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Kommentar zu Habeck: Vom Querdenker zum Wirrkopf

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Seit Robert Habeck und Annalena Baerbock vor einem Jahr die Grünen-Spitze übernommen haben, schwimmt die Partei auf der Erfolgswelle. Sie hat ihre Stimmenanteile quasi verdoppelt.

Seit Robert Habeck und Annalena Baerbock die Grünen-Spitze übernommen haben, schwimmt die Partei auf der Erfolgswelle. Sie hat ihre Stimmenanteile quasi verdoppelt. Aber zumindest Habeck scheint der Erfolg zu Kopf gestiegen zu sein. Er eckte in letzter Zeit mit einigen Tweets an. So forderte er vor der Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober, endlich die Alleinherrschaft der CSU zu beenden und somit aus dem Bundesland eine Demokratie zu machen – als ob die CSU dort zuvor eine finstere Diktatur errichtet hätte. Habeck löschte den Tweet nach heftiger Kritik– doch er hat nichts daraus gelernt. Er forderte nämlich jetzt ähnlich dämlich, Thüringen bei der Wahl im Herbst zu einem „demokratischen“ Land zu machen. Und das, obwohl in Erfurt weder SED noch AfD herrschen, sondern die Grünen in einem Linksbündnis sogar mitregieren.

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Auch das wurde zurückgezogen, doch diesmal fällt die Reue heftig aus. Habeck, ein Hauptopfer der jüngsten Cyberattacke auf Politiker, zieht sich von Facebook und Twitter zurück. Er will seine Daten, aber auch sich vor sich selbst schützen, denn er sagt, er sei fast süchtig nach der Anerkennung in den sozialen Netzwerken geworden. Zwar hätte man sich seinen Rückzug auch wieder eine Nummer kleiner vorstellen können, aber Habeck scheint erkannt zu haben, dass er sich auf einem gefährlichen Pfad befindet.

Habecks Tweets sind Schwarz-Weiß-Denken geschuldet

Die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihm vor Monaten vorgeworfen, aus lauter Furor gegen „ Populisten“ immer öfter selbst populistisch zu argumentieren. Und da scheint in der Tat der Hase im Pfeffer zu liegen. Habeck gibt sich als derjenige, der das „Lagerdenken“ überwinden will, aber am besten, indem alle in sein Lager wechseln sollen. Wenn er den Gegensatz von rechts und links für veraltet erklärt, ihn aber durch einen Gegensatz von Befürwortern einer offenen oder unfreien Gesellschaft ersetzt, polarisiert er fast heftiger als früher. Denn rechts im Sinne von konservativ konnte man sein, ohne damit gleich ein Freiheitsfeind genannt zu werden. Im Gegenteil. Die Konservativen sahen sich sogar als Verteidiger der freien Gesellschaft gegen die sozialistischen „Gleichmacher“.

Habecks Tweets sind nicht nur einem schnellen Finger, sondern gewissem Schwarz-Weiß-Denken geschuldet: Wer nicht wie die Grünen denkt, ist tendenziell undemokratisch. Mit dem Thüringen-Tweet hat er allerdings ein Eigentor geschossen, das auch schädlich für seine Partei ist. Denn sie hat ihre aktuelle Klausurtagung extra nach Frankfurt an der Oder verlegt, um in Hinblick auf die drei Landtagswahlen auch im Osten besser Fuß zu fassen. Habecks Ko-Chefin Baerbock, die in Brandenburg wohnt, gibt sich dementsprechend viel Mühe, auch mit jenen Menschen ins Gespräch zu kommen, die nicht Grünen-nah sind. Sie dürfte von Habecks neuer Polemik kaum begeistert gewesen sein.

Auf Sicht könnte sich Baerbock als die stärkere der beiden erweisen. Sie scheint politisch besser sortiert zu sein als Habeck, dessen Querdenker-Image sich in Richtung arroganter Wirrkopf drehen könnte.

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