+
ARCHIV - 24.03.2017, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Die Uhren der Installation "Zeitfeld" von Klaus Rinke zeigen die Zeit. Bei der EU-Umfrage zur Sommerzeit hat sich laut einem Bericht der "Westfalenpost" die große Mehrheit der Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung in Frühjahr und Herbst ausgesprochen. Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kommentar zur EU: Drehen an der Uhr – oder am Rad?

  • schließen

Was war der letzte große Erfolg der EU? Die Rettung Griechenlands? Die Geschlossenheit gegen die Handelshändel von Donald Trump? Das Aus für die Halogenleuchten? Kein Gedanke! Der größte Erfolg der Europäischen Union mindestens in diesem Jahrzehnt ist – die Online-Umfrage zur Zukunft der Sommerzeit. Knapp zehnmal so viele Teilnehmer wie je bei einer solchen Meinungserforschung. Und dazu auch noch ein glasklares Ergebnis: Acht von zehn Europäern lehnen die jährliche Umstellung der Uhren ab. Knapp genauso viele wünschen sich die permanente Sommerzeit – auch im Winter.

Was war der letzte große Erfolg der EU? Die Rettung Griechenlands? Die Geschlossenheit gegen die Handelshändel von Donald Trump? Das Aus für die Halogenleuchten? Kein Gedanke! Der größte Erfolg der Europäischen Union mindestens in diesem Jahrzehnt ist – die Online-Umfrage zur Zukunft der Sommerzeit. Knapp zehnmal so viele Teilnehmer wie je bei einer solchen Meinungserforschung. Und dazu auch noch ein glasklares Ergebnis: Acht von zehn Europäern lehnen die jährliche Umstellung der Uhren ab. Knapp genauso viele wünschen sich die permanente Sommerzeit – auch im Winter.

Man kann an diesem Resultat selbstverständlich sehr leicht sehr viel herummäkeln. Nicht repräsentativ! Nicht bindend! Und dann auch noch diese deutsche Übermacht, wieder einmal! Tatsächlich kamen fast zwei Drittel der Voten aus dem größten Mitgliedsland – das ohnedies unter dem Dauerverdacht allzu ausgeprägten Bevormundungswillens steht.

Und doch: Mit der Umfrage hat die Kommission, ausnahmsweise, bislang alles richtig gemacht. Und falls sie nun tut, was möglich ist – die Umstellung abschaffen und den Nationalstaaten überlassen, ob sie künftig dauerhaft eher winter- oder sommerlich ticken wollen: Dann würde die EU sich da, wo es ohne Kopfstände oder sonstige Verrenkungen möglich ist, auf das Niveau ihrer Bürgerinnen und Bürger begeben. Die nämlich schätzen die Zusammenarbeit und die daraus resultierende Verbundenheit, die die EU garantiert; aber sie halten wenig bis nichts von zwangsweiser Gleichmacherei.

Schon jetzt lebt ja die EU ganz problemlos in drei Zeitzonen; und Nachbarn wie Portugal und Spanien, Schweden und Finnland, Ungarn und Rumänien teilen vieles – nicht aber die Uhrzeit. Es droht also mitnichten ein „Chaos!“ – vor dem die Zeitung mit den großen Buchstaben auch nur wegen der grellen Schlagzeile warnt.

Kein Jahr vor der Europawahl kann die EU jeden Beweis brauchen, dass sie sich interessiert für das, was ihre Mitglieder plagt – oder wenigstens beschäftigt. Nicht die Regierenden. Sondern die Regierten. Zumal die Populisten und Europafeinde unausgesetzt das Gegenteil behaupten können. Weil die Brüsseler ihnen unausgesetzt zuarbeiten. Jüngste Beispiele: das Verfehlen der Klimaziele. Und die unendliche Geschichte der gemeinsamen Asyl- und Flüchtlingspolitik.

Deshalb: Am nicht ganz unverdient schlechten Ruf von Kommission & Compagnie ändert es nichts, falls in Brüssel einmal an der Uhr gedreht werden sollte. Die 500 Millionen zwischen Polmak und Birzebbuga werden sich nicht sämtlich über Nacht in Fans verwandeln – erst recht nicht in Zeiten des Brexits und ein paar weiterer existenzbedrohlicher Uneinigkeiten. Statt einmal an der Uhr dreht die EU für zu viele ihrer Einwohner viel zu häufig am Rad.

politik@fnp.de Bericht auf Seite 28

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare