen für den Verkehr der Zukunft zu stellen, ist eine der drängendsten Herausforderungen der neuen Groko.

michael.balk@fnp.de Bericht auf Seite 4

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