Martin Schulz, Kanzlerkandidat und Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), spricht am 29.05.2017 beim Fest der SPD-Zeitschrift "Vorwärts" in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Martin Schulz, Kanzlerkandidat und Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), spricht am 29.05.2017 beim Fest der SPD-Zeitschrift "Vorwärts" in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Martin Schulz

Kommentar: Die Härte für Schulz

  • Cornelie Barthelme
    vonCornelie Barthelme
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Das ist der Unterschied zwischen Angela Merkel und Donald Trump. Der US-Präsident jettet eine Woche durch die Welt, brüskiert und beleidigt die engsten Verbündeten Amerikas, dass es keine Art hat

Das ist der Unterschied zwischen Angela Merkel und Donald Trump. Der US-Präsident jettet eine Woche durch die Welt, brüskiert und beleidigt die engsten Verbündeten Amerikas, dass es keine Art hat – und am Ende twittert er über den Globus „Harte Arbeit, aber große Ergebnisse!“. Die Kanzlerin fährt nach Trudering, stemmt im Bierzelt eine Maß, dass den Bayern dort ob der dilettantischen Handhaltung grausen muss, und heißt dazu im allerschönsten spröden Merkelisch die USA in Zeiten von Trump einen unzuverlässigen Kantonisten, weshalb Europa sich jetzt in Einigkeit zusammenreißen müsse. Das Twittern kann sie sich sparen. Der Beifall rauscht aus dem Zelt hinaus durch Europa bis nach Amerika und von dort wieder zurück.

Selbst aus der SPD-Zentrale tut nach einem kleinen Tag Bedenkzeit und durch die Ströme von Wut- und Verzweiflungstränen seiner Genossen hindurch Martin Schulz der Republik und der Welt kund, dass die Kanzlerin Recht hat.

Selten in der Politik gelingt es, das Innere und das Äußere so eng zu verweben, noch seltener, einen Wahlkampf schon knapp vier Monate vor seinem Ende unabänderlich entschieden wirken zu lassen. Angela Merkel hat am Sonntag beides geschafft – und wie nebenbei auch die Herren Seehofer, Schulz und Trump. Jeder der drei sah nach ihrem Auftritt auf seine je eigene Art schlecht aus. Am schlechtesten Martin Schulz.

Mit einem Satz – der nicht einmal neu ist in ihrem Repertoire – hat die Kanzlerin ihrem Herausforderer sein ureigenes, sein bestes, sein stärkstes Thema nicht einmal entrissen, sondern ganz einfach abgenommen. So wie ein Babysitter das wertvollste, aber missachtete Spielzeug in Sicherheit bringt, weil das Sandkastenkind etwas anderes gerade spannender findet. Im Fall Schulz war das Reizvolle die soziale Gerechtigkeit. Nur ist die, bislang, eine große Enttäuschung. Denn Schulz und die SPD haben in Monaten nicht entdeckt, wie sie funktionieren könnte.

Wie indes das ins Schlingern geratene und reichlich uneinige Europa wieder auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen wäre: Dazu hatte Schulz, als er noch Präsident des EU-Parlaments war, sehr genaue Vorstellungen, die zugleich mit Nüchternheit und Leidenschaft ersonnen waren und über das Um-jeden-Preis-alles-zusammenhalten-Mantra klar hinauswiesen. Seit er aber Wahlkämpfer ist und Kanzlerinkonkurrent, scheint Schulz all das vergessen zu haben. So wie die SPD insgesamt, dass man einen gescheiterten Kanzlerkandidaten, der ins Kabarettistenfach wechselt, nicht ernst nehmen muss, sondern als das, was er sein will: ein Possenspieler.

Das ist, 117 Tage vor der Bundestagswahl, der Unterschied zwischen Martin Schulz und Angela Merkel. Harte Arbeit hier wie dort – sie aber hat Nerven, er zeigt welche. Ihr wird die Rettung der freien Welt zugetraut. Ihm nicht einmal mehr die der SPD. Für Schulz ist das – die Härte.

Bericht Seite 1

politik@fnp.de

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