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Eintracht Frankfurt

Kommentar zur Eintracht-Strafe: Ein fast gutes Urteil

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Keine Frage, Eintracht Frankfurt ist vom DFB-Sportgericht für die Vorfälle in Magdeburg hart bestraft wurden. Aber das ist grundsätzlich auch gut so. Wer Pyro als Waffe benutzt, wer Leuchtraketen in Menschenmassen schießt, der macht sich zumindest der versuchten schweren Körperverletzung schuldig. Und das hat in einem Fußballstadion nun wirklich nichts zu suchen.

Da hilft auch nicht, dass sich Verein und Eintracht-Anhang nach der Schande von Magdeburg eindeutig geäußert haben, dass sogar aus dem Fanlager Hinweise auf den Täter kamen. Zu spät, um ein milderes Urteil erwirken zu können.

Mal sehen, ob nun alle kapiert haben, dass man sich bei allem jugendlichen Übermut, bei allem Ärger über die Kommerzialisierung des Fußballs, bei allen sozialen Problemen unserer Gesellschaft, die mit dem Fußball überhaupt nichts zu tun haben, dass ein Stadion kein rechtsfreier Raum sein kann. In der Frankfurter Fanszene wird es noch heiße Diskussionen geben, wobei die Ultras befürchten müssen, ihre bisherige Vormachtstellung zu verlieren. Sie widersprechen zwar vehement der Meinung vieler, der Haupttäter, der die Raketen abschoss, käme aus ihren Reihen. Doch mit dem Zünden schwarzer Rauchtöpfe haben sie diesem Kriminellen die Tat erleichtert.

In fünf von sechs Punkten geht dieses Urteil also in Ordnung. Nur die Personalisierung von Auswärtstickets ist mehr als fragwürdig. Einerseits stellt dies eine Einschränkung der Grundrechte dar, andererseits birgt ein solches Verfahren auch große Gefahren. Bei vielen Begegnungen können sich Eintracht-Fans Tickets beim jeweiligen Gastverein besorgen. Dann sitzt oder steht eine Gruppe plötzlich mitten unter gegnerischen Fans. Was dann passieren kann, hat man vergangene Saison in Darmstadt gesehen. Fan-Trennung in den Stadien hilft der Polizei deutlich mehr als ein Durcheinander in einem Block. Und was hilft es, wenn man die 1500 Personen namentlich kennt, die in einem Block stehen? Wer im Ernstfall der Täter war, weiß man deshalb noch lange nicht.

Und wenn DFB-Richter Hans E. Lorenz hofft, dass man mit dieser Auflage so gute Erfolge erzielt, dass sich andere Vereine in der kommenden Saison diesem Verfahren anschließen werden, dann muss man nicht weit um die Ecke denken, dass die eine oder andere Gruppierung versuchen wird, dagegen zu steuern. Sprich, dass trotz Personalisierung der Tickets nicht alles ruhig bleiben wird.

Bei diesem Punkt des Urteils haben sich Kontrollausschuss und Gericht auf gefährliches Eis begeben. Selbst bei Teilen des DFB und der Polizei werden sie hier nicht mit Beifall rechnen dürfen.

Auch in Darmstadt wird man nun nachdenklich werden. Denn beim letzten Hessenderby wurden Eintracht-Anhänger aus dem Lilien-Block mit Leuchtraketen beschossen. Mal sehen, wie da das Urteil lautet.

 

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