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Das Logo des Autobauers Opel wird im Deunkeln angeleuchtet.

Opel-Razzia

Kommentar: Es geht um die Moral

Wer dachte, Rüsselsheim sei das Tal der Glückseligen, ist seit gestern eines Besseren belehrt: Nach Durchsuchungen bei BMW und VW filzten die staatsanwaltschaftlichen Ermittler auch Opel-Geschäftsräume.

Wer dachte, Rüsselsheim sei das Tal der Glückseligen, ist seit gestern eines Besseren belehrt: Nach Durchsuchungen bei BMW und VW filzten die staatsanwaltschaftlichen Ermittler auch Opel-Geschäftsräume. Und das Kraftfahrt-Bundesamt will gar rund 100 000 Diesel-Fahrzeuge in die Werkstätten schicken.

Wieder geht es um Abschalteinrichtungen am Motor. Der grundsätzliche Vorwurf des Betrugs ist der gleiche wie bei den Konkurrenten – und auch die Verteidigungsstrategie ist identisch: Da wird die „vollumfängliche Zusammenarbeit“ mit den Behörden versprochen und man ist sich keiner Schuld bewusst.

Die Öffentlichkeit ist die ewige Abwiegelei und das Herunterspielen der eigenen Verantwortung leid: Bei Opel wie bei den anderen Diesel-Manipulatoren wird so lange keine Schuld zugegeben, wie kein Nachweis eines Betrugs erfolgt ist. Statt Ehrlichkeit und Offenheit bestimmen technische Spitzfindigkeiten die Diskussion, die auch von Fachleuten nur schwer nachvollzogen werden können.

Damit sinkt die Glaubwürdigkeit der Autoindustrie weiter, während die Unsicherheit der Dieselfahrer bleibt, die immer noch nicht wissen, wer welche Umrüstungen anbietet und bezahlt. Und weiter kreist auch das Damoklesschwert der drohenden Fahrverbote über vielen Städten.

Dies sind alles keine guten Aussichten für eine Industrie, die Vorzeigebranche sein will. Vielleicht sollte man lieber sagen: Einst Vorzeigebranche war?

Das Bewusstsein dieser Industrie muss sich grundlegend wandeln, wenn sie weiter eine wichtige Rolle im internationalen Wettbewerb spielen will. Andere sind bei alternativen Fahrzeugantrieben weiter. Es geht dabei um die Technik, aber auch und vor allem um die Moral.

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