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Wichtigste politische Auszeichnung der Welt: Die Vorderseite der Medaille des Friedensnobelpreises.

Meinung

Kommentar zum Friedensnobelpreis: Gute Entscheidung

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Der Frieden ist kein natürlicher Zustand zwischen Menschen, er muss abgesichert werden, war die Erkenntnis des Philosophen Immanuel Kant. Doch wer soll für seine Bemühungen um diese Absicherung den Friedensnobelpreis erhalten? Diese Frage schien diesmal schwerer zu beantworten als ihn früheren Jahren.

Doch mit der Wahl der jesidischen Aktivistin Nadia Murad und des kongolesischen Arztes Denis Mukwege hat das Komitee endlich mal wieder eine gute Wahl getroffen, indem es keine Politiker ausgezeichnet hat, sondern mutige Alltagshelden im Kampf gegen Gewalt.

Offenbar hat das Gremium aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Hatte doch da die Vergabe des Friedenspreises oft für Unfrieden gesorgt. So war Barack Obama 2009 kurz nach seinem Amtsantritt mit Nobelpreis-Vorschusslorbeeren bedacht worden, führte aber weiter Krieg. Die Europäische Union wurde 2012 ausgezeichnet, obwohl viele Entscheidungen in der Eurokrise umstritten waren und später viele EU-Länder im Umgang mit Flüchtlingen Menschlichkeit vermissen ließen. Vom Friedensnobelpreis für den langjährigen Terroristen Jassir Arafat 1994 ganz zu schweigen.

Generell ist die Krux am Nobelpreis für aktive Politiker: das Komitee zeichnet sie für eine Momentaufnahme aus, die einen großen Schritt in Richtung Frieden und Menschenrechte bedeuten kann. Aber das macht sie rückwirkend und erst recht nicht für die Zukunft zu moralisch unangreifbaren Helden. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen in einer komplexen und sich rasant verändernden Welt schnell. Was jemand heute baut, reißt er morgen vielleicht schon ein. Das zeigt das Beispiel der Nobelpreisträgerin und einstigen Oppositionellen Aung San Suu Kyi, die heute als Regierungschefin von Myanmar zur Vertreibung der muslimischen Rohingya schweigt.

Aber auch wenn der Preis diesmal nicht an Politiker vergeben wird, ist er natürlich politisch. Knüpft er doch an die #MeToo-Bewegung an, die vor einem Jahr weltweit ins Rollen kam. Die dadurch ausgelöste Debatte nahm teilweise hysterische Züge an, wenn sie zwischen verbalen Scharmützeln und realer Belästigung nicht mehr unterschied und zu Vorverurteilungen führte. Die erschütternden Geschichten der diesjährigen Preisträger aber zeigen eindrücklich, dass die sexuelle Gewalt gegen Frauen als größtes Problem wieder in den Fokus dieser Debatte rücken muss. Auch das ist ein Verdienst dieses Nobelpreises.

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